Zahnarztrechnung senkt Steuerlast

GESUNDHEITSKOSTEN ⋅ Zahnsanierungen sind teuer. Wer allerdings die Behandlung richtig plant, zahlt immerhin weniger Steuern. Die Ersparnis kann mehrere tausend Franken ausmachen.
09. Februar 2018, 00:00

Rainer Rickenbach

Eine umfassende Zahnsanierung schmerzt gleich doppelt. Zuerst machen den Patienten die Behandlung und deren Folgen zu schaffen. Später folgt nicht selten noch eine gesalzene Rechnung. Immerhin: Wer viel bezahlt hat, braucht dafür später weniger Steuern zu bezahlen. Bei sehr hohen Sanierungskosten kann die Steuerersparnis sogar beträchtlich sein.

Bei einer Behandlung im vergangenen Jahr lassen sich die entsprechenden Kosten in der Steuererklärung geltend machen, welche die Steuerämter in den nächsten Wochen verschicken. In den Zentralschweizer Kantonen gilt bei Gesundheitskosten, die die Patienten aus eigener Tasche bezahlen, eine Art steuerlicher Selbstbehalt. In den Kantonen Luzern, Zug, Uri, Ob- und Nidwalden können Rechnungen für ungedeckte Gesundheitsausgaben bei den Steuern geltend gemacht werden, die 5 Prozent des steuerlichen Nettoeinkommens (nach den üblichen Abzügen) übersteigen. Das gilt auch für die direkte Bundessteuer. Im Kanton Schwyz liegt die Hürde sogar noch tiefer – bei lediglich 3 Prozent des steuerlichen Nettoeinkommens.

Behandlungskosten sollten binnen Jahresfrist anfallen

Flattert eine Zahnarztrechnung von 20000 Franken ins Haus, lässt sich ein schöner Teil davon am Einkommen abziehen. Eine Stadtluzernerin beispielsweise mit einem Nettoeinkommen von 60000 Franken kann den Selbstbehalt von 5 Prozent oder 3000 Franken steuerlich zwar nicht geltend machen. Doch was darüber hinausgeht, lässt sich vom Einkommen abziehen – in unserem Beispiel sinkt das versteuerbare Einkommen um satte 17000 Franken. Statt 60000 Franken versteuert sie also nur ein Einkommen von 43000 Franken. Unter dem Strich zahlt sie wegen der Zahnarztrechnung mehr als 3000 Franken weniger Steuern für Stadt und Kanton.

Ein Patient im Kanton Schwyz spart mit denselben Zahnarztkosten und dem gleichem Einkommen dank der Zahnarztrechnung rund 2500 Franken Gemeinde- und Kantonssteuern. Die geringere Ersparnis trotz weniger Selbstbehalt als in Luzern erklärt sich mit dem tieferen Steuerniveau im Kanton Schwyz. Weil die Steuern in Franken und Rappen ohnehin weniger hoch ausfallen, sind auch die entsprechenden Abzüge ebenfalls geringer.

«Damit der Staat einen Teil der Zahnarztkosten mitträgt, sollten die Patienten darauf achten, die Behandlung innerhalb eines Kalenderjahres zu terminieren. Denn verteilt sie sich auf zwei Jahre, müssen sie die Hürde mit dem steuerlichen Selbstbehalt zweimal nehmen», erklärt Ruth Stadelmann, Fachfrau im Finanz- und Rechnungswesen beim Beratungsunternehmen Balmer-Etienne. Zudem sei es ratsam, im gleichen Jahr auch andere abzugsfähige Gesundheitsausgaben, zum Beispiel für Brillen, zu tätigen. Die Krankenkassenfranchise und den Selbstbehalt trägt der Versicherte selbst, sie sind darum ebenfalls abzugsfähig. Die Krankenkassenprämien selbst stellen hingegen keine abzugsfähigen Krankheitskosten dar.

Die Regelung gilt für Gesundheitskosten, die Steuerzahler aus der eigenen Tasche zu zahlen haben, nicht aber für solche, welche die Krankenkasse übernimmt. In der Wegleitung zur Luzerner Steuererklärung sind nebst Zahnbehandlungskosten unter anderem Ausgaben für Medikamente und Heilmittel, naturheilärztliche Behandlungen, lebensnotwendige Diäten oder eben Brillen genannt. Die Rechnungen sind den Steuererklärungen beizulegen.

Wichtige Änderungen bei den Abzügen gibt es dieses Jahr beim Ausfüllen der Steuererklärungen nicht zu berücksichtigen. Im Umbruch befinden sich indes die Regelungen für Pendlerkosten. Bisher galt in den meisten Kantonen für die Kilometerpauschalen nach oben nur eine sehr grosszügige oder gar keine Beschränkung. Das begann sich jedoch vor zwei Jahren zu ändern, zuerst bei der direkten Bundessteuer. Mit dem Gesetz zur Finanzierung und zum Ausbau der Eisenbauinfrastruktur (Fabi) beschränkte der Bund die jähr­lichen Abzüge für Pendlerkosten auf maximal 3000 Franken. Nidwalden zog für die Kantons- und die Gemeindesteuern schon 2016 nach, dort dürfen höchstens 6000 Franken für den öffentlichen Verkehr und Privatauto-Arbeitswegkilometer geltend gemacht werden. Der Kanton Schwyz kannte die Beschränkung auf 10000 Franken schon länger, seit dem vergangenen Jahr sind es 8000 Franken.

Der Kanton Luzern wird im kommenden Jahr mit einer Obergrenze von 6000 Franken folgen. Das hatte auch die Zuger Regierung vor, doch die Stimmberechtigten lehnten das Entlastungsprogramm ab, in dem ein Fahrkostenabzug von höchstens 6000 Franken enthalten war. Die Zuger Regierung nimmt nun einen neuen Anlauf. Die begrenzte Pendlerpauschale wird allerdings frühestens im Jahr 2020 eingeführt, sofern das Entlastungsprogramm «Finanzen 2019» in der Bevölkerung Zustimmung findet.


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