Zurich mit weniger Reingewinn

VERSICHERUNGEN ⋅ Eine Gesetzesänderung hat im ersten Halbjahr aufs Resultat gedrückt.
11. August 2017, 00:00

Bei Zurich sank der Reingewinn im ersten Halbjahr um 7 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar. Der Versicherer musste in England und Wales seine Reserven in der Schaden- und Unfallversicherung erhöhen, nachdem die britische Regierung den Diskontsatz zur Berechnung von Personenschaden- und Unfallforderungen verändert hatte. Dadurch wurde der Betriebsgewinn (BOP) mit 289 Millionen Dollar belastet und stagnierte bei 2,17 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen gestern mitteilte.

Ohne diese Gesetzesänderung wäre der Betriebsgewinn um 14 Prozent gestiegen. «Das ist ein gutes Ergebnis», sagte Konzernchef Mario Greco in einer Telefonkonferenz: «Wir sind damit zufrieden.» Man habe profitablere Versicherungsverträge abgeschlossen, neue Kundensegmente erschlossen und die Kosten gesenkt.

Stellenabbauziel beerdigt

Von der geplanten Einsparung von 1,5 Milliarden Dollar bis 2019 seien bereits 550 Millionen erreicht, sagte Greco: «In relativ kurzer Zeit haben wir schon mehr als ein Drittel des Ziels erreicht. Das ist gut.» So habe man den Hebel bei der IT und Verträgen mit Lieferanten angesetzt. Auch am Hauptsitz seien Kosten gesenkt worden.

Explizit beerdigte Greco nun auch offiziell das Ziel zum Abbau von 8000 Stellen, das vor seinem Amtsantritt im letzten Jahr ausgegeben worden war. «Dieses Ziel zur Streichung von 8000 Jobs existiert nicht mehr», sagte der Italiener, der seit März 2016 den Zurich-Konzern führt. «Das war nie ein Teil unserer strategischen Ziele», sagte Greco. Man schaue alle Kostenebenen an, habe aber keine spezifischen Zahlen für den Personalbestand oder einen Personalabbau.

Insgesamt hat der Konzern die Erwartungen der Finanzgemeinde übertroffen. Analysten hatten mit weniger Gewinn gerechnet. Die Experten lobten die Fortschritte beim Sparprogramm und die operativen Verbesserungen. An der etwas schwächeren Schweizer Börse legte die Aktie bis zum Mittag ganz leicht zu. Die Gesetzesänderung in Britannien schlug sich vor allem in der Schaden- und Unfallversicherungssparte nieder. Die grösste Division des Konzerns musste einen Rückgang des Betriebsgewinns um 15 Prozent auf 1 Milliarde Dollar hinnehmen.

Der Schaden-Kosten-Satz (sog. Combined Ratio) verschlechterte sich wegen des Sondereffekts um 1,4 Prozentpunkte auf 99,5 Prozent. Ohne den Sondereffekt hätte er sich leicht verbessert. Unter 100 Prozent ist das Geschäft versicherungstechnisch profitabel. Die Kosten für Naturkatastrophen seien etwas höher gewesen als üblicherweise in dieser Jahreszeit, sagte Finanzchef George Quinn. Allerdings fielen sie um etwa 100 Millionen Dollar tiefer aus als vor einem Jahr.

Damals hatten Stürme in Europa und Waldbrände in den USA aufs Ergebnis geschlagen. Heuer seien es der Wirbelsturm Debbie in Australien sowie Hagelzüge in den USA und der Schweiz gewesen, sagte Quinn. (sda)


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