17-Jähriger der Meuterei schuldig

ZUG ⋅ Gemeinsam mit zwei Mitinsassen ist ein Zuger Jugendlicher im November 2016 gewaltsam aus einem Jugendheim geflohen. Dafür wurde er gestern zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.
13. Juni 2017, 00:00

Das Zuger Strafgericht hat einen jungen Mann, der zusammen mit zwei Kollegen gewaltsam aus dem Jugendheim Aarburg AG ­geflohen ist, gestern zu einer zweieinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Vorderhand bleibt er aber im Massnahmenzentrum.

Das Gericht sprach den bald 18-Jährigen schuldig der versuchten schweren Körperverletzung, des Diebstahls und des mehrfachen Versuchs dazu, der mehrfachen Freiheitsberaubung sowie der Meuterei von Gefangenen. Der Schweizer ist der Erste des Meuterer-Trios, der verurteilt wurde. Gegen seine beiden Kumpel sind Verfahren in den Kantonen Bern und Zürich hängig.

Für den fast Volljährigen ändert sich vorderhand nichts. Er bleibt laut der Gerichtsvorsitzenden im früher angeordneten Massnahmenvollzug in einem Thurgauer Massnahmenzentrum (MZ). Die Berichte der dortigen Betreuer sind positiv, wie an der Hauptverhandlung bekannt wurde.

«Es hat Sie angegurkt»

Im MZ kann der junge Mann eine Lehre absolvieren. Die Massnahme dauert längstens bis er 25-jährig ist. Nach ihrem Abschluss wird neu entschieden, ob die Freiheitsstrafe vollzogen werden muss. Das Gericht folgte weitgehend den Anträgen des Staatsanwalts. Dieser hatte eine dreijährige Freiheitsstrafe und eine 300-Franken-Busse gefordert. Der Verteidiger hatte erfolglos für Freisprüche in einzelnen Punkten und für einen neunmonatigen Freiheitsentzug plädiert.

In der Begründung stufte die Gerichtsvorsitzende das Verschulden des Jugendlichen als schwer ein. Sowohl eine besonders verwerfliche Gesinnung als auch eine besondere Skrupel­losigkeit des Vorgehens seien gegeben. «Es hat Sie angegurkt, in der Aarburg zu bleiben», sagte die Richterin. Das Recht der Betreuer auf Unversehrtheit sei der Flucht untergeordnet worden.

Das Strafgericht Zug hatte Anfang September 2015 den damals 16-jährigen Beschuldigten wegen Betäubungsmittel- und anderer Delikte verurteilt und eine sogenannte Unterbringung angeordnet. Anfang November 2016 trat er in die geschlossene Abteilung des Jugendheims Aarburg ein. Schon am 13. November kam es zum Ausbruch.

Klassischer Fall von Mittäterschaft

Der Beschuldigte und zwei weitere Insassen brachten die beiden diensthabenden Betreuer in ihre Gewalt, indem sie sie zusammenschlugen. Sie stahlen ­ihnen Mobiltelefon, Schlüssel, Autoschlüssel, Bargeld und einen Pfefferspray. Mit Letzterem brachten sie eine weitere Sozialpädagogin dazu, ihnen das äusserste, biometrisch gesicherte Tor zu öffnen.

Laut dem Gericht ist die Aussage des Beschuldigten, er habe keinerlei Gewaltanwendung ­gewollt, nicht glaubwürdig. Es sei klar gewesen, dass man die Schlüssel von den Sozialpädagogen brauchte und dass man sie nicht ohne Gewaltanwendung bekomme. Der Beschuldigte selbst habe einer Betreuerin das Knie in den Bauch gerammt. Zu dritt habe man den Ausbruch geplant, bewusst an jenem Sonntagabend, an dem der Securitas-Mann aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen war. Die drei hätten je austauschbare Rollen gehabt – ein klassischer Fall von Mittäterschaft. (sda)


Leserkommentare

Anzeige: