78-jährige Kosovarin muss nach Hause

SCHWYZ ⋅ Nach dem Tod ihres Gatten kam eine Kosovarin in die Schweiz. Das Bundesgericht schickt die Frau nun zurück.
19. April 2017, 00:00

Die 78-jährige Frau lebte bis zum Tod ihres Ehemannes im Mai 2013 im Kosovo. Wenig später reiste sie als Touristin in die Schweiz ein und wohnte seither bei ihren beiden Söhnen im Kanton Schwyz. Im August 2013 stellte ein Sohn, der hier über eine Niederlassungsbewilligung verfügt, ein Gesuch um Familiennachzug für seine Mutter. Das Volkswirtschaftsdepartement des Kantons Schwyz wies den Antrag auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ab. Sowohl der Schwyzer Regierungsrat als auch das Verwaltungs­gericht des Kantons Schwyz bestätigten, dass der Frau keine Bewilligung erteilt werden kann, um ihren Lebensabend in der Schweiz zu verbringen.

Die Kosovarin gelangte hierauf ans Bundesgericht und hoffte, dass die Lausanner Richter Einsicht zeigten, einen Härtefall bejahten und ihr eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei ihren Söhnen erteilten.

Bundesgericht stützt Entscheid

Die Richter in Lausanne haben die Konstellation insbesondere unter dem Aspekt von Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention – Schutz des ­Familienlebens – geprüft. Dieser Schutz bezieht sich in erster Linie auf die Kernfamilie, also Eltern und minderjährige Kinder. Andere familiäre Beziehungen, namentlich diejenige zwischen Eltern und erwachsenen Kindern, stehen nur ausnahmsweise unter diesem Schutz, nämlich dann, wenn ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis besteht.

Im konkreten Fall räumt das Bundesgericht ein, dass die Kosovarin hilfsbedürftig ist und nach dem Tode ihres Mannes ihr Leben neu organisieren muss. Dies allein begründe aber kein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zu ihren Söhnen in der Schweiz. Vielmehr müsse im Herkunftsland nach Lösungsmöglichkeiten gesucht werden. Und da eine Tochter nur ungefähr zehn Kilometer vom Wohnort der Seniorin entfernt wohne, liege eine greifbare Lösung im Kosovo auf der Hand.

Lösung muss im Heimatland gefunden werden

Selbst wenn die Tochter der Mutter nicht beistehen sollte, muss die Frau zurück in ihr Heimatland. In diesem Fall muss dort eine Lösung gefunden werden.

Urs-Peter Inderbitzin

zentralschweiz@luzernerzeitung.ch


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