Auf dem Schiff in den Hafen der Ehe

LUZERN ⋅ Ab Mai nächsten Jahres kreuzt ein neues Motorschiff durch den Vierwald­stättersee. Es wird auch einem romantischen Trend gerecht.

12. September 2016, 00:00

Noah Knüsel

Es soll im Idealfall der schönste Tag des Lebens sein: die Hochzeit. Lange Zeit lag das Trauungsmonopol bei den Kirchen, doch mittlerweile gibt es ein vielfältiges Angebot an Lokalitäten für zivile Trauungen. Man kann in Schlössern, Hotels und sogar in der Masoala-Halle des Zürcher Zoos heiraten. Dem echten Luzerner – und so manchem aus der Umgebung – aber liegt vor allem eines nahe: die Hochzeit auf dem Vierwaldstättersee.

Kein Wunder bietet die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) schon seit längerem Trauzeremonien an. Vom kleinen Motor- bis zum grossen Dampfschiff kann man bei ihr so manches Gefährt mieten, um in den Hafen der Ehe einzulaufen. Das wird auch für das neue Renommierstück der SGV gelten – für das «MS 2017», das derzeit noch in der Werft am Inseli liegt und dort speziell auch für die Bedürfnisse von Hochzeitsfeiern ausgebaut wird. In acht Monaten soll das Schiff einsatzbereit sein (wir berichteten).

Kein billiges Vergnügen

In den letzten Jahren habe sich die Anzahl der Hochzeitsanlässe auf dem Vierwaldstättersee bei der SGV jeweils auf 40 bis 50 belaufen, sagt Martina Kumli, Leiterin Marketing Schifffahrt der SGV: «Dazu zählen aber nebst Trauungen auch Apérofahrten, Galadinners und einfache Transferfahrten.»

Wer sich künftig auf dem «MS 2017» mit anschliessendem Fest trauen lassen möchte, muss sich das etwas kosten lassen. Allein eine vierstündige Rundfahrt kostet rund 12 000 Franken. Damit liegt das «MS 2017» ungefähr in der Preisklasse eines Dampfschiffs. Die Kosten für alles Weitere wie Abendessen, Trauung, Dekoration sind schiffsunabhängig. Alles in allem wird man für Rundfahrt, Dekoration, Trauung und Dinner für 80 Personen wohl mindestens 20 000 Franken in die Hand nehmen müssen.

Die Trauungen selbst sind religionsneutral und nicht rechtsgültig. Ein Kapitän übernimmt die Zeremonie – falls sich das Paar keine andere Person, etwa einen Geistlichen, dafür wünscht. Laut Kumli wählen meist Leute, die explizit eine etwas speziellere Zeremonie wünschen, das Schiff als Hochzeitslokal. Keine Aussage kann sie darüber machen, wie oft sich Paare anderer Religionen als der christlichen auf dem See trauen lassen. Darüber werde keine Statistik geführt. Kumli: «Es gab jedoch auch schon gleichgeschlechtliche Trauungen.»

Auch für andere Anlässe geeignet

Auf dem «MS 2017» sollen neben Hochzeiten auch viele andere Anlässe durchgeführt werden können. Laut Kumli ist es hauptsächlich als Eventschiff konzipiert: «Mit bis zu 400 Bankettplätzen ist es gut geeignet für grössere Gruppen.» Dank der verschliessbaren Innengalerie biete das Schiff mit Oberdeck und Hauptdeck zwei abgetrennte Räume für je 200 Personen. Die Räume können miteinander verbunden werden. Auch technisch ist das Schiff laut Kumli sehr gut ausgestattet und verkabelt. Wie viele Einnahmen das Eventschiff pro Jahr generieren werde, liesse sich indes noch nicht sagen. Die Budgetierung sei im Gang.

Von den Ausmassen her muss sich das «MS 2017» auf keinen Fall verstecken. Mit fünf Decks bietet es Platz für insgesamt tausend Personen. Das ist fast gleich viel wie das Flaggschiff der SGV-Fotte, die «Stadt Luzern», welche für 1100 Personen Platz hat.

Auch finanziell ist das «MS 2017» ein Grossprojekt: Es ist das teuerste Schiff, das die SGV je gebaut hat. Kumli: «Der Bau des ‹MS 2017› beläuft sich auf rund 14,7 Millionen Franken.»

Das neue Schiff soll nicht für immer «MS 2017» heissen. Ein Namenswettbewerb ist im Gang. Laut Kumli sind schon über 3000 Namen eingegangen. Noch bis zum 18. September können Vorschläge eingereicht werden.


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