Aus für Traditionsdruckerei

ZUG ⋅ Über ein Jahrhundert lang behauptete sich die Speck Print AG erfolgreich in einer sich stark wandelnden Branche. Der Niedergang begann mit dem Verkauf im Jubiläumsjahr.
13. April 2017, 00:00

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Die Meldung im aktuellen Amtsblatt ist klein und unauffällig, aber sie sitzt: Über die Speck Print AG ist per 16. März der Konkurs eröffnet worden. Das letzte Kapitel einer über 100 Jahre dauernden Zuger Firmen­geschichte scheint zu Ende.

Der Internetauftritt von Speck Print ist bereits vom Netz, die Firmentelefonnummer führt dauerhaft zu einem Anrufbeantworter, und E-Mails bleiben unbeantwortet. Was ist passiert?

Fast jeder druckte bei Speck

Gegründet wurde die Traditionsfirma im Jahre 1911 vom damals 40-jährigen Josef Speck-Brandenberg als «Buch- und Kunstdruckerei». Es war eine Zeit des industriellen Aufbruches, eine rasante Entwicklung der Drucktechniken versprach eine goldene Zukunft für Firmen dieser Branche, welche proaktiv am Ball blieben und die laufenden Modernisierungen mitmachten.

Aus dem Familienunternehmen Speck wurde eine landesweit angesehene Druck-, Verlags- und Medienfirma, welche trotz wiederkehrender Tiefs über 100 Jahre lang eine Bilanz des Erfolges ausweisen konnte. Speck war seit Anbeginn die erste Anlaufstelle für die lokalen Behörden, Vereine, für Industrie, Handel, Verkehrsbetriebe, für die Landwirtschaft, zahlreiche Private – schlicht für jedermann, der etwas gedruckt haben musste. Auch das Zuger Amtsblatt ratterte einst durch die hauseigenen Druckmaschinen. Es wird nach wie vor von der heute eigenständigen Speck Medien AG herausgegeben.

2011 vollzog Inhaber Josef III. Speck einen entscheidenden Schritt: Im Rahmen der Nachfolgeregelung mit dem Ziel eines weiterhin unabhängigen Fort­bestandes des Familienunternehmens verkaufte er das Druckgeschäft an Markus Kramer. Der neue Besitzer stammte aus der Grafik-Branche. Dieser konnte mit der Speck Print AG «ein kerngesundes Unternehmen und ein hoch motiviertes, professionelles Team übernehmen», hiess es in einer entsprechenden Pressemitteilung. Zu dem Zeitpunkt beschäftigte die Speck Print AG rund 50 Mitarbeitende.

Fehlinvestitionen und wiederholte Entlassungen

Nach diesem Wechsel habe die wirtschaftliche Talfahrt des Unternehmens begonnen, wie eine langjährige Mitarbeiterin gegenüber unserer Zeitung berichtet, die anonym bleiben will. Eines ums andere habe sich ab 2012 ergeben. Sie erzählt von Fehlinvestitionen, wiederholten Entlassungen unverzichtbarer Arbeitskräfte und fehlender Kommunikation sowohl intern als auch gegen aussen. «Vor fünf Jahren waren alle Mitarbeiter zuversichtlich, was die Zukunft betraf», erinnert sich die Frau und vermutet: «Josef Speck hat das gut laufende Unternehmen wohl zum richtigen Zeitpunkt verkauft.» Zwar sei die Branche schon lange nicht mehr so leicht gewesen wie einst, «aber wenn ein Unternehmen in seinem Bereich wirklich gut ist, dann kann es sich behaupten». Die Strategie des neuen Firmenleiters sei aber leider nicht aufgegangen.

Auch eine Auslagerung der Druckprozesse brachte nicht die erhoffte Entspannung: Im Oktober letzten Jahres bezog die Speck Print AG die Räumlichkeiten einer bestehenden Druckerei in Zürich-Albisrieden, wobei der Firmensitz offiziell weiterhin im Kanton Zug verblieb. «Eigentlich sollten damit Synergien genutzt werden. Aber auch hier fehlte es an Kommunikation», sagt die einstige Mitarbeiterin. «Kunden wurden einfach nicht informiert über diese Änderungen. Und auch wir Mitarbeiter blieben im Ungewissen darüber, wie die Organisation des Betriebs nun genau aussieht.»

Die Kunden seien nach und nach abgesprungen. Nach nur fünf Jahren stand die Speck Print AG am Rande des Abgrundes. Gerade mal 18 Mitarbeiter be­schäf­tige das Unternehmen zum Schluss noch. Doch selbst angesichts des Unausweichlichen hätten die verbliebenen Mitarbeiter weiterhin ihr Bestes gegeben, und einige hätten gar bis zum Schluss noch eine leise Hoffnung gehabt, dass ihr Arbeitgeber die Kurve vielleicht doch noch kriegt, fügt die Frau an. «Aber insgeheim wussten wir alle, dass es aus ist.»


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