«Das ist ein furchtbarer Anblick»

NIDWALDEN ⋅ Das Bundesamt für Strassen stellt entlang der Autobahn A2 bei Buochs hellgraue Lärmschutzwände auf. Der Kanton und die Anwohner haben daran gar keine Freude.

20. März 2017, 00:00

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Die neuen Lärmschutzwände entlang des Buochser A2-Abschnitts ärgern Heinz Risi aus Ennetbürgen. «Wie ein weisser Streifen teilt er visuell ein ganzes Dorf. Für uns Ennetbürger ist dies ein furchtbarer Anblick», empört sich der ehemalige FDP-Landrat. «Es ist mir unbegreiflich, dass man diese Wände nicht in dunkler Farbe hat anmalen können, so hätten sie sich optimal in die Landschaft integriert.»

In ei­nem Brief fordert er die Gemeinde­räte von Buochs und Ennetbürgen auf, bei den zuständigen Stellen zu intervenieren – mit Kopie an die kantonale Baudirektion und die Fachstelle für Natur- und Landschaftsschutz.

Er sei bei weitem nicht der Einzige, der sich über den Anblick aufrege. «Ich bin überzeugt, dass ich in Kürze 100 Unterschriften für das Anliegen beisammenhätte.» Risi spricht auch von einer Ungleichbehandlung. «Einem privaten Bauherrn werden viele Auflagen gemacht, auch in Bezug auf das Erscheinungsbild einer Baute, während für den Bund offenbar andere Kriterien gelten.» Mit solch ungleichen Massstäben zu messen, sei nicht akzeptabel. Als Lösung könnte er sich eine pflanzliche Begrünung, einen nachträglichen grünen Anstrich oder eine künstlerische Gestaltung durch Sprayer vorstellen.

Kanton hat frühzeitig auf Farbton hingewiesen

«Die Autobahn führt in Buochs durch eine Landschaft, die im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung liegt», sagt Felix Omlin von der kantonalen Fachstelle für Natur- und Landschaftsschutz. «In solchen Fällen gilt bei Bauten im nationalen Interesse das Prinzip der grösstmöglichen Schonung. Das heisst, wenn der Bund in diesem Gebiet einen Eingriff macht, muss auch er zur Landschaft bestmöglich Sorge tragen.»

Die Lärmschutzwände sollten optimal in die Landschaft eingepasst werden, das erreiche man in der Regel mit einer dunklen zurückhaltenden Farbgebung. Bereits beim Erstellen der ersten neuen Lärmschutzwände im vergangenen Herbst habe man vom Kanton das Bundesamt für Strassen (Astra) auf den unpassenden Farbton hin­gewiesen. «Wir vom Kanton ersuchten das Astra, die Lärmschutzwände zu ersetzen oder farblich zu verbessern.» Daraufhin habe der Bund vorgeschlagen, die Wände an einigen wenigen Stellen zu bepflanzen. «Dieser Vorschlag ist aber nicht ausreichend.»

Selbst Regierungsrat Josef Niederberger bestätigt: «Wir sind nicht glücklich mit dieser hellen Farbe. Das Thema beschäftigt uns auf der Baudirektion fast täglich. Diese Lärmschutzwände passen überhaupt nicht in die Landschaft.» Der Kanton habe schon in der Stellungnahme, als der Farbton noch gar nicht bekannt gewesen sei, darauf hingewiesen, dass sich die Lärmschutzwände auch farblich in die Landschaft eingliedern müssten, allerdings ohne Erfolg.

Bereits beim Erstellen der ersten Lärmschutzwände habe man interveniert. Seither sei man im intensiven Kontakt, mit einer klaren Forderung: «Wir verlangen, dass das Astra die Wände auf eigene Kosten verändert.» Bis jetzt habe das Bundesamt lediglich Hand geboten für eine Bepflanzung. «Die Autobahn ist streckenweise galerieartig mehrere Meter über dem Boden. Auch grenzen die Lärmschutzwände an private Grundstücke, was eine Bepflanzung an solchen Stellen erschweren oder gar verunmöglichen würde», gibt der Baudirektor zu bedenken.

Auch aus einem weiteren Grund will der Kanton Nidwalden das Vorgehen des Astra nicht akzeptieren: «Private Bauherren müssen in diesem landschaftlich sensiblen Gebiet hohe Auflagen erfüllen, gerade, was das Erscheinungsbild betrifft. Es wäre darum ein falsches Signal, wenn der Bund solche Wände aufstellen würde.» Niederberger hofft, mit dem Bund noch im Verlaufe dieses Jahres eine Lösung zu finden.

Bundesamt bleibt hart

«Wir haben einen Standard-Farbton verwendet, RAL 9006, Weissaluminium», sagt Astra-Mediensprecher Andreas Rüegger. «Dieser war bei der Auflage auch angegeben, aber nie direkt kritisiert worden.» Er bestätigt, dass der Kanton darauf hingewiesen habe, einen landschaftsverträglichen Farbton zu wählen. Das Projekt sei so bewilligt worden. «Das Astra wird darum die Farbe der Lärmschutzwände nicht abändern, da die Kosten unverhältnismässig hoch wären.» Auch die Idee, die Flächen für Graffiti freizugeben, stösst beim Astra auf Ablehnung. «Das erlauben wir grundsätzlich nicht.»


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