Historische Scheiben leuchten wieder in der Büelerkapelle

SCHWYZ ⋅ Vor 15 Jahren wurden drei barocke Kunstwerke in einer Auktion nach Deutschland verkauft. Jetzt sind sie zurück.
15. April 2017, 00:00

In der Kapelle «Zur schmerz­haften Gottesmutter» an der Schmiedgasse in Schwyz – im Volksmund wird sie auch Büelerkapelle genannt – wurden in den 1920er-Jahren vier bunte Scheiben entfernt, weil sie Beschädigungen aufwiesen. Jahrzehntelang wurden sie darauf durch den Eigentümer der Kapelle, Anton Büeler (1900–2001), aufbewahrt.

«Nach Büelers Tod liessen die Erben die Bildscheiben mit zahlreichen anderen Objekten aus dessen Nachlass versteigern, bevor sie sich entschlossen, die Kapelle an die Pfarrei Schwyz abzutreten.» So beschreibt es Felix Ackermann in einem 2008 erschienenen Fachartikel. Die aus dem Jahr 1683 stammenden Scheiben mit Szenen der Passion Christi wurden von einer deutschen Antiquarin erworben. Sie liess die Kunstwerke restaurieren und bot sie der Kapellstiftung zum Rückkauf an.

«Wir haben etwa zehn Jahre mit ihr verhandelt, nun sind wir über den Preis einig geworden», sagt Stiftungsratsmitglied Urs N. Glutz von Blotzheim. «So sind die Stifterscheiben rechtzeitig auf den Höhepunkt der Karwoche und das Osterfest in die Gnadenkapelle zurückgekehrt.»

Im unteren Drittel der Scheiben finden sich die Stifter­inschriften in reichornamentierten Kartuschen und den Wappen. Auf diesem Sockelbereich erhebt sich eine Säulenarchitektur, die das Bildfeld einfasst. Drei Farben dominieren das Erscheinungsbild: Blau, Rot und Goldgelb, wobei Blau und Rot auf die Wappen des Stifterehepaares der Kapelle Johannes Caspar Büeler (1623–1694) anspielen.

Im Zentrum der Scheiben stehen Passionsszenen, die Themen der Leinwandgemälde im Kapellenraum aufnehmen: die Dornen­krönung, die Kreuztragung und die Kreuzigung. Leider fehlt eine vierte Scheibe, auf der die Geisselung Jesu thematisiert wurde. Format, kompositioneller Aufbau, Grundzüge der Farbigkeit und Zusammenhang der Motive mit den Wandgemälden weisen auf ein künstlerisches Gesamtkonzept hin, an dem auch die Scheiben teilhaben, obschon die Inschriften individuelle Stiftungen suggerieren. Aus diesem Grund war die Rückführung der Scheiben für den Stiftungsrat ein Muss.

Einmal pro Monat wird eine Messe gehalten

Der Stiftungsrat bedankt sich bei Firmen, Handwerkern, den Spendern und bei der Denkmalpflege für die gelungene Restaurierung, aber auch bei den Geistlichen, die jeden letzten Freitag im ­Monat eine heilige Messe in der Kapelle zelebrieren. «Möge die Bevölkerung zu diesem Bijou Sorge tragen und hin und wieder ein paar Minuten Zeit finden, um sich dankbar zu besinnen, wie gut es uns trotz mancher Sorgen geht», wünscht der Stiftungsrat.

Franz Steinegger

zentralschweiz@luzernerzeitung.ch

«Wir haben zehn Jahre verhandelt. Nun sind wir über den Preis einig geworden.»

Urs N. Glutz von Blotzheim

Stiftungsrat der Kapellstiftung


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