«Ich freue mich, wenn es anfängt zu regnen»

URI ⋅ Regenschirme zum Mitnehmen, das gibt es heute bereits in nordischen Ländern. Der Altdorfer Jungunternehmer Roman Hauger will nun mit dem Schirm-Ausleihkonzept in der Schweiz durchstarten.

29. November 2016, 00:00

Wer bei unsicherem Wetter auf Shoppingtour geht und von Geschäft zu Geschäft schlendern will, der kennt das Problem: Packe ich einen Schirm ein oder nicht? Ist er noch da, wenn ich ihn wieder aus dem Schirmständer nehmen will? Muss der tropfnasse Knirps in die Handtasche?

Der Altdorfer Jungunternehmer Roman Hauger kennt die Antwort auf diese Fragen. Sie heisst City-Umbrella. «Die Idee ist simpel», sagt er. «Passanten leihen sich bei Bedarf einen Regenschirm aus und geben ihn anschliessend wieder beim nächsten Schirmständer ab.» Das heisst: Die beteiligten Geschäfte in Städten und Dorfzentren verfügen über entsprechende Schirmständer, die mit Leihschirmen ausgerüstet sind.

Kunde und Unternehmen können profitieren

Die City-Umbrellas sind mit den Logos der involvierten Geschäfte bedruckt. Die Unkompliziertheit stehe dabei im Zentrum, betont Hauger. «Die Leute sollen den Schirm mitnehmen, ohne dafür zu zahlen oder etwas zu unterschreiben.» Nicht nur der Kunde, der trocken bleibe, könne einen Nutzen daraus ziehen, sondern auch die Geschäfte, Hotels oder Restaurants: «Sie profitieren vom Werbeeffekt», betont Hauger. «Schliesslich werden die Logos und Namen auf den Schirmen unterwegs zur Schau gestellt.» Für die mitmachenden Unternehmen soll die Schirmausleihe eine kostenlose Dienstleistung zum Wohle der Kundschaft sein. Zudem können sie dadurch etwas gegen Umsatzeinbussen bei regnerischem Wetter tun. Finanziert werden die Schirme durch die aufgedruckte Werbung.

Im Norden Europas hat sich die Idee mit den City-Umbrellas bereits durchgesetzt. Ins Leben gerufen wurde das System von der Firma Abrella in Dänemark. Mittlerweile haben auch Geschäfte in Schweden, Norwegen und Irland die Vorteile des Schirm-Sharings entdeckt und spezielle Schirmständer platziert. Diese sind in auffallender Optik designt worden. «Das super Feedback aus diesen Ländern zeigt, dass es funktioniert», so Hauger. Der 34-jährige Altdorfer möchte nun die City-Schirme von Abrella in der Schweiz einführen, insbesondere im Altdorfer Dorfzentrum. Das bereits bestehende Geschäftskonzept soll übernommen werden.

Potenzielle Ausleiher sind noch unsicher

«Dieses Franchising ist ein Weg in die Selbstständigkeit», sagt Roman Hauger. Nach der KV-Lehre auf einer Bank war er lange in der Buchhaltung tätig. Doch dann sei ihm klar geworden, dass er gerne auch «etwas Richtiges» tun wolle, sagt er mit einem Schmunzeln. Er entschied sich für eine Zusatzlehre als Zimmermann. Schliesslich sei er aber auch dort am Bürotisch gelandet. «Eine gewisse unternehmerische Ader habe ich halt immer schon gehabt», erwähnt er. Sein Ziel war es, selber etwas auf die Beine zu stellen. Bei der Ideensuche sei er dann auf Abrella gestossen, die einen Franchisenehmer für die Schweiz suchte. «Ich war von der Idee der Schirmleihe von Anfang an begeistert», so der Geschäftsführer.

Als Inhaber der Abrella GmbH Schweiz sieht Hauger seine Aufgabe nun darin, Ortschaften und Geschäfte zu finden, die sich mit den Schirmen und Ständern ausstatten lassen. In Luzern hat er sein Projekt bereits vorgestellt und ist auf offene Ohren gestossen. «Das Feedback war durchwegs positiv», so der Urner. Trotzdem sei es nicht leicht, die Geschäfte zum definitiven Mitmachen zu gewinnen. «Es gibt bisher kein Konzept in der Schweiz, das vergleichbar aufgebaut ist», erklärt er. Deshalb seien die potenziellen Schirmausleiher etwas unsicher.

Diebstähle halten sich in Grenzen

Die Angst davor, dass die qualitativ hochwertigen Schirme nicht mehr zurückgebracht werden, ist bei Roman Hauger gering. «Natürlich kommt es vor, dass einmal ein Schirm kaputtgeht oder verschwindet», bemerkt er. Diese würden aber ersetzt. «Die Erfahrung aus Dänemark hat gezeigt, dass sich die Diebstähle in Grenzen halten.» Schliesslich sei der auffallende Regenschirm vollbedruckt mit Logos.

Roman Hauger ist immer mehr vom Projekt überzeugt. «Ich hoffe, dass ich sehr bald viele Leute mit den City-Umbrellas auf den Strassen sehe.» Dass der Erfolg ein Stück weit auch wetterabhängig ist, das bereitet ihm keine Sorgen. «Mit rund 120 Regentagen im Jahr in der Schweiz, glaube ich an den Erfolg», sagt Hauger. Und er gesteht: «Seit neustem freue ich mich, wenn es anfängt zu regnen.»

Remo Infanger

redaktion@urnerzeitung.ch


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