Kanton will Ärztemangel verhindern

OBWALDEN ⋅ Die Hausarztmedizin soll gefördert werden. Deshalb hat der Kanton eine Vereinbarung für Weiterbildungsangebote für Assistenzärzte abgeschlossen.

29. November 2016, 00:00

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@ obwaldnerzeitung.ch

Die Obwaldner Hausärzte haben schon heute wesentlich mehr Patienten zu versorgen als ihre Kollegen in anderen Gebieten. 2014 kamen 921 Einwohner auf einen Arzt. Der schweizerische Durchschnitt liegt bei 463 Einwohnern pro Arzt. Die Ärztedichte in Obwalden ist also rund halb so gross wie im Schweizer Durchschnitt. Zudem waren 2014 von den 40 im ambulanten Sektor praktizierenden Hausärztinnen und -ärzten neun über 60 Jahre alt. In naher Zukunft werden einige Nachfolgeregelungen nötig.

Es könnte also durchaus Gefahr drohen, dass es in Obwalden zu einem Mangel an Hausärzten kommt. Laut Regierungsrätin Maya Büchi, Vorsteherin des Finanzdepartements, besteht momentan zwar kein unmittelbarer Handlungsbedarf. «Aber es ist die Tendenz auszumachen, dass es angesichts der grossen Präsenzzeit nicht unbedingt das Wunschziel von jungen Ärzten ist, eine Hausarztpraxis zu führen. Wir können nicht erst dann handeln, wenn die Situation akut wird.» Verantwortlich für diese Tendenz dürfte bei den jungen Ärzten neben der hohen Präsenzzeit, die sie für ihren grossen Kundenstamm aufwenden müssen, auch die Finanzierung beim Kauf einer bestehenden Arztpraxis sein.

Junge Ärzte für den Hausarztberuf begeistern

Obwalden will einem Mangel an Hausärzten rechtzeitig vorbeugen. Deshalb hat der Kanton mit dem Institut für Hausarztmedizin & Community Care Luzern (Iham&CC Luzern) eine Verein­barung für ein entsprechendes Weiterbildungsangebot abgeschlossen. Damit ist Obwalden nicht allein. In der Zentralschweiz haben neben dem Kanton Luzern auch Nidwalden und Uri bereits eine gleich lautende Vereinbarung abgeschlossen.

Das Institut für Hausarztmedizin & Community Care hat sich zum Ziel gesetzt, die Attraktivität der Hausarztmedizin in der Zentralschweiz zu fördern und junge Mediziner im Studium und in der Facharztausbildung vermehrt für den Beruf des Hausarztes zu begeistern. Dazu bietet es Assistenzärztinnen und -ärzten ein «Curriculum Hausarztmedizin» an. Interessierte Ärzte können innerhalb dieser Weiterbildung in verschiedenen Fachgebieten, die für eine Tätigkeit als Hausarzt wichtig sind, praktische Erfahrungen sammeln. Zur Auswahl stehen die Fachgebiete Rheumatologie-­Orthopädie, Dermatologie, HNO (Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde), Anästhesie, Psychiatrie und Pädiatrie (Kinder- und Jugendmedizin). Die Curriculum-Stellen dauern sechs Monate und finden vorwiegend im ambulanten Bereich statt. In Zusammenarbeit mit dem Luzerner Kantonsspital (Luks) und der Luzerner Psychiatrie (Lups) hat das Institut je nach Fachgebiet Rotationsstellen in diversen Kliniken des Kantons Luzern geschaffen: im Kantonsspital Luzern, Wolhusen, St. Urban, Sursee oder in der Klinik St. Anna. Im Kantonsspital Sarnen gibt es keine solchen Stellen. «Im Moment ist die Zusammenarbeit des Instituts für Hausarztmedizin & Com­munity Care Luzern auf Institutionen im Kanton Luzern begrenzt», erklärt Maya Büchi.

Kanton beteiligt sich an Lohnkosten

Auf Basis der Vereinbarung, die Obwalden mit dem Institut abgeschlossen hat, können nun auch Obwaldner Assistenzärztinnen und -ärzte das Luzerner Curriculum Hausarztmedizin absolvieren. Die Lohnkosten werden im Rahmen der Vereinbarung je zur Hälfte zwischen der betreffenden Klinik und dem Kanton Obwalden aufgeteilt. Es wird davon ausgegangen, dass jährlich zwei bis drei solcher Stellen von Ärzten aus dem Kanton Obwalden genutzt werden.

Eine Bedingung stellt der Kanton aber an die interessierten Ärztinnen und Ärzte. Damit der Kanton sich an der Finanzierung des Curriculums Hausarztmedizin beteiligt, müssen die Assistenzärztinnen und Assistenzärzte eine Absichtserklärung abgeben, dass sie innert fünf Jahren nach Abschluss des Curriculums eine Praxistätigkeit im Kanton Obwalden aufnehmen. «Diese Erklärung ist rechtlich nicht bindend, es ist aber eine moralische Verpflichtung», sagt Maya Büchi. «Wir gehen davon aus, dass sich nur solche Ärzte für die Weiterbildung bewerben, die es auch wirklich in Betracht ziehen, später in Obwalden als Hausärzte zu praktizieren.»

«Wir können nicht erst dann handeln, wenn die Situation akut wird.»

Maya Büchi-Kaiser

Regierungsrätin


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