Mit dem Schiff zum Fuss des Bürgenstocks

TOURISMUS ⋅ Ein ganzjähriger Schiff-Shuttle-Betrieb stellt künftig die Verbindung zwischen Luzern und der Talstation der Bürgenstock-Bahn in Kehrsiten sicher. Luzern, Nidwalden und der Bund beteiligen sich mit zinslosen Darlehen.

22. November 2016, 00:00

Martin Uebelhart

martin.uebelhart@nidwaldnerzeitung.ch

Von einem Durchbruch sprechen die Beteiligten bei der jetzt gefundenen Lösung für die Anbindung des Bürgenstock-Resorts an Luzern mit Schiff und Bergbahn. «Es ging etwas länger, als man es sich ursprünglich vorgestellt hatte», sagt Stefan Schulthess, Direktor der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV). Die SGV, das Resort, die Kantone Luzern und Nidwalden sowie der Bund waren in die Gespräche involviert. «Das brauchte vertiefte Abklärungen», betont der Nidwaldner Volkswirtschaftsdirektor Othmar Filliger.

Von Luzern aus wird man ab der Eröffnung im kommenden Sommer mit einem Shuttleschiff zwischen Luzern und Kehrsiten und der Bergbahn das Resort in 30 Minuten erreichen können.

Neuer Katamaran für Shuttlebetrieb

Die SGV baut dafür eigens ein neues Schiff. Ein 37 Meter langer und 10 Meter breiter zweistöckiger Katamaran soll bis zu 300 Personen transportieren können. Mit Innen- und Aussenplätzen ist er für den ganzjährigen Betrieb ausgelegt. Das Design des rund 5 Millionen Franken teuren Schiffs stammt von Judel/Vrolijk&Co. aus Bremerhaven. Die Firma war bereits für das Aussehen des «Saphirs» und des neuen grossen Schiffes, das kommendes Jahr getauft wird, verantwortlich. Das neue Schiff soll ab dem Frühjahr 2018 im Stundentakt zum Einsatz kommen. Bis dahin wird mit einem anderen Schiff ein 1 1/2 -Stunden-Takt gefahren.

Die Kantone Nidwalden und Luzern sowie der Bund beteiligen sich an den Investitionen für das Schiff und den 15 Millionen Franken teuren Bahnbau mit zins­losen Darlehen in der Höhe von insgesamt 4,7 Millionen Franken. Die Gelder werden im Rahmen der Neuen Regionalpolitik gesprochen, wobei der Bund die Hälfte aller Darlehen bestreitet. Luzern und Nidwalden steuern je 625 000 Franken für den Schiffsbau bei, 1,1 Millionen für die Sanierung der Bürgenstock-Bahn hat Nidwalden bereits vergangenes Jahr gesprochen.

Die ganze Region profitiere von der Anbindung

Für Othmar Filliger ist die Beteiligung der öffentlichen Hand gerechtfertigt: «Die Verbindung ist sehr wichtig für die Anbindung des Resorts. Sie ist eine Attraktivitätssteigerung.» Schon die Anfahrt werde zu einem Erlebnis. Die beiden Kantone und die ganze Region würden von dieser Verbindung profitieren, ist Filliger überzeugt. «Ich bin sehr zufrieden mit dieser Lösung.»

Stefan Schulthess glaubt, dass die Verbindung ohne die Beteiligung von Kantonen und Bund kaum zu Stande gekommen wäre. «Wir haben immer gesagt, dass es für uns und das Resort schwierig bis unmöglich ist, die Investitionen von insgesamt 20 Millionen Franken ohne Darlehen zu tragen.» Man sei nicht bereit gewesen, die Risiken für Investition und Betrieb allein zu tragen. Schulthess hofft auf jährlich über 100 000 Tagestouristen. Dabei setzt er auf Restaurant- oder Shoppinggäste genauso wie auf Wanderer. «Hoffentlich werden auch Hotelgäste diesen Anreiseweg wählen oder Mitarbeitende aus dem Raum Luzern.» Das grosse Plus sieht Schulthess im Betrieb von frühmorgens bis spätabends. Diese Möglichkeit gebe es bei anderen Ausflugsbergen in der Region nicht. Für die Fahrt über den See kommen die gleichen Tarife wie für normale Kursfahrten zur Anwendung.

Bau der Standseilbahn auf Kurs

Die Tarife für die Bürgenstock-Bahn stehen aber noch nicht fest. «Wir sind dabei, das Angebot zu planen», sagt Raphael Amrein, Mediensprecher des Bürgenstock-Resorts. Man prüfe, in welcher Form Abonnemente Gültigkeit hätten, und denke über kombinierte Rundfahrtbillette nach.

Die Beteiligung der Kantone und des Bundes sei eine gute Neuigkeit, so Amrein. Man hätte sich aber eine etwas höhere Beteiligung vorstellen können, räumt Amrein ein. «Den Löwenanteil der Bahn bezahlen wir selber.» Der Bau der Standseilbahn sei auf Kurs: «Das Trassee ist fast fertig, jetzt startet der Bau der Bergstation im Hotel Bürgenstock – und bald auch der Bau der beiden Kabinen, die 56 Passagiere transportieren können.»

«Die Verbindung ist sehr wichtig für die Anbindung des Resorts. Sie ist eine Attraktivitäts­steigerung.»

Othmar Filliger

Volkswirtschaftsdirektor NW


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