Mutter und Sohn als Räuberduo

Nidwalden Diebstahl, Raubüberfall, Sachbeschädigung und vieles mehr: Das Kantonsgericht schickt eine Mutter und ihren Sohn für sechs Monate ins Gefängnis.

30. November 2016, 00:00

«Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm», so heisst ein bekanntes Sprichwort, das in diesem Fall nicht besser zutreffen könnte. Die Täterschaft: ein ungewöhnliches Schweizer Gespann aus Nidwalden, bestehend aus Mutter (51) und Sohn (30). Die beiden begingen in Stans einen bewaffneten Raubüberfall, aber nicht etwa auf eine Bank oder die Post, sondern auf eine Kinderartikelbörse. Dabei erbeuteten sie rund 1900 Franken, die sie später für ihren Konsum von Kokain und Heroin verwendeten. Gestern mussten sich die beiden vor dem Kantonsgericht Nidwalden verantworten.

Konkret hat sich der Raubüberfall wie folgt abgespielt: Am 20. November 2013 betraten die beiden die Kinderartikelbörse mit einer täuschend echt aussehenden Spielzeugpistole, welche elf Kunststoffkugeln enthielt. Um nicht erkannt zu werden, trug die Mutter Handschuhe, eine dunkle Sonnenbrille, eine Kappe und einen Schal. Der Sohn trug Handschuhe, eine dunkle Sonnenbrille und eine schwarze Sturmmütze. Als die Inhaberin der Börse allein im Laden war, stürmten die beiden herein. Der Sohn hielt ihr die Pistole entgegen und deutete ihr an, sie solle hinter dem Ladentisch weg.

Unterdessen ging die Mutter hinter den Ladentisch und behändigte 2600 Franken Bargeld aus der Kasse und aus dem privaten Portemonnaie der Ladeninhaberin. Weil diese um Hilfe schrie, hörte eine andere Frau sie, welche im gleichen Gebäude arbeitete und ihr zu Hilfe kam. Als die Frau die maskierten Täter erblickte, versuchte sie, ihre Flucht zu verhindern, wobei es zu einem Gerangel zwischen ihr und der Mutter kam. Die Frau erlitt eine Thoraxkontusion (Verletzung des Brustkorbes), welche sie monatelang schmerzte.

An den Tatort zurückgekehrt

Beim Gerangel fiel die Beute zu Boden, den Tätern gelang es jedoch, rund 1900 Franken einzusammeln und damit zu flüchten. Anschliessend fuhren sie nach Luzern, wo sie in der Gassenküche vom erbeuteten Geld Heroin und Kokain zum Eigenkonsum kauften. Nur neun Tage später suchten sie nochmals die gleiche Kinderbörse auf, wobei diese aber geschlossen war. Während die Mutter vor dem Gebäude Schmiere stand, schlug der Sohn eine Fensterscheibe ein und betrat das Verkaufsgeschäft. Beute diesmal: ganze 150 Franken.

Neben diesem Raubüberfall und Einbruch haben sie noch weitere Einbrüche begangen, so in die Migrol-Tankstelle in Stans (Beute 1209 Franken), sich der Hehlerei schuldig gemacht und verschiedene Verkehrsdelikte begangen, unter anderem Fahren ohne Ausweis und in fahrunfähigem Zustand. Dazu kommen Vergehen gegen das Waffengesetz und gegen das Betäubungsmittelgesetz. Am 7. Dezember 2013 konnten beide verhaftet werden. Die Mutter blieb 6 Tage in Untersuchungshaft, der Sohn 23 Tage.

An der gestrigen Gerichtsverhandlung zeigten beide Reue und gaben alle Delikte zu. Weil sich beide auch im Strafverfahren konstruktiv gezeigt hatten, konnte der Prozess im sogenannten abgekürzten Verfahren erledigt werden. Beide erklärten, dass sie zurzeit keine Drogen mehr nähmen und in einem Methadonprogramm seien. Der Sohn wörtlich: «Es gibt für mich heute wichtigere Dinge im Leben als Drogen.» Er hat gegenwärtig ein Erwerbseinkommen, seine Mutter bezieht eine IV-Rente von 2700 Franken monatlich. Gerichtspräsident Marcus Schenker sprach von einem «mittelschweren Verschulden» und gab eine positive Prognose. Trotzdem musste das dreiköpfige Gericht gemäss Gesetz (Bewaffnung) eine unbedingte Strafe aussprechen. Beide müssen ein halbes Jahr ins Gefängnis. Sie erhielten eine Freiheitsstrafe von insgesamt je 24 Monaten, wovon aber nur 6 zu vollziehen sind. Die restlichen 18 sind bedingt, aufgeschoben auf drei Jahre.

Ausserdem müssen beide je 1000 Franken Busse zahlen und die Gerichts- und Untersuchungskosten von je rund 10 000 Franken übernehmen. Die Honorare ihrer beiden Anwälte werden jedoch aus der Staatskasse bezahlt. Das Urteil ist rechtskräftig, da Entscheide im abgekürzten Verfahren nicht anfechtbar sind.

Kurt Liembd

zentralschweiz@luzernerzeitung.ch

«Es gibt für mich heute wichtigere Dinge im Leben als Drogen.»

Täter (30)


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