Nach Fussballspielen holt sie Stimmen der Fans ein

REPORTERIN ⋅ Sara Häusermann ist Online-Redaktorin. Die 26-jährige Hobby-Fussballerin arbeitet seit acht Jahren bei unserer Zeitung. Wer nach FCL-Matches etwas zu sagen hat, ist bei ihr goldrichtig.
20. März 2017, 00:00

Sara Häusermann, Sie befragen FCL-Fans nach Heimspielen mit Mikrofon und Videokamera zum Match. Wie lustig ist Ihr Job bei einer FCL-Niederlage?

Nicht lustig. Wenn man Fan ist wie ich, will man nicht über ein verlorenes Spiel reden. Und schon gar nicht Fans dazu befragen, denen es genauso geht.

Wird’s dann schwierig?

Sehr. Nach einem verlorenen Match muss ich hartnäckiger Leute suchen, die sich äussern wollen. Ich will mindestens vier Stimmen zum Spiel.

Diese Geister haben Sie gerufen. Die FANalyse ist Ihr Baby. Wie ist die Idee entstanden?

Das war, als wir uns entschlossen, den Live-Ticker nicht mehr selber abzudecken. Ich wollte etwas Neues lancieren und hatte die Idee mit einer Matchanalyse der Fans. Ich stellte dies den Chefs vor, und die fanden die Idee gut.

Ich erinnere mich an ein Spiel gegen Sion. Bei Spielbeginn hatten Sie keine Internetverbindung mit dem Laptop. Statt zu hyperventilieren, stellten Sie via Natel eine Verbindung her und brachten mit kaum merklicher Verspätung Matchinfos auf unser Onlineportal. Sind Sie immer so cool?

Das hat nur so ausgesehen. In Gedanken ging ich die Wände hoch. Es nervt mich unendlich, wenn die Technik versagt und ich nicht selber etwas an der Situation ändern kann.

Sie haben die Situation ja elegant gerettet und hauten danach wie wild in die Tasten. Ganz schöner Stress, nicht?

Ja, und vor allem muss man immer beim Spiel bleiben. Wenn man zu lange wegschaut, passiert garantiert eine Szene, die man unbedingt dokumentieren muss. Verpasst man so eine, muss man Kollegen fragen, was geschehen ist. Das ist nicht so lässig.

Konnten Sie das Spiel so überhaupt geniessen?

Man ist mit dem Schreiben im Telegrammstil derart intensiv dabei, dass man jedes Detail mitbekommt. Allerdings lasse ich persönlich die Emotionen und das Geniessen erst zu, wenn ich meine Interviews im Kasten habe oder, eben früher beim Tickern, den Laptop heruntergefahren habe. Wenn der Job gemacht ist, gibt’s ein Bier, und dann kommt Freude auf.

Bringt Sie wirklich nichts aus der Fassung?

Doch, wie gesagt. Im Innern brennt es bei mir sehr. Etwa wenn ich mich auf ein Resultat einstelle und in der Schlussminute Puljic das Siegestor gegen Lugano schiesst. Ich habe meine Geschichte und die Fragen für die Fans beisammen, und dann verändert sich die Situation auf einen Schlag. Da muss ich mich zuerst umorientieren.

Sie sind seit früher Kindheit Fussballfan und spielten selber. Stimmt es, dass Sie Ihre Eltern in den Ferien in Frankreich nötigten, einen Umweg zu machen, um Alex Frei in Rennes zu sehen?

Richtig. Wer erzählt so etwas?

Einer unserer Kollegen. Warum wollten Sie zu Frei?

Der Fussballer Alex Frei war für mich der Grösste. Ich war damals 12 Jahre alt und wollte ihn unbedingt beim Training sehen. So nahe war ich ihm zu dieser Zeit sonst nie. Also fuhren wir hin. Ich bekam sogar ein Autogramm.

Das hätten Sie sich später, als er FCL-Sportchef war, gleich um die Ecke holen können.

Für mich war nur der Fussballer Alex Frei ein Vorbild.

Sie haben einen Sohn, der ebenfalls fussballverrückt ist. Wie weit würden Sie für ihn gehen, um Extrawünsche zu erfüllen?

Er ist fünf und hat noch nicht so viele. Ihm reicht es im Moment, FCL- Spieler zu sehen und vielleicht die Nationalmannschaft. Unter den Spielern hat es ihm Puljic angetan. Kein Goalgetter, sondern ein Verteidiger, ich weiss nicht wieso.

Sicher nicht, weil seine Mutter Verteidigerin war. Sie waren bis zu Ihrem Kreuzbandriss Fussballerin. Mit 157 Zentimetern bestimmt nicht der Turm in der Abwehr?

Nein, ich war Torhüterin. Bei den Junioren auf die kleinen Tore ging das ganz gut. Ich war in der Regionalauswahl. Auf dem grossen Feld im 7-Meter-Tor war aber meine Goalie-Karriere zu Ende.

Sie wohnen in Adligenswil und sind Juventus-Fan. Wegen Stefan Lichtsteiner?

Als ich Juve-Fan wurde, war von ihm noch nicht die Rede. Mich faszinierte Pavel Nedved.

Den kennen auch Frauen, die nichts von Fussball verstehen. Ist Ihr Partner Fussballfan?

Er ist auf der Allmend aufgewachsen und kann nicht anders.

Lassen wir den Fussball. Wie verläuft ein Arbeitsalltag?

Sie meinen, wenn ich nicht für die LZ bei einem Match bin?

Ohne Fussball läuft offenbar nichts. Ja, das meine ich.

Im Online-Team ist jeder Tag anders. Wir beginnen zu verschiedenen Zeiten. Wenn ich Dienst habe, geht’s hauptsächlich darum, News abzuchecken, Texte zu schreiben und Zusatzelemente wie Videos, Bilder und so weiter zu suchen.

Ist das nicht auch spannend?

Je nach News-Lage ist es interessant oder langweilig. Wenn viele Ereignisse stattfinden, stehen wir im Online unter grossem Zeitdruck. Dieser Stress im positiven Sinn stachelt mich an.

Was ist wichtig für Ihren Job?

Wir vom Online haben den vielleicht vielseitigsten Job in der Redaktion. Wir sind Videoreporter, Fotograf und Journalist in einer Person. Wir müssen all dies beherrschen. Ich sage, dass ich alles kann, aber nichts richtig.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch


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