Älteste Quelle zu Dorothee entdeckt

OBWALDEN ⋅ Im Kloster Engelberg wurde die erste aktuell bekannte Erwähnung von Bruder Klausens Frau gefunden. Es handelt sich um einen Eintrag aus der Zeit um 1494.
13. September 2017, 00:00

«Es freut mich als Frau, dass Dorothee die Entdeckung des Gedenkjahres ist», sagte Doris Hellmüller, Leiterin der Geschäftsstelle der Bruder-Klausen- Stiftung, gestern in Sachseln. Seit die Journalistin Klara Obermüller in den 80er-Jahren in ihrem Hörspiel «Dorothee Wyss» der Frau von Bruder Klaus eine Stimme gegeben habe, sei diese immer mehr aus dem Schatten von Niklaus von Flüe getreten, betonte Hellmüller.

Es sei «logisch und folgerichtig», sie auf die gleiche Höhe wie ihren Mann zu stellen, «denn ohne ihr Einverständnis hätte er seinen Weg nicht gehen können». Immer wieder tauche auch bei Führungen – an die 300 wurden für dieses Jahr gebucht – die Frage auf, wie denn die Familie von Bruder Klaus gelebt habe.

Ausdrücklich als Ehefrau von Bruder Klaus erwähnt

Nun haben Historiker die älteste Quelle von Dorothee entdeckt. Sie fanden sie in einem Jahrzeitbuch im Kloster Engelberg. Festgehalten wurde der Name Dorothee Wyss vermutlich von einem Mönch im Jahrzeitbuch in den Jahren um 1494. Damals hatte Verena von Flüe, die Tochter von «Bruder Klaus und seiner Ehefrau Dorothee Wyss», eine Totengedenkmesse für die beiden gestiftet. Für Historiker Roland Gröbli ist dieser Fund sehr berührend: «Dorothee wird ausdrücklich als Ehefrau von Bruder Klaus aufgeführt. Diesen Namen trug er nur im Ranft.» Das Buch war zwar bereits bekannt, und schon im Jahr 1917 hatte der Historiker Robert Durrer auf die Erwähnung Bruder Klausens hingewiesen. Er stellte damals allerdings keine Fragen zu Dorothee.

Der gefundene Eintrag sei ­sicher älter als die bisher älteste Erwähnung Dorothees von 1501. Zum Zeitpunkt des Eintrags, wohl 1494/95, dürfte sie laut dem Engelberger Historiker Mike Bacher schon gestorben gewesen sein. Sie wurde um 1430–1432 geboren und wäre somit etwa 63 Jahre alt geworden. Vielleicht starb sie im Beisein des jüngsten Sohnes, wie die Historiker vermuten. Dieser hatte 1490 sein Studium in Paris abgeschlossen, wurde 1491 zum Priester geweiht und studierte nach wenigen Jahren Aufenthalt in der Heimat in Italien weiter, bevor er später als Pfarrer nach Sachseln zurückkam. Bruder Klaus ist 1487 gestorben.

Die neu entdeckte Quelle wurde vom Engelberger Stiftsarchivar Rolf De Kegel am Montag persönlich ins Museum Bruder Klaus nach Sachseln gebracht, wo sie an den Gedenktagen und dann bis Saisonschluss am 1. November zur grossen Freude von Museumsleiter Urs Sibler in der laufenden Ausstellung zu sehen sein wird. Ob und in welcher Form das Buch 2020 eine Rolle bei den Feierlichkeiten zu 900 Jahren Kloster Engelberg spielen wird, sei noch offen, sagt Abt Christian Meyer. «Aber natürlich sind wir stolz auf diese älteste Erwähnung. Wir werden diese wertvolle Quelle weiter in Ehren halten.» Sie verstärke und vertiefe die «bereits enge Beziehung zu Bruder Klaus und seiner Familie».

An der gestrigen Medienkonferenz wurde zudem bekannt, dass 90 Prozent der Billette ­fürs Visionsgedenkspiel bereits verkauft sind. Der Pavillon zu Bruder Klaus kehrt Ende September zurück nach Sachseln, nachdem er inzwischen in 23 Kantonen Gastrecht hatte. Im Rahmen des Projekts «Jugend erklärt Niklaus von Flüe» wurden 100 Primarklassen in 13 Kantonen besucht. Im November gehen als letzte Botschafter Obwaldner Gymischüler in französischsprachige Klassen im Wallis und in der Waadt.

Markus von Rotz

markus.vonrotz@obwaldnerzeitung.ch

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