Auch gute Jasser brauchen Kartenglück

ZENTRALSCHWEIZ ⋅ 208 Personen spielten an der Zentralschweizer Jassmeisterschaft in Hochdorf um die Reise nach Norwegen. Trotz unterschiedlicher Strategien und Mischtechniken: In einigen Punkten sind alle Spieler gleich.
04. Dezember 2017, 00:00

www.

Mehr Bilder zur Zentralschweizer Jassmeisterschaft gibt es unter: luzernerzeitung.ch/bilder

«Konzentration, gute Jasspartner und gute Karten», verrät Willi Schöpfer aus Schüpfheim sein Rezept, mit dem er gestern den 11. Final der Zentralschweizer Jassmeisterschaft in der Braui in Hochdorf gewann. Er hat schon einige Male teilgenommen und auch kleinere Preise gewonnen. Die 17-tägige Reise zum Nordkap und zu den Lofoten von Gössi-Carreisen im Wert von über 9000 Franken freut ihn – und wohl auch seine Frau, die er nach Norwegen mitnimmt – aber besonders. «Ich jasse einmal in der Woche, aber eigentlich mehr den Sidi als den Schieber», meint der 59-Jährige schmunzelnd.

Der Schieber mit zugelostem Partner ist denn auch das Spiel, um das es bei der Zentralschweizer Jassmeisterschaft der «Luzerner Zeitung» und ihrer Regionalausgaben geht. An 17 Vorausscheidungen konnte man sich einen Platz im Final erjassen. «Jeweils die besten 10 Prozent eines Jassevents qualifizieren sich», erklärt Organisator Hansjörg Kägi. Seit elf Jahren findet der Anlass statt, seither steigerte sich das Jassinteresse stetig: «Im ersten Jahr hatten wir 745 Teilnehmer, dieses Jahr sind es insgesamt 2114 Jasser, ungefähr ein Drittel davon sind Frauen», so Kägi.

Das Spiel wird durchaus ernst genommen

An den Qualifikationen und auch im Final gestern werden jeweils vier Runden mit je einem zugelosten Partner und je 12 Spielen gejasst. Und auch wenn Jassen ein Spiel ist: Da ging es in der Braui in Hochdorf durchaus sehr ernst zu und her, und auch Unmut wurde geäussert: «Schad för en Uufwand», nervt sich etwa eine Frau über sich selber, als sie den Saal verlässt.

Ein Teilnehmer bringt es auf den Punkt: «Es macht’s ned jede gliich.» Bei 208 Jassern wird deutlich, dass es nicht nur eine Art, Karten zu mischen, zu zählen oder auszugeben gibt. Eines jedoch ist dann doch allen Spielerinnen und Spielern gemein: Kaum wird der letzte Stich gespielt, beugt man sich vor und erklärt seine vorherige Spielstrategie oder entschuldigt sich für allfällige Fehler. «Jeder macht Fehler», meint eine ältere Dame. Es sei halt schon ein psychologisches Spiel, meint ihre Gegnerin. Allgemein sei es über die Jahre aber friedlicher und fairer geworden, freut sich Organisator Kägi.

Wer die Spieler beobachtet, sieht lachende Gesichter nach einem gewonnenen Match. Ein Spielzug geht in die Hose, und das Gesicht wird schmerzlich verzerrt. Hier wird laut gezählt, dort wird der Kopf, da die Hände nach dem Spiel geschüttelt. Ob Frau oder Mann am Tisch, es wird einfach gejasst, so ein Teilnehmer. Und die Jasserinnen und Jasser sind sich einig: Ohne guten Partner nützen die besten Karten nichts. Und ohne Kartenglück kann auch ein guter Partner nichts ausrichten.

Unter besonderem Druck stand gestern Sarah Bachmann, die letztjährige Gewinnerin. Doch ihr blieb gestern nur die Freude am Jassen. «Ich hatte keine guten Karten, habe aber daraus das Optimum gemacht», sagte die 42-Jährige, die immer viel jasst, ob mit der Familie in den Ferien oder sonst auch mit Freunden. Für diese Freude am Spiel werde sie auch nächstes Jahr wieder antreten.

Natalie Ehrenzweig

zentralschweiz@luzernerzeitung.ch


Anzeige: