Branche soll transparenter werden

WASSERWIRTSCHAFT ⋅ Wie sieht der Schweizer Strommarkt nach dem Jahr 2020 aus? Gestern wurde in Uri diskutiert, was es alles braucht, um ein neues Marktmodell für die Energiegewinnung zu entwickeln.
08. September 2017, 00:00

Urs Hanhart

urs.hanhart@urnerzeitung.ch

Die Transformation des Stromversorgungssystems, in dem die erneuerbaren Energien zur tragenden Säule werden, wird die Anforderungen an alle Akteure verändern. Zentral für das Gelingen der Energiewende ist eine zunehmende Flexibilisierung von Erzeugung und Verbrauch. An der gestrigen Tagung des Schweizerischen Wasserwirtschaftsverbandes (SWW) im Theater Uri in Altdorf referierte der Direktor des Bundesamtes für Energie (BFE), Benoit Revaz, zum Thema «Mögliches neues Marktmodell nach 2020». Ein fertiges Modell konnte er nicht präsentieren. «Wir arbeiten noch daran.» Doch er zeigte den Weg dazu auf. Wichtig sei, dass mit dieser Modellentwicklung der Erhalt der Stromversorgungssicherheit auf eine lange Zeitachse hinaus erreicht werde.

Zudem strebe man eine möglichst geringe Verzerrung des Marktes an, und auch die EU-Kompatibilität sei sehr wichtig, ebenso eine möglichst geringe gesamtwirtschaftliche Kostenfolge und die Kompatibilität mit den Klimazielen der Schweiz. «Es ist nicht die Absicht des Marktdesigns, gewisse Produktionsarten oder einzelne Unternehmen spezifisch zu unterstützen», betonte Revaz zudem.

«Wir brauchen von der Branche mehr Daten zur wirtschaftlichen Situation.» Es genüge nicht, Angaben zu den Gestehungskosten zu erhalten. «Wir müssen wissen, wie der Zustand der Anlagen ist, was für Investitionen nötig sind und wie die Ertragserwartungen aussehen», appellierte Revaz an die Verantwortlichen der Unternehmen, die entsprechenden Daten zu liefern. Das sei entscheidend für eine solide Arbeit. «Ich freue mich in diesem Zusammenhang auf eine positive und konstruktive Zusammenarbeit.» Revaz versicherte, dass die gelieferten Daten streng vertraulich behandelt würden.

Lokaler Touch kommt gut an

Werner Jauch, Vorsitzender der Geschäftsleitung beim EW Altdorf, hielt an der gestrigen Tagung ebenfalls ein Referat, und zwar zum Thema «Innovative Bewirtschaftungs- und Betriebskonzepte von Wasserkraftanlagen eines regionalen Versorgers». Er verriet: «Wir versuchen unsere Kraftwerke einerseits so einzusetzen, dass wir die besten Marktpreisstunden erreichen.» Das heisst, das EWA versucht, dann zu produzieren, wenn der Preis am höchsten ist – sofern dies gesteuert werden kann. «Zudem nutzen wir ganz bewusst auch Speicherkraftwerke, um unsere Ausgleichsenergie zu optimieren.» Als ganz wichtigen Aspekt bezeichnete Jauch die Nutzung der Produktion, um für die Kunden einen Mehrwert zu generieren. Vor sechs Jahren habe man mit «Urstrom» einen eigenen Brand kreiert. «Das hat uns sehr stark geholfen, uns zu diversifizieren gegenüber anderen Lieferanten. Und wir haben einen ­lokalen Touch bekommen.» Dank dieses Produkts sei es gelungen, im Geschäftskundensegment Marktanteile zu halten. Rund 70 Prozent der EWA-Kunden beziehen ein Urstrom-Produkt und sind bereit, aufgrund der lokalen Verankerung einen kleinen Mehr­wert zu bezahlen.

Übergeordnetes Thema der gestrigen Tagung war der Strommarkt im Umbruch. Dazu hatte der von SVP-Präsident Albert Rösti präsidierte Verband Referenten aus dem In- und Ausland eingeladen. Am zweiten Tagungstag werden lokale Exkursionen in Uri unternommen. Ein Thema wird auch der Hochwasserschutz im Urner Talboden sein.


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