Chef in Haft – Auslieferung droht

HERGISWIL ⋅ Ein bekannter Immobilienhändler ist wegen Anstiftung zum Mord festgenommen worden. Nun sitzt er in Kriens in Untersuchungshaft und wehrt sich gegen die Auslieferung in sein Heimatland Kosovo.
15. Juli 2017, 00:00

Kurt Liembd

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

«Kein Eintritt ohne Voranmeldung». So lautet die Begrüssung an der Eingangstür einer Immobilienfirma in Hergiswil. Doch wer den Chef sprechen will, dem bringt derzeit auch eine Voranmeldung nichts. Denn dieser sitzt im Gefängnis Grosshof in Kriens. Verhaftet wurde er von der Kantonspolizei Nidwalden im Auftrag des Bundesamtes für Justiz, wie dieses gegenüber unserer Zeitung schriftlich bestätigt.

Der Hergiswiler Firmeninhaber ist kosovarischer Staatsbürger, fünffacher Familienvater und lebt seit 27 Jahren in der Schweiz. «Es wird ihm in seinem Heimatland Anstiftung zum Mord vor­geworfen», sagt Ingrid Ryser, Informationschefin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD), auf Anfrage. Anfang Juni sei deswegen ein Auslieferungsgesuch der kosovarischen Behörden eingetroffen. Bei der Voreinvernahme durch die Staatsanwaltschaft Nidwalden habe der Mann einer Auslieferung nicht zugestimmt. Deshalb wurde er Ende Juni in seiner Villa in Hergiswil festgenommen und in Untersuchungshaft gesteckt. Der Firmenchef kann sich nun schriftlich zum Auslieferungsgesuch äussern. «Gestützt darauf und auf das kosovarische Ersuchen wird das Bundesamt für Justiz einen Entscheid fällen», so Ingrid Ryser. Dieser könne beim Bundesstrafgericht angefochten werden. Bis es so weit ist, bleibt der Angeschuldigte in Untersuchungshaft. Es gilt die Unschuldsvermutung. «Bei Auslieferungsverfahren ist Haft die Regel, damit die Schweiz ihren staatsvertraglichen Verpflichtungen mit dem Kosovo nachkommen kann», erklärt Ryser.

Ein bedeutender Player in der Immobilienszene

Der Fall ist nicht nur wegen des schwerwiegenden Vorwurfs – Anstiftung zum Mord – speziell. Beim Verhafteten handelt es sich um einen bedeutenden Player im Immobiliengeschäft in der Innerschweiz. Sein Unternehmen hat auch schon mächtige Konkurrenz beim Kauf von grossen Liegenschaften mit höheren Angeboten ausgestochen.

Wie viele Liegenschaften die Firma heute besitzt und vermietet, ist nicht bekannt. Doch nahmen es der Chef und seine Frau mit der Geschäftsführung nicht immer sehr genau. Im Februar 2015 wurden beide vom Bezirksgericht Aarau wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsführung und mehrfachen Erschleichens einer falschen Beurkundung verurteilt. Der Mann erhielt damals eine bedingte Freiheitsstrafe von 13 Monaten und eine Busse von 8000 Franken. Zuletzt kaufte der Immobilienhändler zahlreiche Liegenschaften im Kanton Luzern, in Stans und Hergiswil, und renovierte diese. Dabei hielt er sich offenbar nicht immer an die Vorschriften, sodass der Gemeinderat auch schon einen Baustopp verfügen musste.

Gemeinderat arbeitet bei der Firma

Pikant: Walter Mösch, aktueller Hergiswiler Gemeinderat und in seiner Position verantwortlich für die Liegenschaften, ist als Buchhalter bei der Immobilienfirma des verhafteten Kosovaren angestellt. Darauf angesprochen, sagt Mösch: «Ich habe keine Ahnung, weshalb mein Chef verhaftet worden ist.» Er selber sei zu jenem Zeitpunkt in den Ferien gewesen.


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