Das sind die neuen SGV-Kapitäne

SCHIFFFAHRT ⋅ Kurz bevor die Dampfschiff-Flotte aus dem Winterschlaf erwacht, hat die Schifffahrtsgesellschaft SGV zwei neue Kapitäne ernannt. Einer davon stammt aus dem Kanton Uri.
12. April 2018, 00:00

David von Moos

redaktion@urnerzeitung.ch

In knapp zwei Wochen startet die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) in den Frühlingsfahrplan. Ab dann werden auch die Dampfschiffe wieder im Einsatz stehen. Am Dienstag hat die SGV zudem zwei verdienten Schiffsführern, Michael Stadler und Michel Scheurer, den Ehrengrad eines Kapitäns verliehen, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Dazu wurde ihnen die «Weisse Kapitänsmütze» übergeben. Dieser Brauch folgt einer rund 180-jährigen Tradition, wie ein Blick in die Geschichte zeigt (siehe Kasten).

«Für uns ist nicht jeder, der Schiffe fährt, Kapitän», hält Martin Wicki, Leiter Schifffahrt bei der SGV, auf Anfrage fest. «Das ist ein Ehrengrad, den man sich verdienen muss.» Dazu gehörten längst nicht nur die erforderlichen Ausbildungen und Prüfungen für Schiffsführer verschiedener Kategorien. Mindestens ebenso wichtig sei die Einstellung gegenüber dem Arbeitgeber, dem Team und den Kunden, mit denen man täglich zu tun habe. «Kapitäne sind Mitarbeiter, die sich für das Unternehmen verdient gemacht haben. Das hat mit Dienen zu tun, und das nicht nur während einer Saison», betont Wicki.

Stadler: Seit 1991 bei der SGV tätig

Die Ernennung zum Kapitän erfolge deshalb in der Regel gegen Ende der Berufslaufbahn eines Schiffsführers. Der Ehrengrad bedeute eine grosse Wertschätzung und Anerkennung. Mehr verdiene ein Schiffsführer mit dem Grad eines Kapitäns allerdings nicht.

Grund zur Freude haben die frischgebackenen zwei Kapitäne trotzdem. Einer davon ist der im Kanton Uri aufgewachsene 53-jährige Michael Stadler. Er startete seine Laufbahn bei der SGV 1991 als Kontrolleur-Matrose. Zur SGV kam er eher zufällig. «Damals wollte ich einfach etwas anderes machen als Elektrotechniker», erklärt Stadler gegenüber unserer Zeitung. Und just zu jener Zeit habe die SGV Kontrolleur-Matrosen mit Fremdsprachenkenntnissen gesucht.

Der Wunsch, Kapitän zu werden, sei kein Bubentraum gewesen, sondern erst nach und nach entstanden. «Ich bin zwar am Ufer des Urnersees geboren und aufgewachsen, und daher waren mir die vorbeifahrenden Schiffe schon immer sehr vertraut. Ich hätte aber als Kind und Jugendlicher nie gedacht, dass ich einmal darauf tätig sein würde.»

«Das ist eine schöne Anerkennung»

Von 1992 bis 1995 war Michael Stadler im Kassendienst auf den Schiffen tätig, bevor er im Zeitraum vom 1995 bis 2015 die unterschiedlichen Schiffsführerprüfungen absolvierte. Seit 2014 steuert Stadler auch die Dampfschiffe über den Vierwaldstättersee. Über die Beförderung zum Kapitän freut er sich sehr: «Das ist eine grosse Ehre für mich und eine schöne Anerkennung für meinen Einsatz in den vergangenen 28 Jahren bei der SGV.» Man brauche sicher einen gewissen Ehrgeiz, um es bis zum Kapitän zu schaffen, aber sicher auch ein bisschen Glück, weil Bedarf nach neuen Kapitänen vorhanden sein muss.

Die andere Kapitänsmütze ging an Michel Scheurer aus dem Seeland. Der 48-Jährige ist bei der SGV seit Ende 2011 als Leiter Produktion und Chefkapitän tätig. In dieser Funktion nimmt er die Verantwortung über das ­gesamte nautische Personal wahr. Nach dem erfolgreichen Abschluss als Bahndisponent arbeitete Scheurer ab 1991 bei der Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft AG, zuerst als Aushilfskraft, später als Mitglied der Geschäftsleitung. Scheurer ist seit 2016 befähigt, die Dampfschiffe auf dem Vierwaldstättersee zu fahren.


Anzeige: