Defekte verursachen Autobrände

SICHERHEIT ⋅ Vier Fahrzeuge sind in den letzten zwei Wochen auf Zentralschweizer Strassen in Brand geraten. Im letzten Jahr fingen im Kanton Luzern 33 Fahrzeuge Feuer. Explosionsgefahr besteht – anders als in Actionfilmen – selten.
17. Juni 2017, 00:00

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Der Gotthardtunnel musste am Donnerstag für rund drei Stunden wegen eines Autobrandes in beiden Richtungen gesperrt werden. Der Lenker des Autos mit deutschen Kennzeichen bemerkte im Tunnel eine Abnahme der Motorenleistung. Er konnte daraufhin das Auto anhalten und verlassen. Dabei stellte er im Motorenbereich Feuer fest. Er versuchte den Brand mit einem Feuerlöscher einzudämmen. Die automatisch alarmierte Schadenwehr Gotthard traf kurze Zeit später am Ereignisort ein und konnte den Brand löschen. Der Sachschaden am Fahrzeug und am Strassenbelag beträgt rund 130000 Franken.

Eine gute Woche zuvor liess eine schwarze Rauchsäule auf der Autobahn A2 nichts Gutes erahnen: Unweit der Einfahrt Sempach in Richtung Norden brannte ein Auto vollständig aus (Ausgabe vom 8. Juni). In sicherer Entfernung stand der Fahrer bei Polizisten auf dem Pannenstreifen. Die Folge war ein 10 Kilometer langer Stau. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich einen Tag später ebenfalls auf der A2, und noch einen Tag später brannte ein Lieferwagen auf der A4 im Kanton Zug. Bei den Vorfällen wurde niemand verletzt.

Dass vier Fahrzeuge innert kurzer Zeit in derselben Region Feuer fingen, ist zwar auffällig, steht jedoch in keinem Zusammenhang. Seit 2011 wurden gemäss Luzerner Polizei im Kanton Luzern zwischen 22 und 50 Fahrzeugbrände pro Jahr gemeldet. Im letzten Jahr waren es 33.

Mit Feuerlöscher einen Vollbrand verhindern

Ursachen für einen Autobrand gibt es viele, wie Daniel Graf, Mediensprecher des Touring-Clubs der Schweiz (TCS), sagt: «Im Motorraum kann es zu einem Feuer kommen, wenn brennbare Flüssigkeiten aus defekten Leitungen oder aufgrund einer kaputten Dichtung auf heisse Teile wie zum Beispiel ein Abgasrohr gelangen. Dies kann auch geschehen, wenn Treibstoff mit dem Auspuffkrümmer in Berührung kommt.» Auch von der Elektronik her kommt es immer wieder zu Feuer im Fahrzeug. So seien oft auch Kabelbrände oder ein Kurzschluss für einen Brand verantwortlich. Graf betont, dass es wichtig sei, die Fahrzeuge in einwandfreiem Zustand zu halten und diese von Experten warten und kontrollieren zu lassen. Auch ein Marderschaden kann Flüssigkeit auslaufen lassen und so zu einem Brand führen.

Mancher Autofahrer ist gegen das Feuer machtlos. Viele haben weder Zeit noch Ausrüstung, um die Flammen zu löschen. Laut dem Automobil-Club der Schweiz (ACS) soll man im Fall eines Brandes Ruhe bewahren. «Das Feuer im Motorraum dringt erst nach mehreren Minuten in den Innenbereich eines Autos vor», sagt Anita Brechtbühl, Verkehrssicherheitsbeauftragte des ACS. Sie empfiehlt, als Erstes den Warnblinker einzuschalten und auf den Seitenstreifen zu fahren und nach dem Abstellen des Motors alle Insassen aussteigen zu lassen. Dann die Feuerwehr (118) oder die internationale Notrufnummer 112 anzurufen.

Brechtbühl rät zudem, einen Feuerlöscher im Auto mitzuführen. «Der ist extrem wichtig, um am Fahrzeug einen Vollbrand zu verhindern. Anders als in Actionfilmen kommt es in der Realität nicht gleich zu einer Explosion, wenn ein Fahrzeug brennt.» Die Motorhaube solle einen Spalt geöffnet werden, damit der Brand gezielt bekämpft werden könne. Nach rund zwölf Sekunden sei ein 2-Kilogramm-Feuerlöscher leer. Deshalb empfiehlt sie kurze und gezielte Pulverstösse. Die meisten Fahrzeugbrände liessen sich in der Entstehungsphase löschen, so Brechtbühl.

Schäden sind über Kaskoversicherung gedeckt

Der Feuerlöscher solle im Auto genauso wie das Pannendreieck und die Warnweste so platziert werden, dass man sie schnell zur Hand habe. Ideal sei der Platz unter dem Beifahrersitz. Zudem sei es wichtig, dass Feuerlöscher alle zwei Jahre von einem Fachmann geprüft werden. Feuer­löscher gibt es im Autofachhandel oder in Baumärkten. Alternativ für kleine Entstehungsbrände sind Feuerlöschsprays erhältlich.

Bei einem Fahrzeugbrand sitzt den Geschädigten der Schreck im Nacken. Wie hoch der finanzielle Verlust wird, kann gewissermassen jeder selber bestimmen: «Wenn Autobesitzer über eine Teil- oder Vollkaskoversicherung verfügen, sind die Schäden durch Fahrzeugbrand gedeckt», sagt Bernd de Wall, Mediensprecher der Versicherung Allianz Suisse. Die Kaskoprämie für ein Fahrzeug hängt von vielen Faktoren ab und kann stark variieren. Massgebend sind neben dem Alter des Fahrers auch Wohnort, Fahrzeugmodell und Katalogpreis des Fahrzeugs. Der Allianz Suisse wurden im vergangenen Jahr 572 Fahrzeugbrände gemeldet. Der Schaden betrug dabei im Schnitt rund 5000 Franken, der Gesamtschadenaufwand lag bei fast 3Millionen Franken.

Die Mobiliar-Versicherung verfügt nicht über genaue Zahlen unter dem Stichwort Fahrzeugbrand. Laut Mediensprecherin Susanne Maurer wurden in den letzten Jahren rund 1300 Teil­kaskoschäden pro Jahr unter dem Titel «Feuer» bezahlt.


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