Die Schüssel in der Pampa

ZUG ⋅ Auf dem Zugerberg steht auf einer Waldlichtung ein einsames WC. Was ziemlich fremd wirkt, hat eine wichtige Funktion für die Umgebung: die Entlastung des Naturschutzgebiets.
14. Juli 2017, 00:00

Eine WC-Schüssel mitten in der Natur. Kein achtlos in den Wald geworfenes Stück, sondern eine wirklich gut ausgelotete, funktionierende Toilette. Von einem stillen Örtchen kann aber nur bedingt die Rede sein, denn die Idylle auf dem Bild trügt. Steht doch die Schüssel wenige Meter neben einem gut genutzten Wanderweg – am Wanderweg zwischen dem Abenteuerspielplatz auf dem Zugerberg und dem Pfaffenboden im Gebiet Eweg­stafel. So ist auch an einem Wochentag, als sich die Journalistin auf die Suche nach dem gemeldeten Objekt macht, einiges los auf dem Weg.

Das gute Stück steht an besagtem Tag nicht mehr einsam auf der Lichtung, sondern ist von diversen Blachen verdeckt. Eine Pfadi-Gruppe hat derzeit ihr Lager dort aufgeschlagen und darf die Installation als WC-Anlage nutzen. Ihres Wissens sei das Ganze aber nicht extra für sie aufgestellt worden, sondern stehe auch sonst dort, geben die Pfader auf Anfrage Auskunft.

Ein etabliertes Örtchen

Später ergibt eine kurze Internetrecherche, dass es sich beim besagten Platz um einen Lagerplatz handelt, welchen die Pfadfinder des Kantons Zug an andere Gruppen vermietet. Und im Vertrag steht tatsächlich unter Punkt 1.5: «Eine Toilette mit Spülung ist vorhanden.» Steht das nicht ganz so ­stille Örtchen also doch nicht das ganze Jahr über an seinem Platz beim Wanderweg? Haben die beiden WC-«Bürsteli», die schön beim Baum nebenan platziert wurden, nur auf die Lagergruppen gewartet?

Antworten gibt es auch gleich von der Pfadi Kanton Zug. Das WC stehe schon seit über 20 Jahren immer wieder dort. Im Sommer werde es manchmal auch länger stehen gelassen, als die Lager dauern.

Was auf den ersten Blick auch eine Umweltverschandelung sein könnte, soll offenbar genau das Gegenteil bewirken. Die Schüssel mitten im Wald ist zum Schutz des angrenzenden Naturschutzgebietes gedacht und deshalb an die Kanalisation angeschlossen. Damit die vielen Gruppen, die an Pfingsten, Auffahrt und in den Sommerferien den Platz bevölkern, nicht Loch um Loch graben, um ihre Notdurft zu entsorgen.

Solange das WC dort steht, darf es auch benutzt werden. Wie oft aber bereits ein dringendes Bedürfnis ausserhalb der Lager­zeiten auf der Freiluftschüssel ­inmitten von Laub und Sträuchern verrichtet wurde, ist nicht festge­halten. Die direkte Einsicht aus Richtung Wanderweg wird wohl den einen oder anderen trotz WC-Drang von einer Benützung abgehalten haben.

Zoe Gwerder

zoe.gwerder@zugerzeitung.ch


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