Die Wespen sind dieses Jahr besonders früh dran

NATUR ⋅ Trotz des Kälteeinbruchs im April haben die Wespen fast einen Monat Vorsprung. Wespennester sollen aber nicht in jedem Fall zerstört werden.
17. Juni 2017, 00:00

Bis zu fünfmal am Tag rückt Marco Rogenmoser derzeit in Vollmontur aus. Mit dicken Handschuhen, einem Imkerhut und seinen Schutzkleidern entfernt er Wespennester bei seinen Kunden. In diesem Jahr ist sein Auftragsheft auffällig früh mit solchen Aufträgen gefüllt. «Die Tiere sind im Vergleich zu anderen Jahren etwa einen Monat voraus», erklärt er. Der Oberägerer ist mit seiner Baumpflege und Gartenholzerei seit acht Jahren im Bereich der Wespennestentfernung tätig. Normalerweise, so sagt er, beginnen die Wespen­königinnen Anfang Mai mit dem Bau der Nester. In diesem Jahr hätten viele Königinnen bereits im März mit dem Bau begonnen. Und die Zahl seiner Aufträge werde noch zunehmen. «Derzeit sind die Wespennester noch etwa faustgross, und zwischen drei und sechs Arbeiterinnen fliegen ein und aus. Meistens bemerken die Leute aber die Bauten erst, wenn das Volk und damit auch der Bau grösser wird.»

Dies bestätigt Gabi Müller. Die Leiterin der Schädlingsprävention und -beratung der Stadt Zürich erklärt, dass während des Winters einzig die befruchteten Wespenköniginnen überleben. Nach der Winterstarre beginnt jede Königin mit dem Bau ihres Nestes und legt dort Eier ab. Danach ist sie mit der Aufzucht der ersten Generation Arbeiterinnen beschäftigt. «Es fliegt also nur eine einzige Wespe ein und aus, und das Nest hat erst wenige Zentimeter Durchmesser», so Müller. Erst wenn die Arbeiterinnen selber ausfliegen und sich um den Nestbau sowie die Aufzucht der Larven kümmern, zieht sich die Königin ins Nest zurück und legt nur noch Eier. Gefährlich würden aber die meisten Wespen nur, wenn man sich zu nahe an ihrem Nest aufhalte, so Müller. «4 bis 5 Meter Abstand sind ratsam.» Falls eine Wespe trotzdem einmal zusticht, sollte man den Ort schnell verlassen. «Die Wespe sondert beim Stechen einen Botenstoff ab, der das gestochene Wesen als Feind markiert. Sobald der Duft auch die anderen Wespen erreicht, greifen sie ebenfalls an.» Nach einer Dusche sei der Botenstoff aber wieder weg, versichert sie.

Umsiedeln statt vernichten

Wenn man ein Wespennest bei sich zu Hause entdeckt, rät Müller, zuerst abzuklären, um welche Wespenart es sich handelt: «Viele Wespenarten belästigen den Menschen nicht, wenn man ihnen nicht zu nahe kommt. Zudem sind einige dieser Arten nicht mehr häufig.» Es seien einzig die Deutsche und die Gemeine Wespe, die den Menschen im Spätsommer lästig werden, weil sie sich über Esswaren und Getränke hermachten. «Wenn es sich aber um ein Nest der Art der Mittleren, der Sächsischen Wespe oder von Hornissen handelt, ist eine Umsiedlung wünschenswert», erklärt Müller. «Denn diese Arten belästigen den Menschen nicht am Picknicktisch und sind nicht mehr häufig.»

Muss ein Nest entfernt werden, kann dies im Anfangsstadium und unter dem Vorbehalt, dass das Nest zugänglich ist und keine Wespenallergie besteht, selber gemacht werden. «Solange nur die Königin ein- und ausfliegt, kann man einfach warten, bis sie nicht mehr im Nest ist, und dann mit Wespenspray dieses einsprühen», so Müller. So hat das Insekt die Chance, sein Nest an einem anderen Standort nochmals zu bauen. Denn: «Wespen haben eine wichtige Funktion in der Natur. Sie fangen Insekten und verfüttern sie ihrer Brut. Ausserdem sind sie selber auch Nahrung für andere Tiere.»

Auch wenn die Wespen in diesem Jahr schon früher mit dem Nestbau begonnen hätten, seien es nicht mehr Nester als in anderen Jahren, sagt Marco Rogenmoser. «Viele Königinnen, die früh aktiv wurden, sind beim grossen Kälteeinbruch im April erfroren.» Eine Wespenplage sei also nicht vorprogrammiert.

Zoe Gwerder

zoe.gwerder@zugerzeitung.ch

www. Merkblätter zu Wespen unter: zugerzeitung.ch/bonus

Leserkommentare

Anzeige: