Es hat noch genug Chriesi

ZUG ⋅ Die Bauern haben noch genügend frische Tafelkirschen. Dies, obwohl die Ernte wegen des Jahrhundertfrosts im Frühling stark gelitten hat. Der Obstverband sieht das Problem in der Vermarktung.
18. Juli 2017, 00:00

Stefanie Nopper

stefanie.nopper@luzernerzeitung.ch

Die Zuger Obstproduzenten können teilweise aufatmen. Zwar vernichtete der Frost Ende April einen Grossteil ihrer heranreifenden Kirschen. Doch die Bauern haben trotzdem noch immer ausrei­chende Mengen an feinen Tafelkirschen im Angebot.

In diesem Jahr haben die Zentralschweizer Bauern mit rund 110 Tonnen Tafelkirschen gerechnet. Aufgrund des optimalen Wetters sind die Zahlen jedoch gestiegen. Louis Suter, Leiter der kantonalen Fachstelle Obstbau, geht nach neuesten Berechnungen von zusätzlichen rund 20 Tonnen Kirschen aus. Dies entspreche je- doch noch immer nur rund einem Drittel des Normalertrags. Dieser liege in der Zentralschweiz im Durchschnitt bei rund 400 bis 450 Tonnen. Nicht alle Bauern konnten Kirschen ernten: «Es gibt Betriebe, die haben aufgrund des Frostes praktisch keinen Ertrag, andere wiederum können sich an einer kleinen bis mittleren Ernte erfreuen», so Suter.

«Es wurden noch nie so viele Kirschen importiert»

Doch warum ist die Kirschennachfrage in diesem Jahr gesunken? Einen Grund sieht Suter darin, dass die Werbung und die Verkaufsanstrengungen wegen der kleinen Ernteerwartung bei den Grossverteilern fast auf null heruntergefahren und zudem lange Zeit kaum Aktionen gemacht wurden. «Teilweise mussten die Schweizer Kirschen im Regal gesucht werden. Auch in der Direktvermarktung ab Hof wurde kaum Werbung gemacht. Auch die Kirschentage mussten abgesagt werden», erklärt Suter. Weil die Versorgung des Schweizer Marktes durch einheimische Kirschen lange Zeit nicht möglich gewesen sei, hätten diese zudem in grossen Mengen eingeführt werden müssen. «Es wurden noch nie so viele Kirschen importiert wie in diesem Jahr.» Nun wurde zudem etwas mehr geerntet als erwartet.

«Es ist eine schwierige Situation. Der Detailhandel hat aufgrund der Prognose die wenigen Früchte teilweise in den Läden nicht an vorderster Lage platziert», so Beatrice Rüttimann vom Schweizer Obstverband. Schlussendlich sei der Verkauf in diesem Jahr an der schlechten Prognose gescheitert: Gehe man von einer kleinen Erntemenge aus, dann sei diese Ausgangslage schwieriger zu vermarkten. Es gebe zwar keinen Überschuss. Aber wegen des breiten Angebots an Sommerfrüchten hätten es unsere Kirschen mit grosser Konkurrenz zu tun. «Die Bevölkerung hat sich aufgrund des Frostes und der Prognose auf weniger Chriesi ein­gestellt – und kauft darum auch weniger», so die Fachfrau weiter. Noch Ende April habe es so ausgesehen, als ob es nicht sehr viele Kirschen geben würde. Nun gibt es mehr Kirschen als erwartet, aber in den Köpfen der Leute sei geblieben, dass es dieses Jahr wohl keine oder nur sehr wenig Schweizer Kirschen gäbe.

Tatsächlich gibt es aber je nach Betrieb und Lage sehr unterschiedliche Erntemengen. So gebe es etwa noch genügend Kirschen bei denjenigen Bauern, die in Seenähe produzieren würden. «Die Qualität der Früchte ist sehr gut – sie sind prall und haben einen hohen Zuckerwert», so Rüttimann. Die täglichen Erntemengen der Tafelkirschen nehmen laufend ab – in einigen Tagen dürfte die Ernte im Kanton Zug beendet sein.

Um auf die hiesigen Kirschen aufmerksam zu machen, haben die drei Zuger Sportler Janosch Nietlispach, Andy Meyenberg und Sebi Eichenberger dem ­Hünenberger Landwirt Jürg Odermatt bei der Ernte geholfen. «Es war ein wahrhaftiger und schweisstreibender Trainings­ersatz. Dafür konnten wir hoffentlich Gutes tun», sagt etwa der Wakeboard-Weltmeister Andy Meyenberg.

Hinweis

Ein Video der Ernte mit den Sportlern sehen Sie unter:

www.zugerzeitung.ch/video

«Die Chriesi wurden in diesem Jahr zu schlecht vermarktet.»

Louis Suter

Leiter Fachstelle Obstbau


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