«Finanzoptimierer» steht immer noch an der Linie

BETRUGSFALL ⋅ Eine Million Franken soll ein Mann seinen Opfern abgeknüpft haben. Als Fussballtrainer wirkt er aber weiter.
08. September 2017, 00:00

Gewerbsmässiger Betrug, mehrfache Urkundenfälschung und Misswirtschaft: So lauten die Anklagepunkte, zu denen sich ein 34-jähriger Mann aus dem Kanton Schwyz am 24. August vor dem Luzerner Kriminalgericht verantworten musste. Zwischen den Jahren 2007 und 2010 soll der Angeklagte als «Finanzoptimierer» bei 61 Personen rund eine Million Franken erschlichen haben – mit Unternehmen, die im Handelsregister des Kantons Luzern eingetragen waren.

Die geschädigten Personen stammen aus den Kantonen Luzern, Zug, Nidwalden, Bern und Basel-Stadt. Das Luzerner Kriminalgericht verurteilte den Beschuldigten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten, davon acht Monate unbedingt. Ihm wurden die Untersuchungskosten von 10415 Franken und eine Gerichtsgebühr von 6000 Franken auferlegt. Laut Urteil ist der Mann verpflichtet, 31 Privatklägern insgesamt fast 700000 Franken Schadenersatz zu bezahlen. Gegen das Urteil ist Berufung eingelegt worden.

Jungen Fussballspieler ausgenommen

Der 34-Jährige sei als Fussballtrainer in das Leben eines seiner ­Opfer gekommen, schreibt der «Blick». Der Angeklagte habe dem jungen Fussballspieler eine KV-Lehrstelle angeboten. Anschliessend habe er der Familie verlockende Investitionsangebote gemacht – mit gefälschten Dokumenten. So habe er die ganze Familie finanziell ausgenommen. Der Betrug flog auf: Der Lehrling verlor seine Arbeitsstelle, und die Familie blieb auf den Schulden sitzen.

In der Zentralschweizer Fussballszene ist der Beschuldigte kein Unbekannter. Wie Recherchen unserer Zeitung ergaben, ist der nun erstinstanzlich verurteilte Mann nach wie vor beim FC Adligenswil als Trainer engagiert. Nun stellt sich die Frage, ob es für den Verein verantwortbar ist, den Beschuldigten weiter zu beschäftigen. Zu den Gründen, weshalb man am Trainer festhält, will der besagte Verein aber nicht Stellung nehmen. Aus Mannschaftskreisen ist indes zu vernehmen, dass sich der Vorstand hinter den 34-jährigen Trainer stelle. Die Angelegenheit sei lange her und interessiere ihn deshalb nicht.

So war er etwa Trainer beim SC Schwyz. Aus vereinsinternen Kreisen ist zu vernehmen, dass der Beklagte dort als Trainer engagiert gewesen sei, jedoch eines Tages einfach nicht mehr auftauchte. Auch ein weiterer Verein aus der Region hat Erfahrungen mit dem 34-Jährigen. Dort sagt ein ehemaliges Vereinsmitglied, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte: «Als er Trainer der C-Junioren war, ging er mit den Buben auf dem Rücksitz auf Spritztouren – teilweise viel zu schnell. Für die Junioren war das toll – immerhin hatte er in seinen Autos sogar Fernseher drin. Er wollte Leuten aus dem Verein ausserdem völlig überhöhte Krankenkassenverträge andrehen, damit er eine grosse Provision kassiert.» Das sei vor gut zehn Jahren gewesen.

In dieser Zeit habe der Mann im Namen des Vereins auch neue Trikots für seine C-Junioren bedrucken lassen – auf der Rechnung sei der Fussballclub sitzen geblieben. So habe der vermeintliche Betrüger nie das Einverständnis des Vereins eingeholt, sagt das ehemalige Vereinsmitglied weiter.

Fussballverband sind die Hände gebunden

Eine Anfrage beim Innerschweizerischen Fussballverband (IFV) zeigt, dass auch dieser nicht glücklich mit besagtem Trainer ist. «Wir haben leider nicht die Befugnis, nebst der notwendigen fachlichen Qualifikation, unseren Vereinen vorzuschreiben, wen sie als Trainer beschäftigen dürfen und wen nicht. Manchmal wäre das hilfreich», so der IFV-Präsident Urs Dickerhof.

«Wir können nicht mehr tun, als den FC Adligenswil darauf hinzuweisen und ihn zu warnen. Das haben wir auch getan», sagt Dickerhof weiter. Zwingen könne der Verband den Verein in ­dieser Beziehung aber zu gar nichts – dem Verband sind in dieser Angelegenheit die Hände gebunden.

Andrea Muff und Sara Häusermann

zentralschweiz@luzernerzeitung.ch


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