Geld gegen Ärztemangel

NIDWALDEN ⋅ Junge Ärzte sollen mit finanziellen Anreizen ermuntert werden, eine Hausarztpraxis zu eröffnen. Garantie gibt es zwar keine, aber eine moralische Pflicht.
13. September 2017, 00:00

Markus von Rotz

markus.vonrotz@nidwaldnerzeitung.ch

Der Mangel an Hausärzten wird sich in Nidwalden wohl weiter verstärken. Das befürchtet die Regierung. Gleichzeitig erinnert sie daran, dass für den Kanton «ein expliziter Auftrag» bestehe, Hausarztmedizin als Teil der Grundversorgung zu fördern. Gründe für Engpässe ortet sie in der zunehmenden Spezialisierung der Ärzte und ihrer vermehrten Teilzeittätigkeit.

Wie schon andere Kantone will nun auch die Nidwaldner Regierung mit dem Luzerner Curriculum Hausarztmedizin eine Vereinbarung abschliessen. Dieses wurde 2014 durch die Luzerner Hausärzte in Zusammenarbeit mit der Universität Luzern gegründet und hat zum Ziel, «die Attraktivität der Hausarztmedizin in der Zentralschweiz zu fördern und junge Kollegen «im Studium und in der Fachausbildung wieder vermehrt für den Beruf des Hausarztes zu begeistern». Im Rahmen dieses Programms erhalten Assistenzärzte in Ausbildung die Möglichkeit, sich an einem Spital maximal dreimal ein halbes Jahr in spezialisierten Kliniken fachliche Erfahrung für ihre künftige Tätigkeit als Hausarzt zu holen. Voraussetzung ist, dass sie drei Jahre Klinikerfahrung haben, davon mindestens zwei in der Inneren Medizin.

In Luzern gibt es bereits eine Warteliste

Seit 2007 gibt es zudem eine Vereinbarung mit der Zentralschweizerischen Gesundheits­direktorenkonferenz über Rahmenbedingungen für ärztliche Praxisassistenz. Das ermöglicht es Assistenzärzten, ein halbes Jahr in einer Hausarztpraxis zu arbeiten. Den Lohn von 52 000 Franken übernehmen zu einem Drittel der Hausarzt und zu zwei Dritteln der Kanton. Für die neu geplante Rotationsausbildung von Assistenzärzten an Spitälern fallen für ein halbes Jahr 31 000 Franken an Lohn­kosten an, welche sich die Klinik und der entsprechende Kanton teilen.

In Uri, wo die Vereinbarung 2015 abgeschlossen wurde, beteiligen sich drei Assistenten am Angebot. In Luzern sind es 25, es besteht eine Warteliste, wie die Regierung schreibt. In Obwalden gab es noch keine Anfrage, wie es beim Gesundheitsamt hiess. Man rechnet aber mit ersten Interessenten noch dieses Jahr.

Bevor die Nidwaldner Regierung die unterschriftsreife Vereinbarung unterzeichnet, beantragt sie dem Landrat einen auf zehn Jahre befristeten Kredit. Sie geht von Kosten von 256000 Franken aus. Damit könnten maximal acht solcher Rotationsstellen bezahlt werden.

Vom Assistenzarzt wird gemäss Merkblatt «eine Absichtserklärung verlangt, innert fünf Jahren nach Abschluss eine Praxistätigkeit im Kanton Nidwalden aufzunehmen». Eine Verpflichtung dazu, die über eine «moralische Absicht» hinausgehe, ist gemäss dem Regierungsrat nur bedingt durchsetzbar. Sie könnte gar als «Hemmschwelle für interessierte Personen» wirken, heisst es. An der Ausbildung solcher Ärzte ist neben diversen Kliniken des ­Kantonsspitals Luzern und der Klinik St.Anna auch das Kantonsspital Nidwalden beteiligt.

«Kostengünstige Behandlungsmöglichkeit»

Das Geschäft kommt am 27. September vor den Nidwaldner Landrat. Die Kommission für ­Finanzen, Steuern, Gesundheit und Soziales empfiehlt einstimmig ein Ja zum beantragten Kredit. Gerade der Kanton Nidwalden sei aufgrund seiner Bevölkerungsstruktur künftig auf eine funktionierende Gesundheitsinfrastruktur angewiesen. Hierbei sei die (Erst-)Behandlung beim Hausarzt «eine der kostengünstigsten Möglichkeiten» zur Erhaltung der Gesundheit. Auch wenn man zur Kenntnis nehmen müsse, dass man einen Assistenzarzt nicht abschliessend in die Pflicht nehmen könne, sei der von der Regierung vorgeschlagene Weg trotzdem «die beste Möglichkeit», einem Hausärztemangel vorzubeugen.


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