«Ich mache etwas richtig – oder gar nicht»

LUZERN ⋅ Alexander von Däniken (35) leitet seit September das Ressort Kanton der «Luzerner Zeitung». Der gelernte Polygraf hat seinen Traumberuf Kapitän bereits beim Schnuppern im Rhein versenkt. Seinen jetzigen Beruf verfolgte er aber mit Beharrlichkeit.
23. Oktober 2017, 00:00

Interview: Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Alexander von Däniken, Sie betonen oft, dass Sie nicht mit Erich von Däniken verwandt sind. Warum legen Sie Wert auf diese Feststellung?

Weil ich häufig darauf ange­sprochen werde. Wir sind nicht direkt verwandt, höchstens über 15 Ecken.

Sie haben ihn als junger Journalist interviewt. Zufall? Oder wollten Sie herausfinden, ob es gemeinsame Vorfahren gab?

Das war Zufall. Ich habe damals im Rahmen eines Arbeitslosenprojekts in der Redaktion der Fachzeitschrift «Der Arbeitsmarkt» mitgewirkt. Für eine Story zum Thema Vergnügen war der Mystery Park in Interlaken auf der Liste. Wer die Geschichte machen sollte, lag auf der Hand: von Däniken meets von Däniken war die Ansage.

Heute sind Sie Leiter des Ressorts Kanton. Ihre Themen haben selten mit Vergnügen und nie mit Ausserirdischen zu tun. Dafür setzen Sie oft dort an, wo es wehtut, und kratzen mit der Feder auch mal an Politikern und Beamten. Wie kommen Sie mit Ihrer Art bei Parteien und Ämtern an?

Da müssen Sie die Politiker und Kantonsangestellten fragen. Das ist wohl von Fall zu Fall verschieden.

Kritik bringen Sie stets direkt und fair an. Sind die Rückmeldungen der Betroffenen ebenso?

Meistens sind sie fair. Wobei wir bei politischen Themen nicht sehr viel Feedbacks bekommen.

Wie fallen die Reaktionen der Leser aus?

Bei Geschichten mit Tieren oder mit der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) sind die Reaktionen häufiger. Was nicht heissen soll, dass wir der Politik weniger Platz einräumen sollten.

Gar keine Rückmeldung hätten Sie bekommen, wenn Sie auf Ihrem gelernten Beruf geblieben wären. Sie wollten unbedingt Polygraf lernen. Dafür haben Sie in der Sek in Rapperswil eine einjährige Ehrenrunde gedreht, weil keine Lehrstelle frei war. Warum blieben Sie trotzdem nicht auf dem Beruf?

Weil er dann doch nicht so toll war, wie ich mir das vorgestellt habe.

War damals bereits klar, dass Sie Journalist werden?

Erst nach einer Phase der Selbstfindung wurde dies mein Ziel. Ich reiste für drei Monate nach Südafrika, um meine Englischkenntnisse aufzufrischen. Bevor ich in einer Redaktion Unterschlupf fand, hatte ich zahlreiche Jobs in verschiedenen Branchen. Ich arbeitete als Dachdecker, in einem Treuhandbüro und bewachte für einen Sicherheitsdienst den Fifa-Hauptsitz in Zürich. Ich übte diese Tätigkeiten meistens nur wenige Wochen aus, um Geld zu verdienen, kündigte ins Blaue und stand mehrere Male vor dem Nichts.

Wieso haben Sie den Bettel immer so früh weggeworfen?

Wenn ich etwas mache, dann richtig oder gar nicht. Diese Jobs waren einfach nicht mein Ding, sondern der Journalismus.

Wie sind Sie eingestiegen?

Beim «Arbeitsmarkt» war ich zum ersten Mal befristet in einer Redaktion angestellt. Weil mir der Journalismus gefiel, setzte ich mir eine Position in einer Redaktion zum Ziel. So lange, bis ich es erreicht hatte. Es war mein Herzenswunsch. An dem bin ich hartnäckig drangeblieben.

Zu der Zeit, als Sie einen Job im Printjournalismus suchten, war es nicht einfach, in einer Redaktion Anschluss zu finden. Wie haben Sie die Tür geöffnet?

Mit unzähligen Bewerbungen. Ich wurde viermal eingeladen, belegte aber immer nur den zweiten Platz. Das nagte an meiner Motivation. Aber ich fand eine Anstellung im Medienbereich bei der Schweizer Paraplegiker-Stiftung in Nottwil. Ich zog mit meiner Frau Bea aus der Ostschweiz nach Luzern. In der Zentralschweiz klappte es dann mit dem Berufswunsch. Zuerst als Redaktionsleiter bei der Lokalzeitung «Freier Schweizer» in Küssnacht. In dieser Zeit absolvierte ich den Diplomlehrgang Journalismus am MAZ.

Bei uns arbeiten Sie seit sechs Jahren. Haben Sie gefunden, wonach Sie suchten?

Im Moment auf jeden Fall. Was die Zukunft bringt, weiss man nie. Ich habe das Glück, dass ich in der Redaktion meine Ansichten und Wünsche anbringen konnte und man mir entgegengekommen ist.

Ist der Beruf so, wie Sie sich ihn vorgestellt haben?

Nein, er ist sogar besser. Sehr viel vielseitiger, als ich je gedacht hätte. Kein Tag ist wie der andere. Ich habe mit der Zeit auch immer mehr Verantwortung übernehmen dürfen.

Letzten Donnerstag berichteten Sie in einem Artikel über die Vorteile von Traumberufen. Wie sehr trifft der Titel «Wer seinen Beruf liebt, arbeitet nicht» auf Sie zu?

Ich liebe meinen Beruf. Ich habe jedoch schon den Eindruck, dass ich arbeite. Besonders nach einem langen Tag. Trotzdem wollte ich nichts anderes.

Ihr Berufswunsch war bis ins Teenageralter Kapitän zur See. Wie sehr haben Sie an der Realisierung dieses Traums gearbeitet?

Als es um die Berufswahl in der 2.Sek ging, machte ich mir Gedanken, wie ich Matrose werden kann. Also schnupperte ich auf einem Rheinschiff. Nach einer Woche versenkte ich aber meinen Traum im Rhein. Die Arbeit war zu streng, der Umgangston rau und die Arbeitszeiten lang.

Wenn Sie Dienst haben, verlassen Sie die Redaktion oft auch spät.

Das stimmt – dafür mit einem guten Gefühl. Nur Zeit für Hobbys bleibt dann kaum.

Ausser wenn man gut Essen als Hobby bezeichnen würde. Sie sind bei Kollegen als Feinschmecker bekannt. Darf man annehmen, dass Sie auch ein grosser Koch sind?

Gross ist übertrieben. Das Essen ist sehr wichtig. Die kulinarischen Möglichkeiten einer Stadt sind mit ein Grund, dass wir nach Luzern gezogen sind. Aber auch zum Kochen fehlt mir meistens die Zeit. Ich habe jedoch das Glück, dass meine Frau grossartig kocht und mich auf meinem Weg immer unterstützt hat.

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