«Ich tue mehr oder weniger nur das, was mir Spass macht»

URI ⋅ Florian Arnold ist seit 2011 Redaktor bei der «Urner Zeitung». Der 29-jährige Altdorfer ist aber nicht nur auf der Schreibtastatur versiert: Er spielt Handorgel in einer Ländlerkapelle und Klavier, zudem ist er Mitglied einer Funkband. Dabei wollte er Jazzer werden.
12. Februar 2018, 00:00

Florian Arnold, bevor Sie Journalist wurden, belegten Sie den Vorkurs der Jazzschule Luzern. Was hatten Sie vor?

Musik hat mir immer schon Spass gemacht. Nach Blockflöte lernte ich Handorgel und Klavier spielen. Das Musikstudium war ein Thema, aber nach der Mittelschule Uri wollte ich an die ETH. Dieser Wunsch änderte sich, als ich drei Monate in New York lebte und den Jazz kennen lernte.

In einer Musikschule?

Nein, dort gibt es 3000 Musiker, die privat unterrichten. Ich ging in Jazzclubs, hörte mich um und fand so eine Klavierlehrerin.

Welches Instrument hatten Sie dabei?

Meine Handorgel. Ich dachte, es sei noch lustig, im Central Park Ländler zu spielen.

War es denn lustig? Liessen die Leute was springen?

Für ein Znacht reichte es. Ich wollte einfach etwas anderes sehen als die Schweiz und Eindrücke sammeln. Ich war gerade 20.

Neue Eindrücke sammeln Sie bald wieder. Sie machen einen viermonatigen Break.

Die Idee ist, im deutschsprachigen Raum als Journalist zu arbeiten. Am liebsten beim Radio oder Fernsehen in Wien, Hamburg oder München. Ich will erfahren, wie in anderen Bereichen des Journalismus gearbeitet wird.

Was treibt Sie an?

Ich habe gerne Abwechslung im Beruf und will nicht nur bei der Zeitung arbeiten. Vor zwei Jahren reduzierte ich mein Pensum auf 80 Prozent, damit ich Zeit für andere Projekte habe. Kreativität potenziert sich, wenn man mehrere Dinge macht. Wenn ich einen Film schneide, gibt mir das Inputs für Texte, die ich schreibe.

Und die Musik?

Wenn man verschiedene Stile und Instrumente spielt, verhält sich dies genau gleich. Als Kind fand ich Volksmusik toll. Bei meiner Musiklehrerin lernte ich, nach Gehör ohne Noten zu spielen, was auf der Handorgel gut geht. Das förderte mein Gehör. In der Pubertät wurde Handorgel dann uncool, bis wir vor zwölf Jahren aus einer Schnapsidee heraus das Echo vom Poschtsack gegründet haben.

Sie sind stellvertretender Redaktionsleiter in Uri. Welches ist denn nun Ihre Berufung, Ihr Steckenpferd?

Kreativität. Die kann man mannigfaltig einsetzen. Der Lokaljournalismus bietet hierbei die grösste Abwechslung. Wir haben ein super Team. Alle legen sich ins Zeug und wollen gemeinsam eine gute Zeitung machen. Ich schreibe heute über den Landrat und mache morgen ein Porträt über einen Musiker. Ich will die Musik nicht missen, bin jedoch froh, dass ich mein Geld nicht allein damit verdienen muss.

Sie spielen in einer Ländler­kapelle, in der Rock- und Funkband The Krabbers und werden von Kirchgemeinden als Organist engagiert. Zudem steht in Ihrem Keller ein Flügel. Sie sind nicht weit weg vom Berufsmusiker.

Aber weil es nicht mein Haupterwerb ist, muss ich nicht so aggressiv Musik machen. Ich tue mehr oder weniger nur das, was mir Spass macht. Es ist genial, etwas mehr als ein Hobby, aber eben nicht der Beruf.

Also wird man Journalist?

Ich bin reingeschlittert. Ein Kollege sagte mir damals, dass die «Urner Zeitung» freie Mitarbeiter suche. Dort lernte ich das Journalistenhandwerk, und mir wurde eine Ausbildung am MAZ ermöglicht. Das war eine Schlüsselstelle in meiner beruflichen Ausrichtung. Just zu dem Zeitpunkt hatte ich den Vorkurs an der Jazzschule abgeschlossen, aber keinen Studienplatz erhalten.

Ein herbe Enttäuschung?

Damals ja. Aber ich trauere der Sache nicht nach. Wenn ich sehe, wie viele Musiker Kompromisse eingehen müssen oder nicht die Musik spielen können, die sie lieben, vermisse ich nichts. Ich nehme es immer so, wie es kommt.

Dabei realisieren Sie ständig Projekte wie «Politcast Uri», bei der junge Leute über Politik sprechen.

Das Schöne ist, dass man oft Leute findet, die solche Projekte unterstützen. Ohne die würde es nicht gehen. Die Idee mit Politcast hatte ich in New York. Ich überlegte mir, wie man so einen Podcast, der inzwischen ein alltägliches Angebot von Radiostationen ist, umsetzen könnte. Ich merkte, dass man mit wenig Geld Journalismus betreiben kann.

Ein weiteres Projekt: Hör­spiele. Auch nicht alltäglich!

Der Verein «verzapft und zuä­glost», den ich mitgegründet habe, setzt sich zum Ziel, Hörspiele zu produzieren. Ich übernehme die Tontechnik, helfe beim Drehbuch. Es handelt sich um eine Detektiv-Reihe für Jugendliche.

Zurück zum Beruf. Sawiris, der Gotthard, Walker: Es gibt langweiligere Gegenden für Regionaljournalisten als Uri.

Sicher. Es war genial, als 2016 die Neat eröffnet wurde. Da konnten wir extrem viel berichten. Ich fand dabei Storys cool, bei denen man nicht den Superpromi begleitet, sondern auch Unbekannte, die zum Beispiel Besucher durch den Neat-Stollen führen.

Reizt Sie das Radio oder ein Job beim TV nicht?

Voll in diesen Bereich zu wechseln, ist vorderhand kein Thema. Aber ich glaube nicht, dass ich bis zu meiner Pension in Uri Redaktor bleiben möchte. Ich bin aber auch nicht derjenige, der sagt, wo er in fünf Jahren sein wird. Denn es kommt sowieso anders. Mit dieser Einstellung bin ich bisher nicht schlecht gefahren.

Woran arbeiten Sie derzeit?

An Videos für eine Bildungs-App. Es ist ein Projekt an einer Fachmittelschule, bei dem die Schüler lernen, Podcasts herzustellen. Ich plane auch mit dem Bad­mintonclub Altdorf ein Plauschturnier, und wir schreiben an einer zweiten Folge unseres ­Hörspiel-Krimis. Zudem möchte ich in meinem Keller private Konzerte organisieren. Aber das kann alles bis nach der Fasnacht warten.

An der Fasnacht sind Sie auch?

Ja. Seit neun Jahren in der Fasnachtsgruppe Diä Giftigä.

Lassen Sie mich raten: In einer Formation?

In Uri spielen alle an der Fasnacht den «Chatzämüüsigmarsch». Es ist immer derselbe Marsch, was Aussenstehende vielleicht stumpfsinnig finden. Aber man muss es erlebt haben, bevor man darüber urteilen kann, denn es ist etwas sehr Meditatives. Neben der Chatzämüüsig bin ich mit einer Musikformation unterwegs. Wir ziehen mit farbigen Anzügen von Beiz zu Beiz.

Interview: Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

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