Ignaz Walker stellt sich dem Obergericht

HAFTPRÜFUNG ⋅ Um zu beweisen, dass er nicht vorhat zu flüchten, ist Ignaz Walker gestern beim Obergericht vorstellig geworden. Allerdings erfolglos.
17. Mai 2017, 00:00

Im Anzug und mit einem silbernen Koffer schritt Ignaz Walker gestern zum Gerichtsgebäude beim Rathausplatz in Altdorf. Er habe von seinem Anwalt erfahren, dass die Staatsanwaltschaft ihn wieder in Haft nehmen möchte und das Obergericht nun darüber zu entscheiden habe.

Nun wolle er mit Obergerichtsvizepräsident und Verfahrensleiter Thomas Dillier sprechen. «Ich möchte ihm beweisen, dass ich mich nicht verstecke und auch nicht flüchten werde.» Wenn nötig, könne man ihn bei der Gelegenheit auch gleich verhaften – die nötigsten Habseligkeiten habe er im Koffer dabei. Doch dazu sollte es nicht kommen. Kurze Zeit nachdem er das Gerichtsgebäude betreten hatte, war Walker auch schon wieder draussen. Dillier sei nicht im Haus, habe man ihm gesagt.

«Der Verfahrensleiter kann mich einfach anrufen»

Nun habe er seine Telefonnummer beim Empfang hinterlegt, so Walker. «Sollte der Verfahrensleiter entscheiden, mich erneut in Sicherheitshaft zu nehmen, kann er mich einfach anrufen, dann werde ich unverzüglich antreten.» Ob er die Haft geradezu sucht? Walker verneint. «Ich sehe keinerlei Haftgründe, habe aber in dem Fall schon so viel Willkür erlebt, dass mich eine erneute Inhaftierung nicht überraschen würde.» Walkers Verteidiger Linus Jaeggi hatte auf Anfrage keine Kenntnis vom Besuch seines Mandanten in Altdorf und möchte sich dazu nicht äussern.

Ob und wie sich Walkers Besuch beim Obergericht auf das Haftprüfungsverfahren auswirkt, ist unklar. Oberstaatsanwalt Thomas Imholz hält auf Anfrage fest, dass das erwähnte Verfahren zurzeit beim Obergericht hängig und noch nicht rechtskräftig entschieden sei. «Die Staatsanwaltschaft Uri als Verfahrensbeteiligte kann und wird zum laufenden Verfahren keine Stellung nehmen und auch keine Fragen beantworten.» Die Medienhoheit liege demnach beim Obergericht. Das wiederum verweist erneut darauf, dass Haftprüfungsverfahren nicht öffentlich sind.

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch


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