Kantonsräte setzen sich für Französisch ein

KANTON ZUG ⋅ Eine Motion, welche die Abschaffung des Frühfranzösisch fordert, schlägt hohe Wellen. Und lässt nun weitere Parlamentarier aktiv werden. Diese verlangen von der Regierung Antworten.
11. August 2017, 00:00

Frühfranzösisch erhitzt in diversen Kantonen die Gemüter. Auch im Kanton Zug ist das Thema auf der politischen Agenda: Drei Zuger Kantonsräte wollen den Französischunterricht in der Primarschule streichen. In einer Motion fordern Andreas Hostettler (FDP), Jürg Messmer und Philip C. Brunner (beide SVP), dass Französisch erst in der Oberstufe unterrichtet wird. Englisch soll erste und einzige Fremdsprache für Primarschüler sein. Weiter fordern sie, Französisch in ein freiwilliges Freifach umzuwandeln. Die Kantonsräte begründen ihren Vorstoss damit, dass Primarschüler mit zwei Fremdsprachen oft überfordert seien und man den Fokus auch auf andere Bereiche wie etwa Naturwissenschaften legen könnte.

Die Motion schlägt hohe Wellen und lässt weitere Kantonsräte aktiv werden. So haben Peter Letter (FDP), Laura Dittli (CVP) und Beat Unternährer (FDP) als Reaktion beim Regierungsrat eine Interpellation eingereicht. Sie wollen grundsätzlich wissen, ob der Regierungsrat in Sachen Französischunterricht auf Primarstufe «Handlungs- oder Korrekturbedarf» sieht.

Wichtige Basis für weitere lateinische Sprachen

Die Interpellanten betonen die Wichtigkeit des Frühfranzösisch. «Die Sprachkompetenzen in der Muttersprache und in Fremdsprachen sind für unsere Jungen sehr wichtig für die berufliche und gesellschaftliche Entwicklung.» Französisch habe als schweizerische Landessprache, als eine der wichtigen internationalen Sprachen und als Basis für weitere lateinische Sprachen einen hohen Stellenwert, so die Interpellanten. Den Unterricht auf der Primarstufe einfach abzuschaffen, erachten die Kantonsräte als eine zu einfache Antwort auf die Herausforderung. Die Interpellanten verweisen in ihrem Vorstoss ausserdem auf die «Evaluation Fremdsprache», die der Kanton Zug in Zusammenarbeit mit anderen Zentralschweizer Kantonen durchgeführt hat. Dabei wurden die Fremdsprachenkenntnisse in der 6. und 8. Klasse getestet. Ein Fazit dieser Evaluation war, dass die Zuger Schüler in Französisch besser abgeschnitten haben als ihre Kollegen in anderen Zentralschweizer Kantonen. Insgesamt blieben die Leistungen in Französisch der 8. Klasse aus Lehrplansicht aber unbefriedigend. Dennoch zog der Regierungsrat das Fazit, dass der Kanton am Modell 3/5 – also Englisch ab der 3. und Französisch ab der 5. Primarklasse – festhält.

Der Regierungsrat kündigte in seinem Bericht von März 2016 an, die Lehrplanziele zu überprüfen und die Unterrichtsgestaltung zu optimieren. An diesem Punkt knüpfen die Interpellanten nun an. Sie wollen wissen, ob die Regierung Anpassungen an den Lehrplanzielen evaluiert und/oder vorgenommen habe und welche Massnahmen ergriffen wurden, um die Motivation der Schülerinnen und Schüler sowie jene der Lehrpersonen für den Französischunterricht zu erhöhen.

Gibt es ausreichend motivierte Lehrer?

Die Kantonsräte stellen der Regierung auch Fragen zu konkreten Massnahmen und deren Einsatz. «Werden Möglichkeiten wie Schulreisen und Klassenlager in die Westschweiz oder Schüler- und Lehreraustausch in den gemeind­lichen und kantonalen Schulen systematisch genutzt, und wie kann das Potenzial besser ausgeschöpft werden?»

Neben den Schülern nehmen die Interpellanten auch die Lehrer in den Fokus. Sie erkundigen sich, ob es ausreichend «motivierte und ausgebildete» Lehrpersonen für den Französischunterricht auf Primar- und Sekundarstufe gibt. Auch kommt die Frage auf, wie viele angehende Lehrpersonen in den letzten Jahren an der Pädagogischen Hochschule Zug das Fach Französisch und wie viele Englisch abgewählt hätten. «Sieht der Regierungsrat Handlungsbedarf wie etwa einen obligatorischen Französischunterricht für angehende Lehrpersonen?», fragen die Interpellanten.

Nicht nur im Kanton Zug ist das Thema Frühfranzösisch auf der politischen Agenda. In Luzern etwa gelangt am 24. September die Volksinitiative «Eine Fremdsprache auf der Primarstufe» zur Abstimmung.

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch


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