Keine Matura wegen geklauter Idee

MITTELSCHULE ⋅ Eine Schülerin hat sich vor einem Jahr bei ihrer Abschlussarbeit von einem kubanischen Künstler inspirieren lassen. Das Obergericht klassiert dies nun als Plagiat: Der Schülerin sei die Matura zu Recht aberkannt worden.
14. Juni 2017, 00:00

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

Für das Urner Obergericht ist klar: Eine Schülerin der Mittelschule Uri hat vor einem Jahr bei einer Abschlussarbeit ein Plagiat begangen. Der Mittelschulrat habe ihr zu Recht die Matura aberkannt. Eine entsprechende Verwaltungsgerichtsbeschwerde wurde nun abgewiesen.

Die Schülerin hatte im Schwerpunktfach Bildnerisches Gestalten als Abschlussarbeit ein Gemälde eingereicht, das jenem eines kubanischen Künstlers verblüffend ähnlich sieht. Im Begleitdokument zur Arbeit wird jedoch keinerlei Bezug auf das Original des Kubaners genommen.

Die Schülerin streitet nicht ab, dass sie das Originalbild einmal gesehen hatte. Sie habe sich davon inspirieren lassen, es jedoch später im Internet nicht mehr wiedergefunden. Die Quelle sei unabsichtlich nicht ange­geben worden.

Das nimmt ihr das Obergericht nicht ab. «Die Übereinstimmung der beiden Bilder ist frappant», heisst es im Urteil. Von einem blossen «Sich-inspirieren-Lassen» könne nicht die Rede sein. Die Idee, die Farbgestaltung und der Bildaufbau seien «augenfällig» ähnlich. Einige Teile des Originals seien direkt übernommen worden. «Ein Plagiat liegt vor, wenn in einer Arbeit fremde Gedanken, Formulierungen et cetera nicht als solche gekennzeichnet, sondern als eigene Leistung ausgegeben werden», erklärt das Gericht. Demnach liege mit der Übernahme einzelner Teile bereits ein Plagiat vor. Zudem habe die Schülerin keine zusätzlichen Ideen hineingebracht.

Das Obergericht glaubt auch, dass die Schülerin das Originalbild mit «vernünftigem Rechercheaufwand» wiedergefunden hätte. «Dass das Original im Internet nicht wiedergefunden wurde, erachtet das Gericht als wenig glaubhaft, zumal die Beschwerdeführerin als Gymnasiastin mit dem Internet bestens vertraut ist.»

Schülerin muss alle Prüfungen wiederholen

Belastend wirken für die Schülerin auch die Zwischengespräche, welche sie während der Erstellung der Arbeit mit der entsprechenden Fachlehrperson hielt. So war auf einer ersten Skizze ein weiteres Detail des Originals zu sehen. Angesprochen auf die Beweggründe für dieses Detail, habe die Schülerin «ausweichend reagiert». Das Originalbild sei auch bei diesem Gespräch nicht erwähnt worden.

Der Mittelschulrat erklärte die absolvierte Matura als nicht bestanden. Dabei hielt sich der Rat an die gesetzlichen Grund­lagen, wie aus dem Urteil hervorgeht. Auf Nachfrage beim Mittelschulrat wurde bestätigt, dass ein solcher Plagiatsfall eine Seltenheit darstelle.

Die Schülerin hält die Massnahme für unverhältnismässig. In der Beschwerde legt sie dar, dass sie mit einer ungenügenden Note im Schwerpunktfach Bildnerisches Gestalten hätte leben können. Ausserdem wäre sie bereit gewesen, eine neue gestalterische Arbeit zu erstellen. Allerdings hatte sie sich erhofft, dass ihre übrigen schriftlichen und mündlichen Prüfungen ordnungsgemäss bewertet worden wären.

Das Plagiat ist kein Bagatelldelikt

«Die ausgesprochene Sanktion ist zweifelsohne streng», hält das Obergericht Uri in seiner Begründung weiter fest. «Auf der anderen Seite ist das Einreichen eines Plagiates im Rahmen einer Abschlussprüfung ein schwerwiegender Verstoss und keine Bagatelle.» Das Erteilen einer ungenügenden Note wäre laut Obergericht eine kaum spürbare Sanktion gewesen. Aus Fairnessgründen gegenüber anderen Schülern, aber auch des Ansehens der Schule wegen sei die Sanktion gerechtfertigt. Schliesslich werde die Schülerin nicht endgültig vom Maturaabschluss ausgeschlossen, sondern könne diesen wiederholen. Auch wird ihr die Maturaarbeit als Zulassungsvoraussetzung für die Maturaprüfungen nicht aberkannt.

Neben der Sanktion hat die Schülerin nun auch für die Gerichtskosten von 2800 Franken aufzukommen.

«Die aus­gesprochene Sanktion ist zweifelsohne streng.»

Obergericht

des Kantons Uri


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