Klinik Zugersee kommt nicht zur Ruhe

ZUG ⋅ Der krankgeschriebene Direktor Reto Fausch verlässt die Psychiatrische Klinik per Ende Jahr. Damit nehmen die häufigen Führungswechsel kein Ende.
16. Juni 2017, 00:00

Es knallt bereits wieder in der Psychiatrischen Klinik Zugersee in Oberwil: Direktor Reto Fausch geht. Das strategische Gremium der Klinik, die Betriebskommission, und Reto Fausch seien übereingekommen, das Arbeitsverhältnis im «gegenseitigen Einverständnis aufzulösen», heisst es in einer Mitteilung der Klinik.

Dass es im Betrieb brodelt, ist bekannt. Reto Fausch geht seiner Arbeit schon seit Mitte März nicht mehr nach. Er wurde damals auf «unbestimmte Zeit» krankgeschrieben. «Wir haben ein Arztzeugnis, das seine Arbeitsunfähigkeit bestätigt. Über den Befund wissen wir nichts», sagt Hans Küng, Präsident der Betriebskommission.

Es war ein kurzes Gastspiel, das Fausch in Oberwil gab. Erst im November 2015 trat er seine Stelle an. Dies, nachdem die Klinik bereits eine turbulente Zeit hinter sich hatte. Diese begann mit dem Weggang des Direktors Paul Lalli. Er gab seine Stelle Anfang 2014 nach 13 Jahren ab. Sein Nachfolger blieb nur drei Monate im Amt. Im Frühjahr 2014 wurde Markus Müller als Interimsgeschäftsleiter eingesetzt. Eineinhalb Jahre später kam Fausch.

Die erhoffte Ruhe kehrte damit nicht ein. Im Gegenteil: Die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung aus dem Jahr 2016 waren teilweise tiefrot. In diversen Punkten hatte sich die Stimmung in der Klinik verschlechtert. Unter anderem kritisierten 58 Prozent der Befragten aus dem Bereich Pflege, dass die Geschäftsleitung zu wenig Kontakt mit den Mitarbeitern pflege. Ausserdem hatte die Klinik einige Abgänge zu verzeichnen.

Lohn gibt’s noch bis Ende Jahr

Reto Fausch ist noch bis Ende Juni krankgeschrieben. Aufgrund seiner Kündigungsfrist bleibt er laut Angaben von Hans Küng jedoch bis Ende Jahr auf der Lohnliste der Klinik. «Er wird aber nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren», so Küng. Geleitet wird der Betrieb, seit Reto Fausch krankgeschrieben ist, interimistisch erneut von Markus Müller.

Dass der amtierende Klinikdirektor Oberwil verlässt, vermag trotz der Vorgeschichte zu erstaunen. Zeigte sich doch Hans Küng im April noch zuversichtlich. «Wir gehen davon aus, dass Reto Fausch zurückkommt», sagte er damals. Auch wollte er keinen Zusammenhang zwischen den Ergebnissen der Befragung und Fauschs Abwesenheit einräumen. Hinzu kommt, dass die Klinik auf ein finanziell erfolgreiches Jahr zurückblickt. Sie hat 2016 einen Gewinn von rund 1,8 Millionen Franken erwirtschaftet. Dies bei einem Aufwand von 30,5 Millionen und einem Ertrag von 32,3 Millionen Franken. Der Gewinn hat sich gegenüber dem Vorjahr verdreifacht.

Was also ist seit April passiert? In der Mitteilung heisst es einzig, dass im Verlaufe der letzten Monate die unterschiedlichen Auffassungen über die Führungs- und Betriebskultur immer deutlicher fassbar geworden seien. Hans Küng wird konkreter: «Der finanzielle Erfolg ist nicht alles. Das Credo der Klinik lautet: Wir sind offen und herzlich.»

Es habe sich gezeigt, dass dies verschieden interpretiert werde. Mit anderen Worten: Fausch lebte den Leitsatz nicht so, wie sich das verschiedene Seiten vorgestellt haben. Küng: «Wir haben unsere Bedenken mehrfach thematisiert und gehofft, dass es Verbesserungen gibt. Das geschah leider nicht.»

Neuorganisation der Klinik per 2018

Gesundheitsdirektor Martin Pfister, der auch dem Konkordatsrat der Klinik Zugersee vorsteht, unterstützt den Entscheid, der getroffen wurde. «Während der letzten Wochen stand ich in Kontakt mit der Betriebskommission und dem interimistischen Klinikleiter. Im Fokus stand dabei für mich die Sicherstellung der psychiatrischen Versorgung.» Diese sei nie gefährdet gewesen.

Die Stelle des Klinikdirektors soll per Januar 2018 neu besetzt werden. Auf diesen Zeitpunkt greift auch die Neuorganisation der Klinik, die eine Konkordatsklinik der Kantone Uri, Schwyz und Zug ist. Per Januar zeichnet die Betriebsgesellschaft Triaplus AG für die stationäre und ambulante Versorgung der Klinik verantwortlich. Aktionäre sind die Kantone Uri, Schwyz und Zug, wobei Zug und Schwyz je 45 Prozent der Aktien besitzen. Der neue Direktor wird vom Verwaltungsrat bestimmt und eingesetzt. Pfister: «Der neue Verwaltungsrat wird die Wahl des CEO selbstverständlich mit grösster Sorgfalt vornehmen.»

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

«Wir haben unsere Bedenken mehrfach thematisiert.»

Hans Küng

Präsident der Klinik- Betriebskommission


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