Komplott-Theorie wird zum Bumerang

09. November 2017, 00:00

Fall Walker Er wolle endlich die Wahrheit im Fall Walker auf den Tisch bringen, sagte der verurteilte Auftragsschütze Sasa Sindelic im Juni 2015 im Interview mit der SRF-Sendung Rundschau. Der Anschlag auf Ignaz Walkers damalige Ehefrau Nataliya K.* im November 2010 sei von ihm, Nataliya K. und deren späterem Freund, Claudio V.*, inszeniert worden, um Walker hinter Gitter zu bringen.

Nun wird ihm das Vorhaben, «endlich die Wahrheit zu sagen», zum Verhängnis: Sindelic soll wegen der Aussagen zur Rechenschaft gezogen werden. So will es Alexandre Vonwil. Der Nidwaldner Oberstaatsanwalt war vom Urner Regierungsrat beauftragt worden, die Einstellungsverfügungen des Luzerner Staatsanwalts André Graf zu beurteilen. Dieser hatte Sindelics Aussagen in der «Rundschau» untersucht, gegen Nataliya K., Claudio V. und Sindelic je eine Strafuntersuchung eröffnet und danach eingestellt (wir berichteten).

Bundesgerichtsurteil lässt keine Einstellung zu

In seinen Entscheiden kommt Vonwil zu folgenden Schlüssen: Den Einstellungsverfügungen ge­gen Nataliya K. und Claudio V. kann gefolgt werden. Gegen Sindelic sei Anklage wegen falscher Anschuldigung sowie Irreführung der Rechtspflege zu erheben.

Das Bundesgericht habe in seinem Urteil vom April 2017 «in aller Deutlichkeit plausibel und nachvollziehbar» dargelegt, weshalb es «keine Anhaltspunkte» für die Komplott-Theorie gebe, so Vonwil. Daher seien Sindelics Aussagen, wonach Nataliya K. und Claudio V. den Anschlag inszeniert hätten, «als falsch und irreführend zu qualifizieren».

André Graf hatte das Verfahren gegen Sindelic unter anderem deshalb einstellen wollen, weil dieser die Mordkomplott-­Theorie lediglich gegenüber der «Rundschau», nicht aber einer Behörde geschildert habe, was für den Straftatbestand der falschen Anschuldigung Voraussetzung wäre. Dem widerspricht nun Vonwil. Falsche Anschuldigung liege bereits dann vor, wenn diese dergestalt geäussert wird, dass eine Behörde von ihr Kenntnis erlangt. Das sei im Blick auf den «Rundschau»-Beitrag offenkundig, schreibt Vonwil. (eca)


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