«Meine Vergehen sind Kavaliersdelikte»

TÖFFLIBUEB ⋅ Kari Kreidler ist das Aushängeschild der 10. Teffli-Rally vom 25. und 26. August in Ennetmoos. Der 31-Jährige ist eine Kultfigur – seine Videos auf Youtube erreichen mehr Klicks als bekannte Schweizer Musiker.
07. August 2017, 00:00

Interview: Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Kari Kreidler, Sie sind das Aushängeschild der Teffli-Rally und somit eine Töffli­legende …

… und ich bin mit allen per du. Mein bürgerlicher Name übrigens tut hier nichts zur Sache.

Also gut, Kari. Wie viele Kolbenklemmer brauchte es, bis du Kultstatuts erlangt hast?

Gar nicht so viele. Bei einem Klemmer am Allweg hier in Ennetmoos ist mir aber das Herz in die Hose gerutscht. Das Hinterrad blockierte, das Töffli stand nach wenigen Metern bockstill.

Hast du mit dem Gesicht gebremst?

Nein, es ging glimpflich aus.

Die Gesellenprüfung für Töfflibuebe ist eine Reise über die Tremola ins Tessin. Für einen wie dich ist das sicher die leichteste Übung?

Klar. Solche Fahrten habe ich noch vor dem Zmorge gemacht.

Die Nidwaldner Polizei hatte dich als Schul- und Töfflibueb sicher oft auf dem Radar – ganz im wörtlichen Sinn.

Wahrscheinlich schon das eine oder andere Mal. Aber ich kannte bereits früh sämtliche Schleichwege. Meine Vergehen sind Kavaliersdelikte.

Wie schnell ist Karis Töffli?

Das darf ich nicht sagen.

Also schnell genug. Frisierst du deine Töffli selber?

Ich hab’s versucht, bin in diesem Bereich jedoch ziemlich talentfrei. Aber ich kenne Leute mit bestimmten Fähigkeiten.

Dein Talent ist woanders zu finden. Du hast einige Musikvideos gedreht.

Karis Videos werden jeweils vor einer Teffli-Rally von der Agentur AVP-Media als Werbung für den Anlass produziert. Er schreibt die Texte und singt. Aber es geht nicht um Kari, sondern um die Rally. «Bumbastisch» ist zum Beispiel eine Lobeshymne an den «bumbastischsten» aller Teffli-Events.

«Bumbastisch» erreichte Ende Juli innerhalb 24 Stunden 15000 Klicks auf Youtube, inzwischen sind es etwa 30000. Das sind mehr, als Lo&Leduc für «Ingwer und Ewig» erreicht haben.

Kari Kreidler und die Töffli­geschichte treffen offenbar den Nerv der Zeit. Es freut mich sehr, dass es den Leuten gefällt.

Die Party wird inzwischen flott vermarktet. Die Werbemaschine läuft, der Rubel scheint so gut zu rollen wie die Töffli an der Rally.

An der Figur Kari Kreidler verdient niemand Geld. Wir machen dies aus Spass an der Sache. Was als Gewinn bleibt, spenden wir an eine gemeinnützige Organisation. Vor zwei Jahren unterstützten wir die Stiftung Weidli in Stans mit 5000 Franken. Heute will jeder aus allem Geld machen, und der Spass bleibt auf der Strecke. Wir sind der Gegenpol.

Dennoch werden Merchandising-Artikel mit Karis Konterfei angeboten. Neben T-Shirts gibt es sogar Kari-Kreidler-Kaffee. Das erinnert an Uncle Bens Reis. Läuft die Kari-Kaffee-Marke ähnlich gut?

Die Zahlen kenne ich nicht. Aber ich hoffe, dass ihn viele kaufen, dann gibt es mehr Geld für den guten Zweck. Diesmal geht der Erlös an die Stiftung Rütimattli in Sachseln.

Trinkst du deinen Kaffee auch selber?

Ich trinke gerne Kaffee «haub-haub» mit Träsch, Zwetschgen oder Chrüter. Wenn aus Versehen eine Kaffeebohne reinrutscht, ist es egal. Ich habe den Kari-Kaffee probiert und kann ihn nur weiterempfehlen.

Die Teffli-Rally ist inzwischen ein dreitägiger Event mit internationalen Bands. Zu Beginn im Jahr 2000 waren 40 Fahrer am Start und 1200 Zuschauer auf den Rängen. Die letzte Rally 2015 besuchten 21000 Leute. Läuft der Anlass nicht langsam aus dem Ruder?

Wir sind auch erstaunt, wie viele Leute anreisen. Wir machen aber laufend Verbesserungen und passen die Abläufe an. Heuer ist das Gelände ein wenig grösser als letztes Mal. Der Anlass soll aber nicht noch mehr Besucher anlocken. Wir wollen, dass man sich bequem auf dem Gelände bewegen kann. An der Teffli-Rally verdient niemand. Es sind rund 700 Helferinnen und Helfer ehrenamtlich engagiert. Wir sind alle mit Herzblut dabei – und freuen uns auf ein riesiges Helferfest.

War Kari Kreidler bei der ersten Rally schon am Start?

Nur als Helfer. Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass Kari mitfährt. Er ist der grösste Fan der Teffli-Rally, aber nur ein stiller Bewunderer der 160 Fahrer, die zwei Jahre an ihren Töffli schrauben und sich ins Zeug legen, um den Zuschauern ein Spektakel zu bieten.

Gemäss Programm macht Kari Kreidler ein Kids Race!

Ja. Er rennt mit Kindern den Kurs ab. Ein Riesengaudi für die Kids und Kari, auch ohne Töffli.

Wie und wann ist die Figur Kari Kreidler entstanden?

Die kam wie die Teffli-Rally an einer Tischrunde zu Stande. Man suchte Werbemöglichkeiten für die Rally und fand, eine Figur wäre cool. Über eine Reihe von Zufällen entstand Kari Kreidler. Das OK fragte mich als Töffli­freak an, ob ich diesen Part übernehmen wolle.

Was macht Kari Kreidler in der Zeit zwischen zwei Teffli-Rallys?

Dann ist er traurig und züchtet Meersäuli. Wer in dieser Zeit durch Ennetmoos fährt und Glück hat, sieht vielleicht, wie er den Bauern beim Bäumeaus­mähen und -ausrechen hilft. Aber er ist nicht an jeder Hundsver­lochete anzutreffen.

Kann man ihn engagieren?

Er wurde schon angefragt, um Anlässe wie Geburtstage zu moderieren. Aber das tut er nicht. Er stellt sich ausschliesslich in den Dienst der Teffli-Rally. Doch er fühlt sich immer geehrt, wenn Anfragen kommen.


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