Mit Beil auf Frau eingeschlagen

15. September 2017, 00:00

Schwyz Die Anklageschrift gegen die 57-jährige Innerschwyzerin, die gestern vor Strafgericht stand, liest sich wie ein Krimi: Die Beschuldigte begab sich eines Morgens mit der Freundin ihres Sohnes in ihren Kosmetiksalon. Während der Gesichtsreinigung ergriff sie ein Beil und schlug damit mehrmals auf den Kopf des Opfers ein. Dabei fügte sie der jungen Frau teilweise klaffende Schnittwunden an Stirn, Kinn, Hals, Schulter und Oberarm zu. Das Opfer war zu diesem Zeitpunkt im fünften Monat schwanger. Die Verletzungen waren nicht lebensbedrohlich. Nach der Tat verbrachte die Angeklagte rund eine Stunde damit, ihren Salon zu reinigen, bevor sie das Opfer ins Spital brachte. Gestern vor Gericht sagte die Angeklagte, sie könne sich nicht erklären, wie es zur Tat kommen konnte.

Die Anklage lautet auf versuchten Mord, eventuell versuchte vorsätzliche Tötung oder subeventuell versuchten Totschlag. Das Gericht soll das gesamte Spektrum prüfen, so die Staatsanwaltschaft. Sie forderte im Falle eines versuchten Mordes eine Freiheitsstrafe von acht Jahren: Es sei Zufall, dass die Attacke nicht tödlich endete, da die Frau sich nicht unter Kontrolle hatte. Dies stützte die Staatsanwaltschaft auf dasselbe psychologische Gutachten, das die Verteidigung veranlasste, auf versuchten Totschlag und eine Freiheitsstrafe von vier Monaten mit zwei Jahren Probezeit zu plädieren.

Das Gutachten attestiert der 57-Jährigen hochgradige Schuldunfähigkeit. Neben einem Selbstwertproblem und dem Unvermögen, Aufgaben zu delegieren, diagnostizierten die Gutachter eine «chronische Abspaltung negativer Gefühle». Die Frau könne Wut nicht empfinden, wodurch sich negative Emotionen über die Jahre angestaut haben – «wie in einem Dampfkochtopf mit defektem Ventil». Im Moment der Tat spielte zudem die passiv-depressive Steuerungsschwäche eine Rolle. Dadurch könne ein Mensch einen Handlungsimpuls nicht mehr unterdrücken.

Das Urteil wird den Parteien schriftlich zugestellt. (nad)


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