«MS Gotthard» verliert Erni-Figur

BECKENRIED ⋅ Wegen des Sturms am Sonntag kollidierte das «MS Gotthard» mit dem Anlegesteg. Dabei löste sich eine Hälfte der Bugverzierung und fiel in den See.
14. November 2017, 00:00

Stürmischer Sonntag in der Zentralschweiz: Eine Kaltfront zog über die Region hinweg und hinterliess an mehreren Orten Schäden. Eines der Opfer war das Motorschiff (MS) Gotthard: Gegen 16.30 Uhr kollidierte es mit einem Steg in Beckenried, wie Martin Wicki, Leiter der Schifffahrt bei der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV), sagt.

Das von Luzern kommende Schiff des Kurses 25 wollte anlegen, fuhr aufgrund des heftigen Windes aber mit zu viel Tempo an den Steg heran. «Das Schiff selbst ist bei der Streifkollision nicht beschädigt worden und ist nach wie vor plangemäss im Einsatz», so Wicki. Auch seien keine Fahrgäste verletzt worden.

Galionsfigur stammt von einem berühmten Schöpfer

Bei der beschädigten Galionsfigur handelt es sich um die Bronze-Skulptur «Föhn» des Luzerner Künstlers Hans Erni. «Die MS Gotthard ist das einzige Motorschiff, das über eine solche Bugzierde verfügt», sagt Wicki. Üblicherweise seien solche Figuren nur bei Dampfschiffen zu finden.

Erni schuf die 350 Kilogramm schwere und 150 Zentimeter hohe Skulptur 1970 im Auftrag der SGV. Sie stellt den Wassergott Poseidon dar. Insgesamt existieren davon vier Ausführungen. 2015 wurde ein Exemplar für 58000Franken versteigert. Wie und wann die abgebrochene Hälfte geborgen wird, werde derzeit abgeklärt. «Wir werden sie schnellstmöglich heraufholen und wieder ans Schiff montieren», so Wicki.

Doch in Nidwalden blieb es nicht nur bei einem Sturmschaden. Ebenfalls um 16.30 Uhr fiel in Stansstad ein Baum auf die Feldstrasse. Er wurde von der Feuerwehr Stansstad abtransportiert, wie die Kantonspolizei ­Nidwalden auf Anfrage mitteilt. Auch die Feuerwehren Buochs-Ennetbürgen und Wolfenschiessen standen im Einsatz. In ­Buochs hatten sich Ziegel auf dem Dach der Katholischen Kirche gelöst, in Wolfenschiessen solche auf einem Stalldach.

Weiter wurde auf dem Brünigpass ein Reisecar vom massiven Schneefall überrascht. Deshalb blieb er stecken und konnte nicht mehr weiterfahren, wie die Kantonspolizei Obwalden auf Anfrage mitteilt. Die Brünigstrasse war ab 18.30 Uhr rund 40 Minuten lang gesperrt. Die Situation entspannte sich erst, als ein Pikett-Garagist aus Giswil zur Hilfe eilte und dem Car Schneeketten anlegen konnte.

Auf der Brünigstrasse zwischen Kägiswil und Sarnen stand derweil um 19.30 Uhr so viel Wasser auf der Fahrbahn, dass die Polizei Gefahr signalisierte. Und auch in Obwalden gab es Sturmschäden: An der Fassade der Nahrin AG an der Industriestrasse lösten sich grossflächig Isolationen und Blechverkleidungen, welche die vorbeiführende Bahnlinie gefährdeten. Die Feuerwehr Sarnen sammelte bis 20.30 Uhr lose Teile ein. Währenddessen musste die Zentralbahn auf dem Streckenabschnitt in reduziertem Tempo fahren.

Zuger Feuerwehr muss Surfer retten

Nicht nur in Ob- und Nidwalden sorgte der Sturm vom Sonntag für Ungemach – auch der Kanton Zug war vor den Böen nicht gefeit. So musste die Freiwillige Feuerwehr Zug (FFZ) ausrücken, um einem erschöpften Surfer auf dem Zugersee zur Seite zu stehen. Die Seerettung der FFZ konnte ihn an Land bringen. Ein zweiter Windsurfer, der sich während des Sturms ebenfalls auf dem See befunden hatte, konnte selbstständig zum Seeufer am «Brüggli» zurücksurfen. (lur/red)


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