Nun wird wieder legal geputzt

SCHWARZARBEIT ⋅ In Küssnacht erwischte die Polizei 52 Arbeiter ohne Bewilligung. Nun nimmt die betroffene Firma Stellung.
20. Juni 2017, 00:00

Am Sonntag wurde bekannt, dass die Schwyzer Polizei auf dem Gelände einer Firma in Küssnacht 52 Schwarzarbeiter erwischt hat (Ausgabe von gestern). Die Angestellten einer grossen deutschen Reinigungsfirma waren damit beschäftigt, im Nachgang zu einem Schwelbrand die durch den Rauch aufgetretenen Verunreinigungen zu entfernen.

Auf Anfrage unserer Zeitung nimmt die Firma Gerresheimer, auf deren Firmengelände es vergangene Woche gebrannt hat, Stellung zum Vorfall. «Die Reinigungsfirma Polygonvatro wurde von unserer globalen Sachschadenversicherung empfohlen», so Jens Kürten, Sprecher der in Düsseldorf angesiedelten Gerresheimer Gruppe, die in Küssnacht medizinische Laborartikel herstellt. «Uns wurde im Vorfeld zugesichert, dass die notwendigen Bewilligungen vorliegen», betont er. Das war aber bekanntlich nicht der Fall – die Arbeiter ohne Bewilligung kamen aus verschiedenen Ländern, sind inzwischen aber nicht mehr in der Schweiz. «Der Vorfall kam für uns überraschend und ist völlig inakzeptabel.» Inzwischen habe die Reinigungs­firma frisches Personal geschickt, um den Auftrag zu Ende zu führen. Kürten betont, dass man dieses Mal alle Arbeitsbewilligungen habe überprüfen lassen. «Nun laufen die Arbeiten nach Plan.» Man wolle die Produktion in absehbarer Zeit wieder aufnehmen.

Verband nimmt Auftraggeber in die Pflicht

Derweil nimmt der Verband Schweizer Reinigungsunternehmen, Allpura, die Auftraggeber in die Pflicht. Diese sollen bei der Auftragsvergabe die 900 dem Gesamtarbeitsvertrag unter­stellten Reinigungsbetriebe der Schweiz zuerst berücksichtigen. Die Beschäftigung von Schwarzarbeitern sei kein Kavaliersdelikt, heisst es in der am Montag versandten Mitteilung. Im Verband bemühe man sich um eine Professionalisierung, «auf der anderen Seite erwarten wir dann natürlich auch, dass sich die Auftraggeber an die Spielregeln halten», lässt sich Geschäftsführerin Karin Funk zitieren.

Jens Kürten sagt dazu: «In unserem Werk in Küssnacht hatten wir noch nie einen vergleichbaren Fall, deshalb hat sich das Management an die Empfehlung der Versicherung gehalten», entgegnet er. «Für diese Arbeiten braucht es einen spezialisierten Dienstleister, dass zeigt ja schon die Tatsache, dass über 50 Arbeiter am Werk sind.»

Gegen die Reinigungsfirma Polygonvatro hat die Schwyzer Staatsanwaltschaft ein Verfahren eröffnet. Die Firma konnte für eine Stellungnahme gestern nicht erreicht werden. Polygonvatro, die sich auf der Webseite als Spezialistin für Brandschaden, Wasserschaden und Leckageortung anpreist, unterhält in Deutschland ein Netz von rund 50 Niederlassungen.

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch


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