Rinderseuche: SVP fordert personelle Konsequenzen

URI ⋅ Das Laboratorium der Urkantone habe viel zu spät auf die Virus-Infektionen auf Urner Alpen reagiert, moniert ein Landrat und spricht von chaotischen Zuständen. Der Kantonstierarzt gibt derweil Entwarnung.
05. Oktober 2017, 00:00

Auf den Urner Alpen Fiseten und Alplen sind mindestens zwei Kühe mit dem BVD-Virus infiziert worden. Das hat eine Untersuchung ergeben, nachdem die beiden Muttertiere Anfang ­August Fehlgeburten erlitten hatten (Ausgabe von gestern). Betroffen vom BVD-Virus sind hauptsächlich Rinder. Infizierte Tiere wachsen schlecht, leiden an Fruchtbarkeitsstörungen, und es kommt zu Fehlgeburten.

Ein Speziallabor bestätigte am 23. August den BVD-Befund. Auf beiden Alpen wurde darauf je eine Blutprobe bei einer frei ausgewählten Rindergruppe angeordnet. Dabei wurde der Verdacht bestätigt. Am 15.September entschied das Veterinäramt des Laboratoriums der Urkantone in Brunnen, sämtliche auf Alp­len und Fiseten gesömmerten Rinder zu untersuchen. Am 25. September erhielt die Grosstierpraxis Uri den Auftrag dazu.

Ausbreitung wäre vermindert worden

«Das Laboratorium der Urkantone hat mit der Bekämpfung viel zu lange zugewartet – bis das Ganze ausser Kontrolle geraten ist», kritisierte gestern der Urner Landrat Alois Arnold-Fassbind (SVP) im Parlament. Er hat deshalb eine Motion eingereicht. «Wenn das Laboratorium die Tierhalter sofort informiert hätte, wäre eine Ausbreitung des BVD-Virus vermindert worden.» Arnold liess seinem Unmut freien Lauf. Er kritisierte, die betroffenen Tierhalter hätten noch während der Alpzeit schriftlich darüber informiert werden müssen, dass das Virus vorhanden ist und alle Tiere bei der Rückkehr von der Alp auf das Virus getestet werden müssten. «Die Tiere waren aber schon fast drei Wochen von den Alpen zu Hause, bis man in Brunnen reagierte», so die Kritik des Bürgler Landwirts.

Auf den zwei Alpen wurden insgesamt 591 Tiere von 65 Haltern aus den Urkantonen gesömmert. Die restlichen rund 250 Rinder stammen gemäss Arnold aus Glarus und Luzern. Für Arnold hat die späte Kommunikation massive Folgen: In den letzten drei Wochen seien viele betroffene Tiere in der ganzen Schweiz verschoben und verkauft worden. «Die Anzahl der betroffenen Betriebe und Tiere hat sich somit ver-x-facht.» Arnold fordert beim Laboratorium der Urkantone personelle Konsequenzen und verlangt, dass solche Fälle in Zukunft jedem Tierhalter und dem Amt für Landwirtschaft schriftlich mitgeteilt werden müssen.

Ziel ist die Ausrottung des Virus

Kantonstierarzt Andreas Ewy vom Laboratorium der Urkantone verteidigt das Vorgehen. «Der Veterinärdienst muss sicher sein, dass ein infektiöses BVD-Geschehen stattgefunden hat. Erst dann werden die betroffenen Rinderhalter informiert.» Bei Alplen und Fiseten handle es sich um grosse Alpen mit vielen Rindern. Es wäre nicht möglich gewesen, die Blutproben dort durchzuführen, so Ewy weiter: «Wir haben dann entschieden, dass wir noch die zwei Wochen zuwarten, bis die Rinder wieder zusammengetrieben sind.»

Inzwischen wurden die Blutproben von 400 Rindern ausgewertet. «Die bisher getesteten Tiere sind nicht infektiös.» Laut Ewy wird in der Schweiz seit acht Jahren versucht, das Virus auszurotten. Man sei dabei auf gutem Wege. Geschätzt seien nur noch sehr wenige Einzeltiere infiziert. Doch der Kantonstierarzt ist sich bewusst: «Die letzten Schritte sind die schwierigsten.»

Bruno Arnold und Priska Lagler

zentralschweiz@luzernerzeitung.ch


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