Sein Arbeitsweg führt über Pässe

SEITENPRODUZENT ⋅ Alex Amberg (67) ist seit 41 Jahren in der Zeitungsbranche tätig. Früher arbeitete er noch mit Blei, heute am Computer. Zu seiner Leidenschaft, dem Rennradfahren, ist er spät gekommen. Auch dank seinem Job.
18. September 2017, 00:00

Interview: Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

Alex Amberg, als Seitenproduzent geben Sie den Zeitungsseiten den letzten Schliff, bevor sie in die Druckerei gehen. Wie sind Sie, damals als Schriftsetzer, zur Zeitung gekommen?

Dass mir das Metier gefällt, weiss ich, seit ich in den 70er-Jahren in der Inserateabteilung des «Tages-Anzeigers» gearbeitet habe. Es war damals eine goldene Zeit für Zeitungen.

Wieso goldene Zeiten?

Wegen der vollen Inserateseiten. Wir mussten damals gar Stelleninserate auf spätere Ausgaben verschieben, weil es nicht genügend Platz gab. Ich erinnere mich an die Zeit, als der «Tages-Anzeiger» einen Stellenmarkt mit 96 Seiten hatte.

Wie kamen Sie zur «Luzerner Zeitung»?

Nach einem kurzen Abstecher in das Bankenwesen habe ich von 1976 an bei drei verschiedenen Zeitungen gearbeitet. Zunächst beim «Luzerner Tagblatt», dann nach der Fusion mit dem «Vaterland» bei der «Luzerner Zeitung». Schliesslich gab es die grosse Fusion mit den «Luzerner Neuesten Nachrichten» zur «Neuen Luzerner Zeitung», die heute wieder «Luzerner Zeitung» heisst. Ich bin nun seit 41 Jahren im Zeitungsmetier.

Heute erledigen Sie Ihren Job mit einem Layout-Programm am Computer. Wie war das zu Beginn Ihres Berufslebens?

Da liegen Welten dazwischen. Beim «Tagblatt» haben wir zunächst mit Blei gearbeitet. Aus dem Manuskript des Redaktors haute der Maschinensetzer Zeile für Zeile in eine Maschine, die Setzmaschine. In einem Setzschiff, einer Art Metallkasten, wurden die Zeilen dann zum Artikel zusammengefügt, damit sie später auf dem Schiff platziert werden konnten.

Und was war Ihre Arbeit dabei?

Ein Zeitungslayout wie heute gab es nicht, dafür waren die Metteure zuständig. Das war mein Job. Der Redaktor gab uns ein Blatt Papier, auf dem die Namen der Artikel notiert waren, die auf eine Seite sollten. So gestalteten wir, anhand der Informationen des Redaktors, selbst die Zeitungsseiten. So eine Zeitungsseite, voller Blei, wog am Ende einige Kilogramm. Es war ein anspruchsvoller Job. Körperlich, aber auch weil er kaum Fehler verzieh.

In Ihrer Laufbahn haben Sie auch viele Journalisten erlebt. Eine Anekdote dazu, bitte!

Unter den Redaktoren, da hatte es einige Figuren. Es wurde etwa gemunkelt, dass unser damaliger Sportredaktor beim «Tagblatt», Miklos Sczvircev, mit einem jungen Fussballtrainer jeweils bei einem Jass die Aufstellung für den Matchtag besprochen habe. Der Trainer war ein gewisser Ottmar Hitzfeld, der damals den SC Zug coachte. Viele Geschichten hatten ihren Ursprung am Stammtisch – den gibt es ja heute auch immer weniger. Damals gab es eine starke Konkurrenz, wer die Geschichte als Erster bringt.

Irgendwann eroberte der PC die Büros und machte auf einen Schlag den Beruf des Maschinensetzers überflüssig. Wie haben Sie sich darauf eingestellt?

Ich fand es immer wichtig, mich diesen Veränderungen nicht zu verschliessen. Jüngeren Kollegen gelang die Umstellung auf die Software- und computergestützte Seitenproduktion vielleicht etwas schneller. Aber für mich war klar: Du machst weiter, auch wenn es vielleicht die eine oder andere zusätzliche Stunde im Übungsraum brauchte.

Sie haben das Pensionsalter schon erreicht, arbeiten aber immer noch. Wieso eigentlich?

Das hat mir unser ehemaliger Chefredakteur ermöglicht. Ich arbeite gerne, eigentlich ist es heute sogar mein Hobby. Wie lange ich das noch machen werde, weiss ich nicht.

Apropos Hobbys: In der Redaktion eilt Ihnen folgende Kurzgeschichte voraus: Der Alex, der macht vor der Arbeit schon seine 90 Kilometer auf dem Velo. Was ist da dran?

Mit dem Velofahren habe ich begonnen, als ich nach Luzern zum «Tagblatt» gewechselt bin. Ich habe gemerkt, dass ich zu Beginn der Abendschichten jeweils schon etwas müde war. Damals begannen mich Fahrradrennen, wie die Tour de France oder das Zürcher Sechstagerennen, zu faszinieren. Ein Kollege nahm mich dann mal mit dem Rennrad mit. Man sei fitter, wenn man tagsüber schon etwas gemacht habe, meinte er.

Und das war dann auch so?

Zu Beginn natürlich nicht. Ich hatte, bis ich 47 Jahre alt war, kaum Sport gemacht. Bei meinen ersten Ausfahrten musste ich bereits in Beromünster jeweils eine halbe Stunde Pause machen, damit ich überhaupt wieder zurückfahren konnte.

Aber dann haben Sie sich dennoch an die grossen Berge gewagt. Welches war der erste Pass mit dem Rennvelo?

Das war der Klausen von Luzern aus. Ich übertreibe nicht: Da brauchte ich zwanzig kürzere und längere Pausen, bis ich die Passhöhe erreichte. Das war dann der entscheidende Moment: Entweder macht man weiter oder man hört auf.

Offensichtlich haben Sie sich fürs Weitermachen entschieden!

Mit der Zeit lernt man, seine Kräfte einzuteilen. Inzwischen sind es über 100 Pässe geworden. Ich fahre gerne in Südtirol, es gibt etwa in den Dolomiten eine sehr gute Infrastruktur für Velofahrer. Aber auch den Klausenpass mit seiner atemberaubenden Landschaft bin ich dieses Jahr sicher schon einige Male gefahren. Von Altdorf zur Passhöhe, dann runter nach Linthal und wieder zurück. Das ergibt dann etwa so 90 Kilometer.

Vor der Arbeit?

Eine Tour vor der Arbeit, ohne sich total zu verausgaben, ist gut für Seele und Gemüt. Die grossen Touren spare ich mir dann für die Ferien auf. So war ich auch schon mehrfach als «Mitfahrer» an der Tour de France. Am Renntag sind die Strecken jeweils für den Verkehr gesperrt, so konnte ich die Bergetappen – etwa den Mont Ventoux oder die 21 Kehren zur Alpe d’Huez – fahren.

www. Die weiteren Beiträge dieser Serie finden Sie unter: luzernerzeitung.ch/autoren

Leserkommentare

Anzeige: