Sein Weg führte vom Radio Pilatus via Bangkok nach Sarnen

PHILIPP UNTERSCHÜTZ ⋅ Seit drei Jahren ist er für die «Nidwaldner Zeitung» und die «Obwaldner Zeitung» tätig und leitet neu das Büro Sarnen. Zuvor lebte der 56-Jährige einige Jahre in Thailand. Seit seiner Rückkehr hält er sich für einen Glückspilz.
13. November 2017, 00:00

Philipp Unterschütz, Sie sind 2010 nach Bangkok ausgewandert. Was war Ihr Ziel?

Es gab verschiedene Gründe. Weil ich oft dort war, schenkte ich mir zum 50.Geburtstag einen einjährigen Sprachaufenthalt in Bangkok. Weiter mag ich die Kultur, das Essen und vor allem das Wetter. Ich bin kein Wintertyp.

Die Hitze war scheinbar auch nicht das Richtige!

Ich habe auf die Dauer tatsächlich die kühleren Jahreszeiten vermisst, das Wetter war aber nicht der Grund. Für die Zeit nach der Sprachschule hatte ich keine konkreten Pläne. Ich dachte aber schon daran, länger zu bleiben. Darum gab ich meine Wohnung in der Schweiz auf und meldete mich ab. Meine Musiksammlung und viele Möbel lagerte ich ein. Ich brach nicht alle Brücken ab. Doch weil ich in Bangkok meine Frau kennen lernte, zog es mich nicht sofort wieder in die Heimat.

Wie haben Sie Ihren Lebensunterhalt verdient?

Arbeiten durfte ich nicht, da ich ein Studentenvisum besass. Aber weil ich in der Schweiz selbstständig gewesen war, konnte ich weiterhin für verschiedene Kunden Texte verfassen. Unter anderem für das Lucerne Blues Festival, bei dem ich im OK tätig bin. Das ist aber ehrenamtlich.

Waren das nicht geradezu ideale Voraussetzungen?

Mit der Zeit hatte ich weniger zu tun. Wenn man nicht anwesend ist, gerät man in Vergessenheit. Und weil die politische Situation in Thailand angespannt war und es zum Putsch kam, fasste ich den Entschluss, für einen Monat nach Luzern zu kommen, um eine Wohnung und Arbeit zu suchen.

Mit Erfolg, wie wir wissen.

Ich würde sagen, dass ich ein grosser Glückspilz bin. Es wartet heute niemand auf einen über 50-Jährigen, der Arbeit sucht.

Bei der «Nidwaldner Zeitung» offenbar schon. Wie bekamen Sie den Job?

Der war zur der Zeit, als ich auf Arbeitssuche war, ausgeschrieben. Ich hatte riesige Freude, als ich das Inserat sah. Ich bewarb mich und wurde von Redaktionsleiter Markus von Rotz, mit dem ich früher bei Radio Pilatus gearbeitet hatte, zum Gespräch eingeladen. Ich erhielt die Zusage. Bei der Wohnungssuche erging es mir ebenso. Ich fand dank Mithilfe von Freunden in Luzern eine tolle Wohnung. Nun lebe ich mit meiner Frau in der Stadt.

Als Stadtluzerner sind Sie Redaktor für Obwalden und Nidwalden und neu Leiter des Büros Sarnen. Wie das?

Mit dem Abgang des ehemaligen Leiters Adrian Venetz wurde die Stelle frei. Ich wurde angefragt. Die meisten Kollegen in der Redaktion in Stans sind in Nidwalden verankert. Für mich als Luzerner ist die Aufgabe in Sarnen perfekt. Ich sehe auch Vorteile darin, dass ich von aussen komme. Wichtig ist, Vertrauen zu schaffen und ein Netzwerk zu haben. Ich habe bereits viel über Obwaldner Themen geschrieben und habe Bekannte in Ob- und Nidwalden. Ich muss aber nicht mit jedem befreundet sein, um einen guten Job zu machen. Zu unserer Obwaldner Redaktion gehört neu auch Franziska Herger.

Sie waren früher als Kommunikationsberater selbstständig. War ein eigenes Geschäft auch eine Option?

Das wäre es geworden, wenn ich keine Arbeit gefunden hätte. Aber ich liebe den Job in der Redaktion. Ich kann Texte schreiben, recherchieren – und muss mich nicht mit Verwaltungsaufgaben wie Rechnungen und Mehrwertsteuern herumschlagen. Als Regionaljournalist hat man mit interessanten Leuten zu tun, jeden Tag ist man mit anderen Themen konfrontiert.

Im Gegensatz zu Bangkok ist es in der Zentralschweiz ziemlich ruhig. Wie gut haben Sie sich wieder umgestellt?

Vier Jahre sind ja keine Ewigkeit. Zu Beginn musste ich mich dennoch umorientieren. Etwa wenn ich in einem Restaurant sass und es hiess, die Küche sei geschlossen. Das war ich nicht gewohnt. Ich bin öfters sonntags vor verschlossenen Geschäften gestanden, weil ich vergass, dass nicht sieben Tage geöffnet ist. Aber verstehen Sie mich nicht falsch. Heute nehme ich viele Dinge in der Schweiz positiver wahr.

Zum Beispiel?

Wir haben einen Staat mit funktionierenden Institutionen und Rechtssicherheit. Und mit übersichtlichem Verkehr. Wenn Leute hier über das Verkehrsaufkommen lamentieren, denke ich an Bangkok und muss schmunzeln.

Was bedeutet Musik für Sie?

Sehr viel. Ich war Musikredaktor bei Radio Pilatus. Zusammen mit Rolf «Tschuppi» Tschuppert. Ich arbeitete auch bei Radio Schwyz, dem späteren Radio Central.

Würden Sie sich heute auch noch im Radiostudio sehen?

Diese Zeiten sind vorüber. Ich denke, dass heute jüngere Leute das Musikradio machen sollten.

Knüpften Sie beim Radio Kontakte zu den Luzerner Blues-Festivals?

Das Blues Festival wie auch das Blue Balls starteten Mitte der 90er-Jahre. Ich machte damals Beiträge zu den Festivals. So lernte ich die Macher des Lucerne BluesFestival kennen.Späterfrag­te mich Festivalpräsident Guido Schmidt, ob ich die Medienarbeit übernehmen möchte. Mittlerweile bin ich 15 Jahre im OK.

Dann sind Sie wohl gerade ziemlich engagiert.Das Blues Festival läuft ja diese Woche!

Ich schreibe die Texte für Medienmitteilungen, Programmhefte oder CD-Booklets. Ein grosser Teil meiner Arbeit ist gemacht, wenn die Künstler auf der Bühne stehen. Ich nehme aber bei der Zeitung trotzdem immer eine Woche Ferien, damit ich die Konzerte geniessen kann – da wird es oft spät.

Interview: Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

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