«So etwas macht man nur einmal im Leben»

BÜRGENSTOCK ⋅ Die beiden neuen Wagen der Bürgenstockbahn sind gestern Morgen auf dem Seeweg nach Kehrsiten transportiert worden. Die Überführung auf das Gleis stellte sich als echte Knacknuss heraus.
13. Juni 2017, 00:00

Text: Roger Rüegger

Bilder: Nadia Schärli

Ein Transport auf dem Vierwaldstättersee ist gestern Morgen von Schaulustigen an Land und zu Wasser verfolgt worden: Die beiden roten Wagen der Bürgenstockbahn wurden um 8 Uhr von der Werft der Shiptec in Luzern, wo sie gebaut wurden, in Richtung Kehrsiten verschifft. Ein Ereignis für die Zaungäste, die den Transport mit Booten begleiteten, wie auch für alle am Bau beteiligten Personen und Firmen. «Noch nie wurden Bahnwagen bei der Shiptec gebaut. Das allein war schon ein Highlight. Hinzu kommt die spezielle Überfahrt mit Pontons und dem Schubschiff als Antrieb», sagte Lukas Durrer, Projektleiter der Shiptec, während der Fahrt auf einem Begleitboot.

Durrer schwärmte zu Recht. Vor herrlicher Kulisse unter leicht verhangenem Himmel führte der Kapitän des Schubschiffs der Firma Kibag die Fracht ruhig über den See. Beim Ablegen und während der ganzen Reise wurde er von einem Kollegen mit einem Manövrierboot unterstützt. Nach knapp zwei Stunden erfolgte die Ankunft in Kehrsiten. Nur Minuten zuvor war ein 90-Tonnen-Pneukran, mit dem die Wagen später auf die Schienen gehievt werden sollten, auf Pontons herbeigeschifft worden.

Probleme werden mit der Kettensäge gelöst

Bei der Station machten sich Techniker der Firmen Garaventa, Kibag sowie weiterer Unternehmen auf die Ankunft der Transporte bereit. Um 10.07 Uhr hob der gelbe Kran den ersten Wagen auf das Gleis. Die Schienen der Bürgenstockbahn wurden dafür provisorisch zum See hin verlängert. Der erste Hub erfolgte ohne Zwischenfall. Beim Versuch, den Wagen in die Talstation zu fahren, bemerkte man, dass der Wagen an der Fassade anecken würde. Also trennte ein Experte mit einer Kettensäge ein Stück der Holzfassade der Talstation heraus und löste so das Problem. Am Gleis waren ebenfalls Handgriffe nötig, damit die Wagen in Position gebracht werden konnten.

Der zweite der 10,1 Tonnen schweren Wagen wurde um 11.27 Uhr auf die Schiene gestellt. Nach diesem Arbeitsschritt war Stefan Hochstrasser, Projektleiter der Bürgenstockbahn, sichtlich erleichtert. «Ein schöner Moment», sagte er beim Händedruck mit Lukas Durrer und ergänzte: «Damit haben wir die symbolische Vereinigung der Bahn mit dem Bürgenstock-Resort vollzogen.»

Seit vier Jahren ist Hochstrasser in das Projekt involviert. Die Geschichte sei logistisch eine Riesenherausforderung für die beteiligten Baufirmen gewesen, da alle Neuland betreten hätten. «So etwas macht man nur einmal im Leben», sagte er. Auch Robert Herr, General Manager des Bürgenstock-Resorts, liess sich das Spektakel nicht entgehen. «Die Bahn ist das Herzstück des Resorts. Damit sind wir der Eröffnung im August ein Stück nähergerückt.»

www. Ein Video und mehr Bilder finden Sie auf: luzernerzeitung.ch.

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