So viel Geld erhält Postauto aus der Zentralschweiz

ÖV ⋅ Rund 14 Millionen Franken zahlten die Zentralschweizer Kantone 2017 an Postauto. Wie viel Geld sie wegen des Buchhaltungsskandals zurückerstattet bekommen, ist offen. Mit einem grösseren Betrag rechnet Schwyz.
08. Februar 2018, 00:00

Ausgerechnet ein Bundesbetrieb hat mit buchhalterischen Tricks zu viele Steuergelder einkassiert. Mindestens 78 Millionen Franken soll die Postauto Schweiz AG zwischen 2007 und 2015 von Bund und Kantonen zu viel erhalten haben (Ausgabe von gestern). Ob auch ab 2016 weiter getrickst wurde, ist offen. Das Bundesamt für Verkehr (BAV), welches den Fall am Dienstag publik gemacht hatte, geht davon aus, dass die Trickserei andauerte. Postauto Schweiz bestreitet dies.

Die Kantone wurden am Dienstag vom BAV und von Postauto über die zu viel bezahlten Abgeltungen informiert – praktisch zeitgleich wie die Öffentlichkeit. «Wir wurden davon überrascht», sagt Christian Raab, Leiter des Amts für Wirtschaft und öffentlichen Verkehr im Kanton Uri. Gleiches sagen die ÖV-Verantwortlichen der anderen Zentralschweizer Kantone. Nicht ganz überrascht war allerdings Josef Durrer, Fachverantwortlicher für den öffentlichen Verkehr in Obwalden: «Das Bundesamt für Verkehr hatte angekündigt, die Zahlen von Postauto Schweiz genauer zu überprüfen. Daher war zu erwarten, dass nicht alles in Ordnung ist.»

Ein wichtiger Player in der Zentralschweiz

Postauto Schweiz will die zu viel bezahlten 78 Millionen Franken an Bund und Kantone zurückerstatten. Wer davon wie viel erhält, ist noch unklar. Dazu sind weitere Abklärungen des BAV nötig. Klar ist: Postauto mit seinen schweizweit 2200 Fahrzeugen und über 4000 Mitarbeitern ist nicht nur das grösste Busunternehmen der Schweiz, sondern auch in der Zentralschweiz ein wichtiger Player. Im Kanton Luzern fährt Postauto rund 14Prozent des ÖV-Angebots, wie es beim Verkehrsverbund Luzern auf Anfrage heisst. Im Kanton Obwalden betreibt Postauto sieben Linien, im Kanton Uri fünf. Stark vertreten ist Postauto im Kanton Schwyz, wie Markus Meyer, Leiter des Amts für öffentlichen Verkehr, sagt. «Vor allem im Gebiet March/Höfe/Einsiedeln werden zahlreiche Linien von Postauto betrieben.»

Bund und Kantone bezahlen Postauto für den Betrieb nicht rentabler Linien. Der Bundesbeitrag fällt dabei unterschiedlich hoch aus. Gegenüber unserer Zeitung legten die Kantone die letztes Jahr ausbezahlten Abgeltungen offen. Am höchsten war der Beitrag des Kantons Luzern mit 7Millionen Franken, gefolgt von Schwyz mit 5 Millionen (siehe Tabelle). Die Zahlen zeigen die Höhe der Kantonsbeiträge ohne jene des Bundes. Sie lassen keine Rückschlüsse über die Höhe einer allfälligen Rückzahlung zu. «Ich rechne mit einem grösseren Betrag», sagt Markus Meyer vom Kanton Schwyz. Die anderen Zentralschweizer Kantone rechnen mit eher kleinen Summen.

Die Federführung für die Aufarbeitung der Schummelei liegt beim Bundesamt für Verkehr. Entsprechend werden die Kantone derzeit nicht von sich aus aktiv. Doch klar ist, dass der Fall einen Imageschaden hinterlässt. Wird es Postauto bei der Konzessionsvergabe künftig schwerer haben? Das Unternehmen sei bisher ein fairer und guter Partner gewesen, sagt Josef Durrer vom Kanton Obwalden. «Der Fall belastet unser Verhältnis nicht.» Auch Christian Raab vom Kanton Uri sagt: «Wir sehen zum jetzigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit, die Zusammenarbeit grundsätzlich zu überdenken. Die Zusammenarbeit mit Postauto war bisher gut.»

Ähnlich klingt es im Kanton Schwyz. Markus Meyer fügt zudem an: «Für den Busverkehr im äusseren Kantonsteil gibt es kein anderes Unternehmen, das gross genug wäre, um den Betrieb zu stemmen.»

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch


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