Statt «Olli» kommt «Milo» – aber später

ZUG ⋅ Selbstfahrende Kleinbusse sucht man in diesem Jahr auf Zuger Strassen vergebens. Der im Frühling vorgestellte Bus genügt den Anforderungen nicht.
15. September 2017, 00:00

Am 7. September sagte Patrick Marti, Geschäftsführer von Mobility Schweiz, bei einem Vortrag: «Wir suchen für das Projekt für einen selbstfahrenden Bus in Zug einen neuen Anbieter.»

Nun haben Recherchen unserer Zeitung ergeben, dass der am 7. März vorgeführte selbstfahrende Bus mit dem Kosenamen Olli nie auf Zuger Strassen verkehren wird. «Nachdem der ursprüngliche Hersteller nicht den Anforderungen in der Umsetzung entsprechen konnte, wird der Fahrzeughersteller gewechselt», steht in einem SBB-Papier. Die Staatsbahn hat bei der geplanten Pioniertat auf Schweizer Strassen den Lead. Mit im Boot sitzen Mobility, die Zuger Verkehrsbetriebe (ZVB), die Stadt Zug und der Technologiecluster Zug.

Die Evaluation ist aber weiter gediehen, als Patrick Marti glauben machen wollte. Der führerlos fahrende Bus, der seine Energie aus einer Batterie bezieht, wird von der französischen Firma Easy Mile geliefert. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Toulouse (Frankreich). Es ist 2014 durch die Firma Ligier und einen anderen Investor gegründet worden. Ligier hat sich in den 1970er-Jahren einen Namen im Automobilrennsport gemacht und setzt seit 1980 auf den Bau von leichten Strassenfahrzeugen. Easy Mile hat den von Ligier gefertigten Kleinbus des Typs EZ10 entwickelt und vermarktet ihn bisher erfolgreich. Er ist schon an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt eingesetzt worden. Unter anderem ist er in Darwin (Australien), Arlington (US-Bundesstaat Texas), Tallinn (Estland), San Sebastián (Spanien), Taipeh (Taiwan), Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) und vor zwei Jahren in Lausanne erfolgreich unterwegs gewesen.

Verzögerung wegen Herstellerwechsel

Der Herstellerwechsel verzögert die Inbetriebnahme der ersten führerlos bedienten Strecke in Zug. Ursprünglich für Sommer 2017 geplant, soll die heisse Phase jetzt im ersten Semester des Jahres 2018 beginnen. Bis zum Startschuss mit dem EZ10 auf Zuger Strassen wird das Gefährt durch die ZVB ausgedehnten Tests unterzogen. So wird dem elektrischen Minibus die Strecke «gezeigt», auf der er zuerst verkehren soll. Dieses Verfahren wird «Mapping» genannt. Bei der Präsentation im März ist eine Verbindung zwischen dem Bahnhof Zug und dem Technologie-Cluster Zug auf dem Areal der Verzinkerei geplant gewesen. Trifft der zweite Minibus im kommenden Jahr ein, sind erste Fahrten mit Passagieren geplant. Bis es so weit ist, muss der elektrisch betriebene Minibus aber noch vom Bundesamt für Strassen ­(Astra) abgenommen werden.

Von der Konfiguration her ähnelt Milo, so der Kosename des EZ10, dem noch vor dem Testlauf ausgemusterten Gefährt Olli aus deutscher Produktion. Er bietet sechs Sitz- und ebenso viele Stehplätze. Die Höchstgeschwindigkeit des EZ10 beträgt gemäss den Produktunterlagen 40 Stundenkilometer. Normalerweise ist das Gefährt mit 20Stundenkilometern unterwegs. Der elektrisch betriebene Kleinbus verfügt über eine Klimaanlage und kann, ohne Energie nachgetankt zu haben, rund 14 Stunden herumfahren. Die grösste Herausforderung für das Zuger Pilotprojekt ist, dass er in Zug auch auf von anderen Verkehrsteilnehmern mitbenutzten Strassen herumfahren soll.

Der Wechsel des Fahrzeuges hat grundsätzlich nichts am Charakter des Projektes geändert. Deshalb gelten auch die im März geäusserten Worte von SBB-Chef Andreas Meyer weiterhin: «Wir wollen etwas zu Stande bringen, das es bisher noch nicht gibt.» Die SBB planen, ihren Kunden eine Tür-zu-Tür-Lösung zu bieten. Der Bahnhof der Zukunft, der auf dem Nachhaltigkeitsforum in Rotkreuz kürzlich ein Thema gewesen ist, wird also in Zug bald in einem Teilbereich vorweggenommen.

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Hinweis

Mehr über den EZ10 finden Sie auf www.easymile.com.


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