SVP tauscht Kandidat aus – CVP und SP sind verärgert

SCHATTDORF ⋅ Die CVP zog den eigenen Gemeinderatskandidaten zu Gunsten des SVP-Mannes zurück. Doch den freien Sitz wird nun dessen Vater «erben». Das «Büäbätrickli» kommt gar nicht gut an.
11. Oktober 2017, 00:00

Der Schattdorfer FDP-Gemeinderat Patrik Müller ist aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Gemeinderat zurückgetreten. Am Montagabend ist die Frist für die Einreichung der Wahlvorschläge abgelaufen. Vorgeschlagen wurde nur Landrat Vinzenz Arnold (SVP). «Ich bin bereit, das Amt anzutreten», sagte Arnold gestern auf Anfrage. Der SVP-Mann kann somit vom Gemeinderat in stiller Wahl als gewählt erklärt werden. Der auf den 26. November angesetzte Urnengang wird in diesem Fall nicht stattfinden.

Diese stille Wahl sorgt aber für laute Nebengeräusche – zumindest bei den Ortsparteien. Von einem «Büäbätrickli» und von Vertrauensbruch der SVP wird gesprochen. Das hat mit der Vorgehensweise der SVP beziehungsweise von Vinzenz Arnold zu tun.

Zur Vorgeschichte: Die FDP konnte nach der Rücktrittserklärung von Patrik Müller innert nützlicher Frist keinen Nachfolger aus den eigenen Reihen re­krutieren. «Um eine Vakanz im Gemeinderat zu verhindern, haben wir die andern Ortsparteien Mitte September aufgefordert, bei der Suche nach einem Ersatz behilflich zu sein», sagt Werner Bachmann, Präsident der FDP Schattdorf. Zudem sei es eigentlich seit längerem ein erklärtes Ziel der Schattdorfer Ortsparteien, Kampfwahlen für den Gemeinderat nach Möglichkeit zu verhindern, um Kandidaten nicht «verheizen» zu müssen.

«Vier CVP-Gemeinderäte sind zu viel»

Rund zehn Tage später teilte die CVP Schattdorf den übrigen Ortsparteien (SVP, FDP und SP) mit, dass sie fündig geworden sei. «Wir können einen fähigen Kandidaten präsentieren, der nach Rücksprache mit seiner Familie und dem Arbeitgeber bereit ist, das Amt auszuführen», freute sich CVP-Ortsparteipräsident Flavio Gisler damals. Zu früh, wie sich zeigen sollte. Am 29. September meldete sich SVP-Präsident Vinzenz Arnold bei Gisler: «Vier CVP-Gemeinderäte sind zu viel. Wir werden selber schauen, da die SVP genügend fähige Leute hat.» Am 4. Oktober wurden Gisler, Bachmann und SP-Präsident Alex Inderkum von Vinzenz Arnold anlässlich einer kurzfristig einberufenen Sitzung informiert, dass Olaf Arnold, der Sohn des SVP-Präsidenten, der offizielle Kandidat sei – «so oder so, auch wenn es zu Kampfwahlen kommen sollte». Gleichzeitig wurden die Vertreter der CVP, der FDP und der SP mit einem Bewerbungsdossier von Olaf Arnold inklusive Lebenslauf und Berufs­diplomen bedient.

Für den Rückzug ausgesprochen

Um Kampfwahlen zu vermeiden, sprach sich die CVP Schattdorf – nach vorstandsinterner Beratung und nach Rücksprache mit dem eigenen Kandidaten – für den Rückzug beziehungsweise die Unterstützung von Olaf Arnold aus. «Natürlich war es ärgerlich, dass uns die SVP nicht früher informiert hat, dass ihr vier CVP-Leute zu viel seien. Dann hätten wir nämlich erst gar nicht suchen müssen», betonte Gisler gestern.

Am 6. Oktober – also drei Tage vor Ablauf der Anmeldefrist – teilte die CVP allen Ortsparteipräsidenten mit, dass man den eigenen Kandidaten zu Gunsten von Olaf Arnold zurückziehe. «Danach habe ich von der SVP nichts mehr gehört», so Gisler.

Wohl der Gemeinde über dasjenige der Partei stellen

Auf den nun vollzogenen Kandidatenwechsel angesprochen, zeigte sich Gisler gestern auf Anfrage sichtlich verärgert: «Wir haben unseren Kandidaten zu Gunsten von Olaf Arnold und nicht zu Gunsten von Vinzenz Arnold zurückgezogen.» Bis anhin sei von allen Ortsparteien das Wohl der Gemeinde über dasjenige der Partei gestellt worden. «Das scheint nun nicht mehr der Fall zu sein», sagte Gisler. «Vinzenz Arnold ist es nie um das Amt gegangen, sondern einzig und allein dar­um, einen Kandidaten der CVP zu verhindern», zeigte sich der CVP-Präsident überzeugt. «2018 sind Gesamterneuerungswahlen. Vinzenz Arnold war selber bisher nie am Amt des Gemeinderats interessiert. Ich gehe deshalb davon aus, dass er wieder zu Gunsten eines Kandidaten zurücktritt, der das Amt effektiv des Gemeinwohls wegen ausführen möchte.»

«Irritiert und überrascht» zeigte sich auch SP-Präsident Alex Inderkum. Er erfuhr gestern von unserer Zeitung von der Kandidatur von Vinzenz Arnold. «Dies entspricht ganz und gar nicht der mündlichen Abmachung, die wir am 4. Oktober getroffen haben. Über den Wechsel von Olaf zu Vinzenz Arnold bin ich nicht informiert worden», so Inderkum. «Wenn man das Vertrauen untereinander fördern will, so müssen sich Ortsparteien unbedingt an mündliche Abmachungen halten. In diesem Fall ist dies aber nicht geschehen.»

CVP und SP nicht persönlich informiert

«Mein Sohn hat nach Rücksprache in seinem privaten und seinem beruflichen Umfeld festgestellt, dass die Übernahme des Gemeinderatsamts nicht drinliegt», erklärte Vinzenz Arnold gestern. «Ich habe aber gesagt, dass ich mich zur Verfügung stelle, wenn mein Sohn nicht kommt.»

Gisler und Inderkum wollen von Vinzenz Arnold persönlich oder bei den Gesprächen im Vorfeld des Eingabetermins nie über diese Option informiert worden sein. Bachmann gegenüber soll Arnold dies «höchstens angedeutet» haben.

Bruno Arnold

bruno.arnold@urnerzeitung.ch

Präsident CVP Schattdorf


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