Tausende bestaunen Lichtermeer

BRAUCHTUM ⋅ Auch am diesjährigen Klausjagen in Küssnacht standen die traditionellen Infuln im Zentrum. Doch ein Teilnehmer war als Fotosujet noch begehrter.
06. Dezember 2017, 00:00

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Pünktlich um 20.15 Uhr erloschen in Küssnacht die Strassenlampen und die meisten Schaufenster, gleichzeitig bedeutete ein lauter Knall den Startschuss für das diesjährige Klausjagen in Küssnacht – und das unter idealen meteorologischen Bedingungen. Für Michael Seeholzer, Sprecher der Klausengesellschaft Küssnacht, hätte das Wetter nicht besser sein können. «Es ist trocken, aber etwas neblig. Das ist perfekt, um mit den Infuln eine mystische Stimmung zu erzeugen», sagt er auf Anfrage. Doch bevor die 267 Infulnträger mit ihren Kunstwerken durch die Altstadt von Küssnacht tänzelten und sich vor dem einen oder anderen der gegen 20000 Zuschauer verneigten, stimmten 20 Geisslechlepfer auf das Klausjagen ein.

Die von Michael Seeholzer angetönte mystische Stimmung, als die Infuln dann schliesslich die Strassen erhellten, wurde allerdings durch das Blitzlichtgewitter einiger Besucher getrübt. Bereits im Vorfeld machte die Klausengesellschaft im Internet wiederholt auf diese Problematik aufmerksam und mahnte die Zuschauer, doch den Blitz bei den Kameras auszuschalten. Einige genervte Zuschauer machten die Sünder auf das unerwünschte Verhalten aufmerksam.

Selfies mit dem Samichlaus

Und trotzdem: Das Staunen über die filigranen und detailreichen Motive war gross. «Ich komme jedes Jahr nach Küssnacht ans Klausjagen, und es ist jedes Jahr wieder aufs Neue faszinierend und einfach nur schön», sagt eine Zuschauerin. «Das ist gelebte Tradition.» Ein anderer Besucher war das erste Mal an diesem traditionsreichen Anlass. Seine Erwartungen waren nach den vielen Erzählungen seiner Freunde sehr hoch. «Aber ich wurde nicht enttäuscht, das Klausjagen ist wirklich ein sehr schöner Brauch. Ich werde sicher wieder herkommen.» Und eine weitere Zuschauerin fragte sich beim Vorbeigehen der Männer, woher diese wohl die Inspiration und Geduld für die aufwendigen Verzierungen hätten. Und überhaupt: «Diese grossen Infuln müssen doch wahnsinnig schwer sein, wie schaffen es die Männer, diese so lange auf den Schultern zu tragen?»

Auf die 267 Infuln folgte der Einzug der Fackelträger mit dem Samichlaus und seinem Gefolge. Dieses war auch vor dem Umzug ein beliebtes Fotosujet – sie mussten für das eine oder andere Selfie herhalten.

Auf den Samichlaus folgten dann 85 Musikanten. Danach kamen die 335 Senten-Trychler und 680 Klopfen-Trychler, deren rhythmische Klänge durch Mark und Bein gingen und so manchen Zuschauer zum Mitwippen animierten. Den Abschluss bildeten 215 Hörner. Gesamthaft haben 1662 Teilnehmer am diesjährigen Klausjagen mitgewirkt.


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