Tell und Walter verhüllt

ALTDORF ⋅ Das Telldenkmal wurde gestern für politische Propaganda missbraucht. Zur Aktion hat sich die Partei national orientierter Schweizer (Pnos) bekannt. Präsident Dominic Lüthard wird angezeigt.
07. August 2017, 00:00

«Islamisierung stoppen»: Dieser Slogan stand auf einem Transparent, das gestern Morgen vor dem Telldenkmal gezeigt wurde. Darunter war folgendes Zitat aus Schillers «Wilhelm Tell» zu lesen: «Ans Vaterland, ans teure, schliess dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen. Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft.» Vorgängig waren Wilhelm Tell und Sohn Walter mit schwarzen Tüchern respektive mit einer Art Burka verhüllt worden. Festgestellt wurde dies kurz vor 8 Uhr von einer Patrouille der Kantonspolizei Uri.

Zur Aktion hat sich die Partei national orientierter Schweizer (Pnos) bekannt. «Im Umfeld des Denkmals hielten sich rund ein Dutzend Personen auf», sagte Ruedi Huber, Chef der Kriminalpolizei Uri, gestern auf Anfrage. Der Präsident der Pnos, Dominic Lüthard, wurde von der Polizei befragt. Weil keine Bewilligung für die Aktion vorlag, wird die Urner Polizei Lüthard als Drahtzieher der Aktion bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Uri anzeigen.

Pnos zieht Altdorf dem Bundesplatz vor

«Wir wollten auf die drohende ­Islamisierung aufmerksam machen», erklärte Lüthard gestern gegenüber unserer Zeitung. «Die Aktion in Altdorf soll verdeutlichen, wie schnell unsere wertvolle Geschichte in den Trümmern des Islamismus verschwinden könnte, wenn wir nicht handeln.» Es habe verschiedene Gründe gegeben, dass man gerade Altdorf als Ort für die Aktion ausgewählt habe. «Das Telldenkmal zählt zu den bekanntesten Schweizer Kulturgütern, und der IS hat schon sehr viele Kulturgüter zerstört», so Lüthard. Zudem sei es «logistisch bedeutend einfacher», eine Aktion im Zentrum von Altdorf zu inszenieren statt etwa vor dem Bundeshaus in Bern.

«Mit der Anzeige mussten wir rechnen, wie jemand, der ohne Bewilligung Plakate anbringt», sagte der Pnos-Mann Lüthard weiter. Man werde jetzt zuerst einmal abwarten, was als effektiver Grund für die Anzeige angegeben werde. «Ich weiss nicht, welches Gesetz wir mit der Verhüllung gebrochen haben könnten.»

Der Unterhaltsdienst der Baudirektion Uri entfernte die Verhüllung umgehend. «Sachschaden ist bei der Aktion nicht entstanden», sagte Huber.

Bruno Arnold bruno.arnold@urnerzeitung.ch


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