Verkehrsflüsse neu denken

AUSBLICK ⋅ Die SBB wollen den Bahnhof Rotkreuz zu einem Drehkreuz der Mobilität machen. Als «Testlabor» soll er auch als Vorbild für andere Verkehrsknoten dienen. Mit im Boot sitzt Zug Estates.
09. September 2017, 00:00

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Einige der rund 150 Teilnehmer des 3. Nachhaltigkeitsforums der Zug Estates auf dem Gelände der Suurstoffi in Rotkreuz wurden am Donnerstag an die Zeiten ihres Studiums erinnert. Die Zuhörer aus Wirtschaft, Bildung und Politik sitzen in einem eng gereihten Hörsaal der Hochschule Luzern.

Besonders interessant ist der Vortrag von Peter Wicki. Der Leiter Portfolio Management Immobilien bei den SBB zeichnet ein Bild, wie Bahnhöfe in Zukunft aussehen werden. Diesen Stätten wird zuerst ein neuer Name verpasst: Mobilitätshubs. Das englische Wort «Hub» bedeutet Drehkreuz und wird derzeit vor allem in der Aviatikbranche genutzt. Jetzt werden Hubs «bahntauglich» gemacht.

Der Traum von Bahnhöfen mit einem Mehrwert

Peter Wicki erläutert kurz und knapp, was die Vordenker der Staatsbahn darunter verstehen: «Mobilitätshubs bilden als umfassende Verkehrsknoten das Herz der Mobilität der Zukunft. Sie laden ein zum Reisen, zum Verweilen oder zum Konsumieren.» Was Wicki als Trumpf dieser neuen Verkehrsknoten sieht: «Das Zu- und Umsteigen zwischen den zahlreichen Mobilitätsangeboten wird massgeblich vereinfacht.» Dabei sieht der SBB-Architekt nicht nur die ­Verknüpfung zwischen Bahn und Bus. Für ihn gehört dieser Fächer breit geöffnet. So zählt er E-Bikes, E-Trottinetts ebenso selbst­verständlich dazu wie autonom fahrende Fahrzeuge, welche die Reisenden bis vor die Haustüre kutschieren.

Wicki erwähnt sogar die Einbindung von Fernbussen, die überall in Europa der Bahn das Wasser abgraben und auch in der Schweiz bald salonfähig werden könnten. Der SBB-Mann vergisst aber in seinem Referat auch nicht einzuflechten, dass die SBB «als treibende Kraft im öffentlichen Verkehr» die Stärken der Bahn «mit den neuen Mobilitätsträgern» verknüpfen wollen.

Bahnhof Rotkreuz als Testlabor vorgesehen

Den Bahnhof Rotkreuz sieht Peter Wicki als eine Art «Testlabor». Es gibt Ideen, das Gelände auf der Südseite der Bahnhofanlage – und zwar in Richtung Zentrum Dorfmatt – «weiterzuentwickeln». Bei der Planung soll dabei bereits darauf geachtet werden, dass aus der neuen Überbauung ein Mobilitätshub werden kann. «Wir planen flexibel und modular, sodass wir auf sich verändernde Mobilitäts- und allgemeine Kundenbedürfnisse reagieren können.» Besonders sehenswert ist eine von Wicki präsentierte Visualisierung eines Bahnhofs der Zukunft. In Rotkreuz gebaut, würde dieser Bau sicher ein Publikumsmagnet werden. Die Züge fahren unterirdisch, und auf dem Bahnhofdach gibt es einen kleinen Park mit schönen Bäumen.

Dass der Bahnhof Rotkreuz neu gedacht werden muss, ist schon jetzt das Gebot der Stunde. Hier kommt die Zug Estates mit ihrer grossen Überbauung Suurstoffi ins Spiel. Für Peter Wicki ist klar, dass alle Beteiligten ins Boot geholt werden müssen. Auf dem erwähnten Gelände, das praktisch Gleisanschluss hat, gibt es einen Hochschulcampus, Gewerbe und Wohnungen. Deren Nutzer sind potenzielle Kunden des dereinst modifizierten Verkehrsknotens. Erste Pflöcke dazu werden schon eingeschlagen. Im November stimmen die Rischer über den Bau einer neuen Brücke über das Gleisfeld des Bahnhofs Rotkreuz ab. So können die Perrons von zwei Seiten her erschlossen werden, vorausgesetzt, der Souverän heisst das Projekt gut.

Eine gute Lösung soll auch für den Individualverkehr gefunden werden. Da passt es perfekt, dass der Hauptsitz der Car­sharing-Genossenschaft nach Rotkreuz verlegt wird. Deren Geschäftsführer Patrick Marti sagt: «Teilen ist das neue Haben.» Für Mobility bringe das neue Geschäftsfelder. Marti sagt sogar: «Das Auto ist kein Statussymbol mehr.»

Hinweis

Den Nachhaltigkeitsbericht «Immobilien» finden Sie auf www.zugestates.ch


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