Wegen 17 Burgern vor Gericht

FAST FOOD ⋅ Weil sie Bestellungen nicht ordnungsgemäss an der Kasse abgebucht haben, müssen sich drei Mitarbeiter eines Altdorfer Schnellimbisses vor dem Urner Landgericht verantworten.
08. November 2017, 00:00

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Mehrfache Urkundenfälschung: So lautet der Vorwurf gegen drei ehemalige Mitarbeiter eines Altdorfer Fast-Food-Restaurants. Sie sollen Bestellungen abgewickelt haben, ohne sie an der Kasse zu verbuchen. Aufgrund einer Strafanzeige des Geschäftsführers hat die Staatsanwaltschaft Uri Anklage erhoben.

Gestern Morgen stand nun ein 34-Jähriger vor dem Urner Landgericht. Er soll 2012 als Kassierer 17 Bestellungen im Wert von 251.90 Franken nicht getippt haben. Dies nicht, um sich finanziell zu bereichern. Vielmehr legte er das unverbuchte Geld in die Kasse, um Fehlbestände zu begleichen, die wegen Falschbuchungen, der Entgegennahme von zu wenig oder der Herausgabe von zu viel Bargeld entstanden waren. Dabei wäre er jedoch verpflichtet gewesen, Falschbuchungen mit einem Storno abzuwickeln und Kassendifferenzen von über 10 Franken selber zu zahlen.

Nicht finanzielle, aber andere Vorteile erhofft

Sein Nichttippen habe die Kassenabrechnung am Ende des ­Tages verfälscht, der Kassier sich deshalb der Urkundenfälschung schuldig gemacht, führte Staatsanwältin Isabelle Gisler aus. Dadurch sei dem Restaurant ein Schaden entstanden. Die Abrechnung sei nicht nur steuermässig relevant, sondern ein wichtiges Kontroll- und Steuerungselement der Geschäftsführung. Ist die ­Abrechnung fehlerhaft, könne der Geschäftsführer nicht mehr nachvollziehen, ob sich nun Burger oder Pommes besser verkaufen, so Gisler. Zudem sei durch die verfälschten Abrechnungen nicht ersichtlich, ob und wieso es zu Fehlbuchungen kam, ob jemand einen Fehlbetrag zu tragen gehabt hätte oder gar einen Diebstahl begangen haben könnte. Dass sich der ehemalige Kassier mit dem Nichttippen nicht finanziell bereichert hat, schmälere seine Schuld nicht. Der Angeklagte habe sich durch sein Verhalten andere Vorteile erhofft, so Gisler. So habe er in einer Einvernahme angegeben, dass er besser sein wollte als andere Kassierer, die mehr Stornobuchungen zu verzeichnen hatten. Ausserdem habe sich der Angeklagte davor drücken wollen, der Geschäftsleitung unerwünschte Storno­buchungen erklären zu müssen.

Staatsanwältin Gisler forderte eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen a 80 Franken sowie eine Busse von 600 Franken.

Der Angeklagte betonte vor Gericht, nicht gewusst zu haben, dass sein Handeln strafbar gewesen sei. Als gelernter Automechaniker habe er nie eine Schulung in Sachen Abrechnungen gehabt und sich lediglich an die Anweisungen seiner Vorgesetzten gehalten. Diese hätten ihm gesagt, er solle wenn möglich Stornos vermeiden und Fehlbestände durch Bareinlagen ausgleichen.

Der Verteidiger plädierte deshalb für einen Freispruch. Sein Mandant habe nach Treu und Glauben gehandelt und sei strafrechtlich nicht zur Verantwortung zu ziehen. Schliesslich habe die Geschäftsleitung selber den Anreiz fürs Nichttippen geschaffen, indem sie Prämien ausrichtete an Mitarbeiter mit wenig Storno­buchungen.

Gestern stand ausserdem ein ehemaliger Schichtleiter vor dem Landgericht; am Dienstag folgt das Verfahren gegen einen weiteren ehemaligen Schichtleiter. Den beiden wird ebenfalls mehrfache Urkundenfälschung wegen nicht oder falsch getippter Verkäufe vorgeworfen. Die Urteile werden den Parteien schriftlich im Dispositiv zugestellt.


Leserkommentare

Anzeige: