Weniger Bergtote in den Alpen

ZENTRALSCHWEIZ ⋅ 2017 starben 14 Personen in den hiesigen Bergen – 5 weniger als im Vorjahr. Anders als im Rest der Schweiz gab es hingegen mehr Unfälle ohne Todesfolge.
02. Dezember 2017, 00:00

Wenn am Himmel die Farben Rot und Weiss aufblitzen, der Lärm von Rotoren über das Gebirge schallt, ist klar: Die Rega fliegt an einen Unfallort. Bis September 2017 zählte der Schweizerische Alpen-Club (SAC) in der Zentralschweiz und dem Kanton Glarus 329 Notfälle am Berg, bei denen entweder die Rega oder die Alpine Rettung Schweiz ausrücken mussten. Das sind 27 Ereignisse mehr als im gleichen Zeitraum vor Jahresfrist.

Interessant: Schweizweit ist das Bild ein anderes, die Zahl der Bergunfälle ist rückläufig. Sie sank von 2450 auf 2244. Woher rührt dieser Unterschied zwischen unserer Region und dem Rest des Landes? «Das ist schwierig zu sagen», erklärt Ueli Mosimann, verantwortlich für den ­Bereich Sicherheit im Bergsport beim SAC. «Eine mögliche Erklärung war das schlechte Wetter an den Wochenenden während des Sommers.»

Mehr Unfälle wegen Tagesausflügen

Wie kommt Mosimann auf diese Idee? «Die Zentralschweiz ist prädestiniert für Tagesausflüge», sagt er. «Wenn das Wetter also nur an einem Tag pro Woche stimmt, zieht es Sportler eher in diese Region statt ins Wallis oder ins Bündnerland.» Letztere Gebiete seien für mehrtägige Touren gefragter. Ein weiterer Grund für die rückläufigen Zahlen in der gesamten Schweiz ist laut Ueli Mosimann der schneearme Winter. Das zeigt sich auch anhand der registrierten Todesfälle in der Zentralschweiz: Verstarben im Jahr 2016 noch 19 Personen am Berg, waren es heuer 14. «Die Bedingungen für schwere Lawinenunfälle waren diesen Winter glücklicherweise nicht gegeben», so der SAC-Fachmann. Erstens lag allgemein zu wenig Schnee, zweitens kam er erst im Januar richtig. Der Monat Dezember – und damit das Weihnachtsgeschäft – fand skitechnisch gesehen kaum statt. Das zeigen auch die Zahlen: Gab es 2016 noch fünf Tote zu beklagen, die auf einer Skitour verstarben, war es dieses Jahr einer. Schweizweit starben im aktuellen Jahr 91 Personen im Gebirge, im Vorjahr 115.

Und wie geht es im kommenden Winter weiter? «Es kommt sehr darauf an, wie viel Schnee der Winter bringt», sagt Mosimann. «Wenn aber plötzlich der Föhn kommt und alles wegschmilzt, gibt es sicher weniger Schneesportunfälle.» Allerdings muss dies nicht bedeuten, dass Rega und Alpine Rettung weniger ausrücken müssen: «Letztes Jahr zu Weichnachten gab es überdurchschnittlich viele Wanderunfälle.» Die Zahl Notfälle, die sich heuer beim Bergwandern ereigneten, stieg von 145 auf 157.

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch


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