Zeitdruck bringt ihn nicht aus der Ruhe

URI/LUZERN ⋅ Der 39-jährige Sven Aregger arbeitete 15 Jahre auf der Redaktion der «Urner Zeitung» und wechselte vor anderthalb Jahren nach Luzern. Der Sportredaktor sagt, weshalb er Altdorf die Treue hält und ihn Ferien in Übersee faszinieren.
02. Oktober 2017, 00:00

Interview: Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

Sven Aregger, erklären Sie uns den Unterschied zwischen der Stadt Altdorf und der Stadt Luzern?

In Altdorf ist halt alles ein wenig kleiner. In Altdorf kennt man sich auf der Strasse, man grüsst sich. Die Urner haben sich eine spezielle Offenheit angeeignet, weil sie mit vielen Auswärtigen und Durchreisenden in Kontakt kommen. Als Beispiele nenne ich den Gotthard, die Neat, aber auch das noch junge Resort in Andermatt. Es ist eine Offenheit, vermischt mit Bodenständigkeit.

Und was sagen Sie zu Luzern?

Ich schätze die Vielfalt in Luzern. Das Essen, die Kulturangebote, die Beizen ..., die Auswahl ist letztlich grösser als in Altdorf. Ich muss anfügen, dass ich in Romoos im Entlebuch geboren bin. Als ich 4-jährig war, wechselte mein Vater aus beruflichen Gründen den Wohnort. Ich bin dann in Flüelen aufgewachsen und wohne seit 14 Jahren in Altdorf.

Sie arbeiten seit anderthalb Jahren in Luzern, wohnen aber weiterhin in Altdorf. Wieso?

Wieso nicht? Viele staunen, wenn ich sage, dass ich mit dem Auto nur 35 Minuten Fahrweg habe. Ich habe nach rund 15 Jahren auf der Redaktion in Uri eine Veränderung gebraucht. Aber der Weg ist überhaupt kein Problem. In Luzern zu wohnen, ist für mich kein Thema, ich fühle mich wohl in Altdorf. Ich sage es jetzt allen deutlich: Uri liegt nicht am Ende der Welt! Nach einem strengen Arbeitstag kann ich auf der Heimfahrt «runterfahren», damit ich daheim wieder Gelassenheit ausstrahle. Ich schätze die Ruhe in den Bergen. Nachts höre ich das Bächlein plätschern, und manchmal laufen die Rehe hinter dem Haus vorbei.

Sie stehen für unsere Zeitung momentan als Eishockey- Reporter im Einsatz, verfolgen vor allem die Spiele des EV Zug. Was ist der Unterschied zwischen dem EVZ und Ambri-Piotta, das gleich nach der Urner Grenze kommt?

Die Urner stehen Ambri sehr nahe. Ambri ist der ewige Underdog, der sich gegen die finanzstarken Klubs auflehnt. Da ist vieles mit Leidenschaft verbunden. Die Valascia hat noch den Charme der kalten Hockeystadien, die es früher überall gab. Das ist eine Hockeyromantik, die man sonst nicht mehr findet. Auf der anderen Seite der etablierte EV Zug, vielleicht noch ein wenig im Schatten von Giganten wie dem SC Bern oder dem ZSC. Aber der EVZ ist ein sehr gut aufgestellter Verein mit umsichtigen, vernünftigen Leuten an den Schaltstellen.

Was muss ein Eishockey-­Reporter draufhaben?

Er muss sicherlich das Regelwerk gut kennen. Dann muss er bei den Abendspielen mit dem Zeitdruck umgehen können. Wenn es eine Verlängerung gibt und auch noch Interviews geführt werden müssen, kann die Zeit sehr, sehr knapp werden, denn der Bericht muss ja noch in die nächste Zeitungsausgabe.

Wie ist der Umgang mit den Eishockey-Haudegen?

Die bösen Buben, die sich auf dem Eis auf die Kappe geben – das ist ein Klischee. Neben dem Eis sind die Cracks sehr unkompliziert, nicht schnell beleidigt, richtig zuvorkommend. Der Zuger Spieler Timo Helbling beispielsweise gilt als einer der härtesten Typen auf dem Eis. Trifft man ihn daneben, ist er ein ruhiger, interessanter Gesprächspartner.

Weitere Sportarten, die Sie als Journalist betreut haben?

Als Redaktor in Uri habe ich auch über die Altdorfer Handballer und im Regionalfussball über die Rivalität zwischen Altdorf und Schattdorf geschrieben. Dieses Urner Fussballderby lockte jeweils über 1000 Zuschauer an. In Uri berichtete ich aber auch querbeet durch Gesellschaft, Kultur, Politik und Polizei.

Ihr Lieblingssportler?

Bastian Schweinsteiger. Abgesehen davon, dass ich Bayern-München-Fan bin, finde ich Schwein­steiger einen ehrlichen, bodenständigen Fussballer unter vielen Egoisten und Selbstdarstellern. Er hat alles gewonnen und sich dabei nie in den Vordergrund gestellt.

Was tun Sie in Ihrer Freizeit?

Wenn ich durch die Haustür rausgehe, bin ich ohne grossen Aufwand sofort in den Bergen. Ich spaziere und wandere gerne. Ausserdem spiele ich Seniorenfussball beim FC Flüelen. Und ich bin schon rund zehnmal in die USA gereist. Dieses Land fasziniert mich aufgrund der Weite und Grösse, aufgrund der landschaftlichen Facetten. Im Süden entdeckt man Krokodile, im Norden erlebt man Blizzard-Schneestürme. Die USA sind ein globaler Player, es interessiert mich, wie das amerikanische Volk damit umgeht. Auch der amerikanische Sport interessiert mich extrem. Es kann schon mal sein, dass ich in der Nacht aufbleibe, um im TV NHL-Eishockey oder die Baseballer der Boston Red Sox zu schauen.

Wann steht Ihr nächster USA-Trip auf dem Programm?

An Weihnachten werde ich mit meiner Freundin Claudia in New York sein. Ich werde mir in Brooklyn ein Eishockeyspiel der New York Islanders anschauen und in Newark ein Spiel der New Jersey Devils mit dem Schweizer Supertalent Nico Hischier.

Und was macht Claudia unterdessen?

Sie ist zwar nicht riesig interessiert, aber meistens kommt sie mit. Sie hat selber Unihockey gespielt, ist 2015 mit Floorball Uri in die NLB aufgestiegen.

Ihr aufregendstes Erlebnis in den USA?

In Seattle bin ich einmal früh­morgens auf eine Flussfahrt zum Fischen. Bei starkem Wind, professionell angezogen, mit wasserdichtem Mantel, Kapuze, schweren Schuhen und Handschuhen. Ich hatte zuvor noch nie gefischt, und plötzlich biss ein Einmeter-Steelhead an. Der hat mich fast ins Wasser gezogen.

Letzte Frage: Was versprechen Sie zu tun, wenn der EV Zug Schweizer Meister wird?

Ich glaube, dann kommt vor allem die Arbeit für die Sonderbeilage in der Zeitung auf mich zu.

www. Die weiteren Beiträge dieser Serie finden Sie unter: luzernerzeitung.ch/autoren

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