Ihre Stimmen sind ihr Instrument

ZUG ⋅ Mit «Vocal Acrobats» legt Filmemacher Klemens Schiess eine Doku vor, in der er zwei Vollblutmusiker porträtiert, die mit ihren Stimmen Erstaunliches leisten.
09. Dezember 2016, 00:00

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Stimmakrobaten – Vocal Acrobats. Es ist wohl der treffendste Begriff für das, was Leila Mar­tial und Andreas Schaerer in der Tat sind: Meister ihrer Stimme. Es ist wie ein gesungener Poetry-Slam mit keinen oder nur wenigen Worten und erinnert wiederholt an die Kunst des Beat­boxing. Die beiden sehen ihre Stimme als Instrument.

Einfach schön und gut zu singen, ist ihnen zu wenig. Sie wollen ihr Organ ausloten, es bis an die Grenzen bringen, die ganze Bandbreite an Klangfarben, Effekten und Rhythmen ergründen. Sie: Jazzsängerin aus Frankreich, einer Musikerfamilie entstammend. Er: Jazzsänger aus Bern, engagiert in mehreren Musikprojekten, eines davon «Hildegard lernt fliegen».

Wohl unterscheiden sich die beiden Künstler in ihren Persönlichkeiten stark, aber als sie sich vor zwei Jahren an einem Festival im Südtirol kennen lernen, staunen sie nicht schlecht darüber, wie viel sie dennoch an Gemeinsamkeiten verbindet. Wenn die beiden zusammen auf der Bühne stehen, entwickelt sich die Performance zu einem explosiven Vokalfeuerwerk.

Wie Leila in den Film kam

Zu diesem Aufeinandertreffen ist es seinerzeit gekommen, als der Filmemacher Klemens Schiess den Berner Musiker begleitete und mit ihm in Bozen an besagtem Festival drehte. Auch Leila Martial hatte da einen Auftritt und wurde somit per Zufall und unerwartet Teil des Filmdokuments. Folglich ist der Film zu einem Doppelporträt geworden, in dem beide Protagonisten auch abwechselnd ausführlich zu Wort kommen. Beide haben ganz unterschiedliche Heran­gehensweisen, sie achten auf unterschiedliche Feinheiten und Facetten beim Einsatz ihrer Stimme, und beide sind auf ihre Weise genial. Das Filmdokument besteht zu einem grossen Teil aus Aufnahmen verschiedener Festivals im In- und Ausland, wodurch der Zuschauer eine ganz konkrete Idee bekommt von den stimmlichen Fertigkeiten der zwei Musiker.

«Vocal Acrobats – the passion of an improvised journey» ist Klemens Schiess’ Filmschul-Abschlussarbeit. Dazu getrieben durch die eigene Liebe zur Jazzmusik und durch den Einsatz einfachster technischer Mittel, kommt der Regisseur den beiden Künstlern ganz besonders nahe, was auch der Zuschauer ganz klar spürt.

Filmvorführung mit Live-Konzert

Der Fliz-Filmclub Zug zeigt die stimmgewaltige Doku von Klemens Schiess am kommenden Montag im Kino Gotthard. Da der Film mit seiner Länge von 52 Minuten kaum abendfüllend ist, wird der Vorstellung gleich noch ein Konzert angefügt – im Kinosaal: Neben dem Filmemacher selbst werden die beiden Hauptfiguren Leila Martial und Andreas Schaerer anwesend sein und ihre «Instrumente» live vorführen.

Hinweis

Filmvorführung mit anschliessendem Live-Konzert am Montag, 12. Dezember, 20 Uhr im Kino Gotthard, Zug.


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