Das gute Gewissen festhalten

HÜNENBERG ⋅ Ein Fotograf ist begeistert von der Aktion «Zuger helfen Zugern» und hat sich etwas Besonderes dafür einfallen lassen.
16. September 2016, 00:00

Raphael Biermayr

Wer Gutes tut, wird oft argwöhnisch betrachtet. Florian Collante hat das erfahren müssen. Kürzlich habe ihn jemand in einem Lokal auf die Tatsache angesprochen, dass seine Menschenfreundlichkeit ja eigentlich nur «eine geile Werbung» für seine Karriere als Fotograf sei. Der 26-jährige Collante fertigt im Rahmen des Unterstützernetzwerks «Zuger helfen Zugern» ausdrucksstarke Porträtfotos von einem und verlangt dafür nichts statt der üblichen 150 Franken. Allerdings steht in seinem Studio eine Spendenbox bereit, die man freiwillig füllen kann. «Niemand gibt nichts», hat er am ersten Tag der Aktion festgestellt. Wie viel er da eingenommen hat, weiss er indes nicht. Er will nach dem zweiten Termin am kommenden Samstag die gesammelten Einnahmen den Verantwortlichen von «Zuger helfen Zugern» übergeben (siehe Hinweis).

«Eigentlich keine Werbung»

Dieser zweite Termin sei nötig geworden, nachdem Collante mit Anfragen überhäuft worden war. «Nach dem ersten lief mein Handy heiss. Ich hatte nicht mit so vielen Reaktionen gerechnet», sagt er voller Leidenschaft für sein altruistisches Engagement. Passioniert ist er auch als Fotograf. Collantes leicht vernarbte Unterarme erinnern daran, dass er hauptsächlich einem anderen Beruf nachgeht: seinem Lehrberuf als Koch. Der Deutsche ist vor fünf Jahren aus Hamburg in die Schweiz gekommen und hat in Zug ein neues Zuhause gefunden. Auf die Fotografie ist er über Umwege aufmerksam geworden. In Zukunft soll diese Tätigkeit für sein Auskommen sorgen, momentan nehme er gelegentlich Aufträge aus der Mode- und der Schönheitsindustrie wahr. «Deshalb ist das, was ich für ‹Zuger helfen Zugern› mache, auch eigentlich keine Werbung für mich. Diese Art der Aufnahmen sprechen nicht meine eigentliche Zielgruppe an», erklärt er.

Auf das Zuger Unterstützernetzwerk sei er von seiner Fotografieassistentin Sophia Abou el Hassan aufmerksam gemacht geworden. «Ich habe das sofort als eine tolle Sache empfunden und bin überrascht, wie viele da mitmachen», sagt er. Die Idee zu seinem Beitrag dafür entspringe seiner eigenen Erfahrung, wonach man auf einen reinen Spendenaufruf zurückhaltend reagiere. «Das gute Gewissen allein hält ja meistens nicht lange an. Ich biete eine Gegenleistung, die einen an seine gute Tat erinnert.» Er will also gewissermassen das gute Gewissen festhalten.

Ist es nicht ein schlechtes Zeichen, wenn man erst etwas Handfestes bieten muss, damit die Leute bereit sind, etwas zu geben? Collante antwortet wie meistens schnell, denn offensichtlich hat er sich dazu bereits Gedanken gemacht: «Meine Aktion soll ein Anreiz sein für andere Leute, auch so etwas anzubieten. Letztlich geht es ja ums Helfen.»

Hinweis

Morgen Samstag kann man sich im Studio Collanteart im Bösch 43 (Eingang B) von 12 Uhr bis 15 Uhr fotografieren lassen. Es steht eine Spendenbox bereit.


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